Karl
20.08.2003, 09:42 |
Beschäftigungsabbau auf Rekordniveau Thread gesperrt |
-->ARBEITSMARKT
Beschäftigungsabbau auf Rekordniveau
Die Auswirkungen der notorisch schwachen Konjunktur auf den Arbeitsmarkt werden immer dramatischer. Neue Zahlen des statistischen Bundesamtes offenbaren einen drastischen Beschäftigungsabbau: Noch nie ging in einem zweiten Quartal die Beschäftigung so stark zurück.
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AP
Hofft auf die Wirkungen seiner Arbeitsmarktreformen: Bundesarbeitsminister Clement
Wiesbaden - Bundesarbeitsminister Wolfgang Clement versuchte, die ernüchternden Zahlen diplomatisch zu umschreiben:"Das zweite Quartal war sicherlich kein Renner, um es mal vorsichtig zu sagen", erklärte er vor Journalisten.
Hält man sich die aktuellen Zahlen des Bundesamts für Statistik vor Augen, klingt selbst diese pessimistische Aussage wie eine Beschönigung. Denn von April bis Juni kam es nach Berechnungen des statistischen Bundesamts zum höchsten Beschäftigungsabbau in einem zweiten Quartal seit der Wiedervereinigung Deutschlands."Normalerweise ist das zweite Quartal der Zeitraum in einem Jahr, in dem ein starker Beschäftigungszuwachs zu verzeichnen ist", sagte Margrit Thiele, die für die Studie verantwortlich zeichnet. In einzelnen sei die Zahl der Erwerbstätigen im zweiten Quartal 2003 um 646.000 oder 1,7 Prozent auf 38,1 Millionen gesunken, sagte Thiele weiter.
Alle Wirtschaftsbereiche seien vom Beschäftigungsabbau betroffen gewesen. Der stärkste Rückgang der Erwerbstätigen im Vorjahresvergleich sei absolut gesehen im Produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) mit 267.000 zu verzeichnen gewesen - das bedeutet ein Minus in Höhe von 3,2 Prozent. In den Dienstleistungsbereichen (Handel, Gastgewerbe, Verkehr und sonstige Dienstleistungen) sank die Zahl der Erwerbstätigen um 211.000 (minus 0,8 Prozent). Im Bausektor waren es 149.000 Personen (minus 6,1 Prozent).
DDP
Zahl der befristeten Arbeitsverträge steigt: Arbeitslose im Arbeitsamt
Problematisch sei die Situation insbesondere für jüngere Erwerbstätige. Gut jeder Dritte der unter 20-Jährigen (37 Prozent) hatte im Frühjahr 2002 nur einen befristeten Vertrag, was auf die immer schwieriger werdenden Einstiegsmöglichkeiten in den Arbeitsmarkt zurückzuführen sei. In der Gruppe dieser Erwerbstätigen seien allerdings mit 39 Prozent naturgemäß viele Schüler und Studenten vertreten, schränkten die Statistiker ein. Auch die Auszubildenden seien nicht eingerechnet, da die Ausbildungsverträge stets nur für eine bestimmte Dauer abgeschlossen würden.
Nennenswerte Auswirkungen der neuen, zm 1. April wirksam gewordenen Minijob-Regelung auf die Zahl der erwerbstätigen Personen ließen sich derzeit noch nicht erkennen, heißt es in dem Papier des Bundesamts weiter. Daten hierzu werde die Bundesanstalt für Arbeit erstmals Mitte des vierten Quartals veröffentlichen.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,261833,00.html
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Sascha
20.08.2003, 10:29
@ Karl
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Arbeitslosigkeit steigt obwohl... |
--> Hi Karl!
Ich finde das langsam aber sicher immer beängstigender.
Man muß sich nur mal eines überlegen. Die Arbeitslosigkeit steigt obwohl
- wir immer mehr Waren kaufen können und es mittlerweile fast alles gibt (sogar Schokolade für Katzen, usw.)
- viele Menschen in eine unfreiwillige Selbständigkeit gegangen sind und hierbei kaum ihren Lebensstandard halten konnten bzw. oft sogar ziemlich armselig leben obwohl sie viel arbeiten. Man schätzt, daß es rund 600.000 Menschen in den letzten fünf Jahren waren die aus purer Verzweiflung diesen Schritt gegangen sind.
- viele Menschen jedes Jahr auswandern
- mehr Menschen in Frührente gegangen sind (weil sie auch praktisch kaum noch einen Arbeitsplatz bekommen haben)
- immer mehr Menschen in"Warteschleifen" á la"berufsvorbereitende Maßnahmen" statt Ausbildungsstelle oder solchem Kram drin stecken
Trotz all dieser Fakten welche die Arbeitslosigkeit senken ist diese ingesamt gestiegen in den letzten Jahren. Wohin soll das noch führen?
Viele Grüße
Sascha
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Sascha
20.08.2003, 11:04
@ Karl
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Beschäftigungsabbau: 646.000 Jobs gestrichen + Die ehrliche Zahl |
-->19.08.2003 / 16:30 Uhr
Beschäftigungsabbau
<font size=5>646.000 Jobs gestrichen</font>
<font color="#FF0000">Der Trend zieht sich durch sämtliche Wirtschaftbereiche: Die Zahl der Erwerbstätigen ist im ersten Quartal des Jahres weiter gesunken - auf Rekordniveau seit der Wiedervereinigung</font>.
<font color="#FF0000">Der Beschäftigungsabbau in Deutschland erreichte im Frühjahr einen Spitzenwert</font>. Im zweiten Quartal sank die Zahl der Erwerbstätigen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum <font color="#FF0000">um 1,7 Prozent </font>auf 38,1 Millionen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.
Frühjahrsbelebung ohne Effekt
Von April bis Juni wurden 646.000 Arbeitsplätze gestrichen. Das sei der höchste Beschäftigungsabbau in einem zweiten Quartal seit der Wiedervereinigung 1990. <font color="#FF0000">Die positiven Effekte der Frühjahrsbelebung seien ausgeblieben</font>.
Vom Personalabbau war vor allem das produzierende Gewerbe betroffen. Von April bis Juni fielen hier 267.000 Arbeitsplätze weg, was einem Rückgang von 3,2 Prozent entspricht.
Im Handel, im Gastgewerbe, im Verkehr und bei anderen Dienstleistern sank die Zahl der Erwerbstätigen um 211.000 oder 0,8 Prozent. Im Baugewerbe ging der Stellenabbau auf hohem Niveau weiter. Ende Juni gab es hier 149.000 oder 6,1 Prozent Erwerbstätige weniger als ein Jahr zuvor.
In der Land- und Forstwirtschaft arbeiteten 19.000 Beschäftigte weniger (minus zwei Prozent).
Arbeitnehmer besonders betroffen
Der Rückgang der Erwerbstätigkeit traf besonders die Arbeitnehmer. Ihre Zahl nahm im Vergleich zum Vorjahresquartal um zwei Prozent auf knapp 34 Millionen ab.
Dagegen stieg die Zahl der Selbständigen und mithelfenden Familienangehörigen um 0,9 Prozent auf 4,1 Millionen. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen sank um 2,3 Prozent auf 13,1 Milliarden Stunden.
(sueddeutsche.de/AP)
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/450/16434/, Süddeutsche Zeitung, 19.08.2003
- - - - - - - - - - - - -
19.08.2003 / 17:22 Uhr
Kommentar
<font size=5>Die ehrliche Zahl</font>
Die Zahl, der jegliche Unschärfe fehlt - zur Veröffentlichung der Beschäftigtenzahlen des Statistischen Bundesamtes.
Nikolaus Piper
(SZ vom 20.08.2003) — <font color="#FF0000">Mit Statistik lässt sich lügen, das ist bekannt</font>, kommt aber eher selten vor. Häufiger wird die Wahrheit mittels Statistik, nun ja, redigiert.
Die Arbeitslosenzahl zum Beispiel ist in diesem Sinne interpretationsfähig: Müsste man nicht auch ABM-Kräfte hinzurechnen und die Arbeitsunwilligen heraus? Und was ist mit jenen Menschen, die bei der Arbeitssuche resigniert haben?
<font color="#FF0000">Es gibt eine Zahl, der solche Unschärfen fehlen: die der Beschäftigten</font>. Ob jemand in Arbeit ist oder nicht, daran lässt sich wenig herumdeuteln. Die neue Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes dazu gibt jedenfalls <font color="#FF0000">ein ehrliches Bild von der wirklichen Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt</font>: Im zweiten Quartal ist die Zahl der Arbeitnehmer und Selbstständigen <font color="#FF0000">um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen </font>- der stärkste Rückgang in einem zweiten Quartal seit der Wiedervereinigung.
Außerdem ist die Zahl der Arbeitsstunden geschrumpft, die Menge der geleisteten Arbeit sank dadurch um 2,3 Prozent.
<font color="#FF0000">Der Beschäftigungsrückgang ist ein Ergebnis der Konjunkturkrise, gewiss. Es ist das Ausmaß, das Besorgnis erregt</font>. Die Veröffentlichung passt zu der am selben Tag veröffentlichten Nachricht, dass Westdeutschland, nach Norwegen, die zweithöchsten Arbeitskosten der Welt hat.
Der Zusammenhang zwischen beidem, dem Preis der Arbeit und der nachgefragten Menge, lässt sich vielleicht noch durch eine gewagte Interpretation der Arbeitslosenzahl bestreiten, nicht jedoch, wenn man die Beschäftigten-Statistik ernst nimmt: In den Niederlanden erhöht ein Wachstumsprozent die Beschäftigung um 0,74 Prozent, in Deutschland um 0,04 Prozent.
Keine Frage, wo jetzt gehandelt werden muss.
[b] Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/498/16482/, Süddeutsche Zeitung, 19.08.2003
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Bob
20.08.2003, 11:12
@ Sascha
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Re: Beschäftigungsabbau: Schutzzoll, Schutzzoll, Schutzzoll (owT) |
-->>19.08.2003 / 16:30 Uhr
>Beschäftigungsabbau
><font size=5>646.000 Jobs gestrichen</font>
><font color="#FF0000">Der Trend zieht sich durch sämtliche Wirtschaftbereiche: Die Zahl der Erwerbstätigen ist im ersten Quartal des Jahres weiter gesunken - auf Rekordniveau seit der Wiedervereinigung</font>. >
><font color="#FF0000">Der Beschäftigungsabbau in Deutschland erreichte im Frühjahr einen Spitzenwert</font>. Im zweiten Quartal sank die Zahl der Erwerbstätigen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum <font color="#FF0000">um 1,7 Prozent </font>auf 38,1 Millionen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit.
>Frühjahrsbelebung ohne Effekt
>Von April bis Juni wurden 646.000 Arbeitsplätze gestrichen. Das sei der höchste Beschäftigungsabbau in einem zweiten Quartal seit der Wiedervereinigung 1990. <font color="#FF0000">Die positiven Effekte der Frühjahrsbelebung seien ausgeblieben</font>.
>Vom Personalabbau war vor allem das produzierende Gewerbe betroffen. Von April bis Juni fielen hier 267.000 Arbeitsplätze weg, was einem Rückgang von 3,2 Prozent entspricht.
>Im Handel, im Gastgewerbe, im Verkehr und bei anderen Dienstleistern sank die Zahl der Erwerbstätigen um 211.000 oder 0,8 Prozent. Im Baugewerbe ging der Stellenabbau auf hohem Niveau weiter. Ende Juni gab es hier 149.000 oder 6,1 Prozent Erwerbstätige weniger als ein Jahr zuvor.
>In der Land- und Forstwirtschaft arbeiteten 19.000 Beschäftigte weniger (minus zwei Prozent).
>Arbeitnehmer besonders betroffen
>Der Rückgang der Erwerbstätigkeit traf besonders die Arbeitnehmer. Ihre Zahl nahm im Vergleich zum Vorjahresquartal um zwei Prozent auf knapp 34 Millionen ab.
>Dagegen stieg die Zahl der Selbständigen und mithelfenden Familienangehörigen um 0,9 Prozent auf 4,1 Millionen. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen sank um 2,3 Prozent auf 13,1 Milliarden Stunden.
>(sueddeutsche.de/AP) > >
> Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/450/16434/, Süddeutsche Zeitung, 19.08.2003
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>19.08.2003 / 17:22 Uhr
>Kommentar
><font size=5>Die ehrliche Zahl</font>
>Die Zahl, der jegliche Unschärfe fehlt - zur Veröffentlichung der Beschäftigtenzahlen des Statistischen Bundesamtes.
>Nikolaus Piper >
>(SZ vom 20.08.2003) — <font color="#FF0000">Mit Statistik lässt sich lügen, das ist bekannt</font>, kommt aber eher selten vor. Häufiger wird die Wahrheit mittels Statistik, nun ja, redigiert.
>Die Arbeitslosenzahl zum Beispiel ist in diesem Sinne interpretationsfähig: Müsste man nicht auch ABM-Kräfte hinzurechnen und die Arbeitsunwilligen heraus? Und was ist mit jenen Menschen, die bei der Arbeitssuche resigniert haben?
><font color="#FF0000">Es gibt eine Zahl, der solche Unschärfen fehlen: die der Beschäftigten</font>. Ob jemand in Arbeit ist oder nicht, daran lässt sich wenig herumdeuteln. Die neue Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes dazu gibt jedenfalls <font color="#FF0000">ein ehrliches Bild von der wirklichen Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt</font>: Im zweiten Quartal ist die Zahl der Arbeitnehmer und Selbstständigen <font color="#FF0000">um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen </font>- der stärkste Rückgang in einem zweiten Quartal seit der Wiedervereinigung.
>Außerdem ist die Zahl der Arbeitsstunden geschrumpft, die Menge der geleisteten Arbeit sank dadurch um 2,3 Prozent.
><font color="#FF0000">Der Beschäftigungsrückgang ist ein Ergebnis der Konjunkturkrise, gewiss. Es ist das Ausmaß, das Besorgnis erregt</font>. Die Veröffentlichung passt zu der am selben Tag veröffentlichten Nachricht, dass Westdeutschland, nach Norwegen, die zweithöchsten Arbeitskosten der Welt hat.
>Der Zusammenhang zwischen beidem, dem Preis der Arbeit und der nachgefragten Menge, lässt sich vielleicht noch durch eine gewagte Interpretation der Arbeitslosenzahl bestreiten, nicht jedoch, wenn man die Beschäftigten-Statistik ernst nimmt: In den Niederlanden erhöht ein Wachstumsprozent die Beschäftigung um 0,74 Prozent, in Deutschland um 0,04 Prozent.
>Keine Frage, wo jetzt gehandelt werden muss. >
>[b] Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/498/16482/, Süddeutsche Zeitung, 19.08.2003
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