-->18.08.2003 / 17:21 Uhr
Absage
<font size=5>Stadt weist 580 Schulbewerber ab</font>
Rund 580 Hauptschüler, die sich an den beiden städtischen Wirtschaftschulen beworben hatten, haben in diesen Tagen eine Absage erhalten. <font color="#FF0000">Nun stehen sie ohne Plan da und drücken auf den ohnehin kargen Lehrstellenmarkt.
Wie es aus dem Schulreferat heißt, <font color="#FF0000">wurden an der Friedrich-List-Wirtschaftsschule 400 Jugendliche abgelehnt, 180 an der Riemerschmid-Wirtschaftsschule für Mädchen</font>. Die Abgewiesenen hatten sich für den zweistufigen Zweig beworben, der binnen 24 Monaten <font color="#FF0000">zur Mittleren Reife führt</font>. Wie berichtet, sollen die städtischen Wirtschaftsschulen sukzessive verkleinert und im Jahr 2007 im Gebäude der Riemerschmid-Wirtschaftschule in der Frauenstraße zusammengelegt werden.
Im Haus der „Friedrich List“ an der Schwanthalerstraße wird von kommendem Schuljahr an eine dritte Staatliche Realschule aufgebaut.
Der Schultyp „Wirtschaftsschule“ bietet gerade Spätzündern, die an der Hauptschule ihr Talent und ihren Ehrgeiz entdecken, noch eine Chance auf die Mittlere Reife - und damit eine Chance auf weitere Bildung.
Nach den Klassenkürzungen werden aber nur insgesamt 450 Schüler aufgenommen. <font color="#FF0000">Eine Alternative ist für die übrigen Schüler kaum in Sicht: Die beiden Wirtschaftsschulen sind die einzigen öffentlichen Einrichtungen dieser Art in München: Private Wirtschaftsschulen verlangen bis zu 200 Euro Schulgeld pro Monat</font>.
Die Eltern der Bewerber, oft Ausländer oder sozial schwach, <font color="#FF0000">können sich diese Summe zumeist nicht leisten</font>. Und für das Ziel, stattdessen auf Realschule oder Gymnasium zu wechseln, brauche man „so exzellente Noten“, sagt Eichele, „das schaffen viele trotz größter Anstrengungen nicht“. Die Kultusministerin habe abgewiesenen Hauptschülern empfohlen, <font color="#FF0000">doch erstmal eine Lehre zu absolvieren und danach noch die Berufsoberschule zu besuchen</font>. [Eigener Kommentar: So eine Frechheit. Lehre wo keine Lehrstellen da sind]
<font color="#FF0000">Petra Eichele glaubt aber: Zum einen finden die Schüler auf dem ohnehin kargen Lehrstellenmarkt so kurzfristig keine Stelle, geschweige denn eine in ihrem Traumberuf</font>. Zum anderen weiß die Elternbeiratsvorsitzende aus Erfahrung, dass viele Schüler sich nach drei Jahren Lernpause und den Annehmlichkeiten des Geldverdienens kaum wieder dazu aufraffen werden, in einer Schulbank Platz zu nehmen.
Die städtischen Wirtschaftsschulen bleiben ein Spielball zwischen Stadt und Staat: Die finanziell gebeutelte Kommune möchte Schulen an den Staat abgeben. Der ist zwar verfassungsmäßig verpflichtet, Schulbildung für alle bayerischen Kinder und Jugendlichen anzubieten, macht aber keine Anstalten, Wirtschaftsschulen im Umland auszubauen.
Nur eine Mutter hat sich bislang bei Petra Eichele gemeldet, die gegen die Abweisung klagen will. Eichele wundert der geringe Aufruhr nicht: Staat und Stadt hätten wohl damit gerechnet, „bei uns auf den geringsten Widerstand zu stoßen“. Eine Protestkultur wie etwa an Gymnasien gebe es nicht.
[b] Quelle: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/artikel/407/16391/, Süddeutsche Zeitung, 18.08.2003
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