Sascha
23.08.2003, 11:03 |
Kündigung: Wenn das Arbeitsverhältnis im Streit endet + Kommentar Thread gesperrt |
-->22.08.2003 / 16:01 Uhr
Kündigung
<font size=5>Wenn das Arbeitsverhältnis im Streit endet</font>
Immer öfter müssen Gerichte entscheiden, ob eine Kündigung rechtens ist - zum Beispiel Richter Ehrich.
Von Katrin Schaller
(SZ vom 23.8.2003) Gehetztes Nuscheln in Saal 101. „Im Fall Gallert gegen Utschi“, brabbelt Arbeitsrichter Christian Ehrich ins Diktiergerät, „erschienen nach Aufruf der Sache für den Kläger niemand, der Beklagte...“ Stopp. Ehrich reißt das Diktiergerät ans Ohr. Spult zurück, Wiedergabe, Stopp, Schnellvorlauf. „Der Beklagte persönlich“, jagt Ehrich weiter. „Die Klage wird abgewiesen. Terminende 9 Uhr 19.“ Das Diktat klingt weniger nach dem Ende eines Rechtstreits als nach dem Satz: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker.“ Kurzer Blick zum Beklagten. „Das war alles.“ Der verharrt. „Ja, ja, sie können gehen“, scheucht Ehrich ihn aus dem Saal. Wo kein Kläger... Wortlos verschwindet der Beklagte, verwirrt vom Sieg in vier Minuten.
Zwanzig Minuten pro Fall
Am Arbeitsgericht Köln rennt die Uhr. <font color="#FF0000">14.018 Urteilsverfahren allein zu Kündigungsstreitigkeiten haben die vierzehn Vollzeit- und sechs Teilzeitrichter im Jahr 2002 durchgehechelt</font>. <font color="#FF0000">Fast doppelt so viele wie vor zehn Jahren</font>. Seit Januar zählt das Gericht monatlich weit über tausend Neueingänge. „Das macht sechzig bis achtzig neue Fälle pro Vollzeit-Richter wie mich“, rechnet Ehrich vor. Gütetermine werden auf fünf, Kammertermine auf zwanzig Minuten angesetzt. Mehr ist nicht drin.
» Der wahre Kampf tobt hinter den Kulissen. «
So auch im Saal nebenan. Kammertermin für Jürgen Polzak (alle Namen geändert). Dauer: 16 Minuten. Bereits zum dritten Mal erscheint der 28-jährige Maler und Lackierer, mehr als 25 Minuten hat er hier bisher nicht verbracht. „Die Verhandlungen könnte man sich sparen“, sagt Polzak achselzuckend. „Der wahre Kampf tobt hinter den Kulissen.“ Mehr als sechs Monate zieht sich „die Sache“ jetzt schon hin. <font color="#FF0000">Mehr als sechs Monate, in denen Unmengen von Schriftsätzen verfasst und hin und her geschickt wurden. Einen halben Meter Papier hat „Polzak gegen Kubitz“ produziert</font>.
„Mit der Meisterschule fing alles an.“ Durch einen Zufall erfährt sein Arbeitgeber, dass Polzak die Meisterprüfung machen will. 1600 Unterrichtsstunden muss er dafür absolvieren. Freitags von 14 bis 21 Uhr und samstags von 8 bis 13 Uhr. „Am Anfang habe ich gedacht, das hältst du nicht durch, und habe meinem Chef deshalb nichts gesagt“, erzählt Polzak. Als sein Arbeitgeber doch davon hört, ist das gute Verhältnis dahin: „Sechs Jahre war alles in Ordnung, dann wollte er mich nur noch los werden.“
„Jetzt hast du einen Feind“
Erst sagt ihm der Chef, die Mitarbeiter wollten nicht mehr mit ihm zusammen arbeiten. „Mobbing war das.“ Polzak bekommt die erste Abmahnung, „<font color="#FF0000">wegen Schlechtleistung</font>“, wie sein Chef holprig formuliert. Kurz darauf die zweite. „<font color="#FF0000">Weil ich angeblich den Azubi allein gelassen habe</font>.“ Als ihm der Chef dann noch den Urlaub streicht, hat Polzak genug. „<font color="#FF0000">Jetzt hast du einen Feind</font>“, sagt er zu seinem Vorgesetzten. Er nimmt einen Anwalt, der Chef auch, Polzak klagt gegen die Abmahnung, der Chef feuert ihn. Und Polzak klagt gleich noch mal, gegen die Kündigung.
» Die Leute klagen auf Fortbestehen ihres Arbeitsvertrags, die wollen weiter arbeiten. «
Richter Ehrich hat sich schon während des Studiums auf Arbeitsrecht spezialisiert.In seinem Arbeitszimmer, drei Stockwerke über den Sitzungssälen, kämpfen Grünpflanzen gegen Zigarettenqualm. Statt schwarzer Robe, weißem Hemd und weißer Krawatte trägt Ehrich hier Zivil, Jeans und ein schwarzes Sweatshirt. <font color="#FF0000">Immer mehr Arbeitnehmer sind rechtsschutzversichert, „da klagt es sich leichter“</font>, sagt er. Kostet ja nichts. <font color="#FF0000">Hinzu kommt die schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt. „Die Leute klagen auf Fortbestehen ihres Arbeitsvertrags, die wollen weiter arbeiten“</font>, so Ehrich. „Von 10.000 oder 20.000 Euro Abfindung hat man ja nicht lange was.“
Auch Polzak klagte. Obwohl er keine Existenzangst hatte. „Gleich bei der ersten Abmahnung hat mir ein Bekannter einen Job angeboten.“ Polzak klagte, weil seine Rechtschutzversicherung zahlte, weil es ihm, wie er es nennt, um „Schadensbegrenzung“ ging. „Eine Abmahnung, wo hier in der Branche jeder jeden kennt - das ist total rufschädigend.“ Er klagte, weil er sich im Recht fühlte. „Ich bin nicht streitsüchtig, aber ich lasse auch nichts auf mir sitzen.“ Und er klagte aus Prinzip: „Jahrelang habe ich mich für den Typen eingesetzt, habe sein Unternehmen mit aufgebaut. Und dann setzt der mich einfach vor die Tür.“
Terminende 9 Uhr 37
Zunehmend versuchen Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Rache zu nehmen. „Oft geht es gar nicht ums Geld“, berichtet Ehrich. „<font color="#FF0000">Die wollen dem anderen einfach nur eine ’rein würgen</font>.“ Zu einem erheblichen Teil setzt sich die hohe Zahl der Arbeitsprozesse daher aus Fällen zusammen, die sich auch außergerichtlich gütlich regeln ließen. Aber dann stellt der Arbeitgeber seinem ehemaligen Mitarbeiter ein schlechtes Zeugnis aus, obwohl ein Zeugnis wohlwollend sein muss. „Natürlich verstehe ich den Arbeitnehmer, der sich dagegen wehrt. Aber solche Zeugnisstreitigkeiten blockieren Kammertermine für Fälle, bei denen es wirklich um die Existenz geht. Das frustriert.“ Zu ändern ist daran nichts. „Mit der Zeit brüht man ab“, sagt Ehrich gelassen und pustet Rauch in Richtung Efeu. „Früher habe ich mich da noch aufgeregt und gedacht: Wie kann man da nur klagen? Heute denke ich: Sie können ruhig klagen. Es bekommt jeder seine Entscheidung.“
Emotionen haben nun mal draußen zu bleiben. „Zur Erledigung des Rechtsstreits beschließen die Parteien nach Erörterung der Sachlage auf Vorschlag des Gerichts folgenden Vergleich: 1. Der Beklagte zahlt an den Kläger als Abfindung 1700 Euro netto. 2. Der Beklagte nimmt die dem Kläger erteilten Abmahnungen zurück. 3. Der Beklagte erteilt dem Kläger ein wohlwollendes, qualifiziertes Zeugnis. Terminende 9 Uhr 37“. Noch bevor Polzak seinen Sieg fassen kann, schiebt ihn sein Anwalt aus dem Saal. Auf den Stühlen für Kläger und Beklagte hat die nächste Sache schon Platz genommen.
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/jobkarriere/erfolggeld/artikel/698/16682/, Süddeutsche Zeitung, 22.08.2003]
[b] Eigener Kommentar: Der Bericht zeigt zwischen den Zeilen die wahre Lage in diesem Land. Die Menschen wollen häufig arbeiten aber dürfen nicht. Das ist das größte Übel.
Die Zahl der Arbeitsgerichtstermine hat sich in den letzten zehn Jahren <font color="#FF0000">verdoppelt</font>. Das sagt eigentlich schon sehr viel aus. Sowohl über die Lage am Arbeitsmarkt als auch die immer schlechter werdenden Arbeitsbedingungen.
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Dieter
23.08.2003, 11:35
@ Sascha
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+ Kommentar |
-->Hallo Sascha,
jeder liest das, was er lesen möchte. Die von Dir getroffenen pers. Schlußfolgerungen kann ich in dem Artikel nun überhaupt nicht wiederfinden. Dafür natürlich andere:
1. Das bequeme Leben der Arbeitsrichter scheint vorbei zu sein, nachdem sie inzwischen 10 x effektiver sein müssen. Damit ist natürlich noch nicht beantwortet, ob sie nicht auch 20 x effektiver sein könnten.
2. Die Menschen werden zunehmend streitsüchtiger bzw. weniger bereit sich außergerichtlich zu einigen. Die Stimmung wird auf allen Seiten gereizter, zumal Eigenverantwortung zunehmend durch eine Versicherung (Rechtsschutz) ersetzt wurde. Da Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht neu sind, dürfte das Problem eher in zunehmend unausgereiften Charakteren zu suchen sein, um es vorsichtig zu formulieren.
Gruß Dieter
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Dieter
23.08.2003, 11:38
@ Dieter
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Berichtigung |
-->Jetzt noch einmal berichtigt:
Es mußte natürlich heißen 2x effektiver in 10 Jahren -.... und wieso nicht auch 4 x effektiver.
>Hallo Sascha,
>jeder liest das, was er lesen möchte. Die von Dir getroffenen pers. Schlußfolgerungen kann ich in dem Artikel nun überhaupt nicht wiederfinden. Dafür natürlich andere:
>1. Das bequeme Leben der Arbeitsrichter scheint vorbei zu sein, nachdem sie inzwischen 2 x effektiver sein müssen. Damit ist natürlich noch nicht beantwortet, ob sie nicht auch 4 x effektiver sein könnten.
>2. Die Menschen werden zunehmend streitsüchtiger bzw. weniger bereit sich außergerichtlich zu einigen. Die Stimmung wird auf allen Seiten gereizter, zumal Eigenverantwortung zunehmend durch eine Versicherung (Rechtsschutz) ersetzt wurde. Da Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht neu sind, dürfte das Problem eher in zunehmend unausgereiften Charakteren zu suchen sein, um es vorsichtig zu formulieren.
>Gruß Dieter
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Euklid
23.08.2003, 11:48
@ Dieter
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Re: + Kommentar |
-->Hallo Dieter
neu sind die Konflikte sicher nicht,jedoch ist jetzt langsam aber sicher eine Schlagseite zu verzeichnen.
Aber ich sage Sascha immer:Die Zähne zusammenbeißen und die Lehrjahre nach dem Studium hinter sich bringen.
Anschließend selbständig machen denn da ist man selbst sein Chef.
Die Lehrjahre sind aber unverzichtbar.
Und das Schönste hat er noch immer nicht kapiert.
Sein Vater würde ihm dabei ganz sicher die Rückendeckung geben die man braucht.
Aber noch hat er keinen Ansatz gefunden zwischen Angestelltenleben,Beamter.
Was er momentan sicher weiß ist daß er sich nicht selbständig machen will weil angeblich unsicher;-))
Das das andere genauso unsicher ist wird er noch rechtzeitig merken.
Und spätestens wenn man keinen Chef mehr sehen kann ist die beste Ausgangsposdition gegeben sich selbständig zu machen.
Wer jedoch gegen seinen Chef nur eine große Lippe riskiert und nichts dahinter steht kann sich ja nicht selbständig machen;-))
Nur die Besten gehen.
Und die sich selbst überschätzenden,denn das sind gewöhnlich die mit der allerdicksten Lippe.
Gruß EUKLID
PS Ich werde ihn schon noch aufs richtige Gleis setzen ganz ohne jeden Druck;-))
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Sascha
23.08.2003, 12:07
@ Dieter
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Re: + Kommentar |
--> Ach Dieter,
das ist eine Frage der Anschauung und/oder der Lebensphilosophie. Was heißt für dich bequemes Leben? Wenn jemand nicht jeden Job annimmt ist es dann eher Faulheit oder Bequemlichkeit? Und wo ist die Grenze? Die Menschen machen doch schon seit Jahren diesen Abschwung mit. Die Menschen sind doch schon bereit immer geringere Löhne in Kauf zu nehmen obwohl sie sich immer mehr engagieren, immer flexibler sein sollen und immer mehr leisten sollen und gleichzeitig immer jünger und gebildeter sein sollen.
Für mich heißt Leben nicht nur Spaß und Bequemlichkeit. Nein das nicht. Ich will auch was erreichen in meinem Leben. Etwas leisten. Nicht umsonst habe ich dafür mein Abi gemacht und studiert und bin nun - kurz bevor ich 23 bin - damit fertig.
Aber letztendlich lautet zumindest meine Devise: Man lebt nicht um zu arbeiten sondern ARBEITET um zu LEBEN. Das ist letztendlich dann doch das was IM LEBEN zählt. Die Ansicht ist m.E. legitim. Für was lebt man sonst? Nur scheint sich dieses Verhältnis zu verschlechtern. Man muß immer mehr arbeiten um zu leben oder: Das Arbeiten wird mehr, das Leben wird weniger. Das kann nicht gut sein. Niemals! Niemand kann dies behaupten. Für die Mehrzahl der Menschen trifft dies aber immer häufiger zu. Viele wehren sich dagegen. Es ist nicht immer Faulheit oder Bequemlichkeit. Es ist auch Frust, Verärgerung, Perspektivlosigkeit u.v.m. dabei. Letztendlich sind wir auch nur alle Menschen.
Bequem ist die eine Seite, Faulheit die andere. Ich bin der Meinung, daß man da strikt differenzieren muß.
Es kann wirklich kein Fortschritt sein wenn wir in unserer Arbeitswelt einen Trend haben der zu immer höheren Anforderungen führt (Stichwort: 80/20-Gesellschaft, usw.) bei dem viele Menschen schlicht und einfach nicht mithalten können. Die Globalisierung existiert, der Druck zu Rationalisierung auch genauso wie der Druck auf die schwachen Leistungswilligen.
Ich kenne mehrere Beispiele aus meiner Umgebung. Das sind junge Leute und auch Leute Mitte 30. Die haben alle ordentlich gearbeitet und wurden arbeitslos. Sie haben viel versucht. Sie waren nicht faul. Auch nicht bequem. Ganz im Gegenteil. Einige waren bereit alles aufzugeben und in eine andere Region zu gehen, andere wiederum waren bereit auf bis zu einem Drittel ihres Gehaltes zu verzichten oder auch schlechtere Arbeit zu machen als diejenige die ihrer Qualifaiktion am ehesten entsprach. Trotzdem haben viele keine Arbeit gefunden. Sind diese Leute dann nun bequem oder faul wenn sie dann nach einem halben Jahr (oder länger) erfolgloser Suche einen wirklich schlechten Job angeboten bekommen bei dem ihnen sogar nur noch 50 bis 60% des ehemaligen Gehalts bezahlt wird und die Arbeitsbedingungen übelster Sorte sind?
Der ein oder andere würde sagen: Ja die müssen den Job nehmen. Die sollen doch froh sein das sie dann wieder arbeiten können.
Der andere sagt aber: Nein, irgendwo muß es Grenzen geben. Wir sind Menschen. Alles kann man mit uns auch nicht machen und irgendwo hört es auf. Und die Haltung finde ich berechtigt.
Das Arbeitnehmer nicht immer ihren Traumjob mit Traumgehalt haben können ist klar. Doch das Problem welches wir mittlerweile haben ist, daß laut"Jeder legale Job ist zumutbar" immer mehr Arbeitnehmer Jobs machen müssen die ihren Qualifikationen überhaupt nicht mehr entsprechen. Die Anforderungen in Sachen Flexibilität, Mobilität und Bildung steigen an während gleichzeitig der Lohn nicht steigt oder sogar sinkt. Ist das Fortschritt?
Wenn es mittlerweile bald fünf Millionen Arbeitslosen so geht und es immer mehr werden dann ist das kein Fortschritt mehr. Für Millionen von Menschen und den dazugehörenden Haushaltsmitglieder ist es ein Rückschritt.
Viele Grüße
Sascha
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fridolin
23.08.2003, 13:56
@ Euklid
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Re: + Kommentar |
-->>Aber ich sage Sascha immer:Die Zähne zusammenbeißen und die Lehrjahre nach dem Studium hinter sich bringen.
>Anschließend selbständig machen denn da ist man selbst sein Chef.
>Die Lehrjahre sind aber unverzichtbar.
>Und das Schönste hat er noch immer nicht kapiert.
>Sein Vater würde ihm dabei ganz sicher die Rückendeckung geben die man braucht.
>Aber noch hat er keinen Ansatz gefunden zwischen Angestelltenleben,Beamter.
>Was er momentan sicher weiß ist daß er sich nicht selbständig machen will weil angeblich unsicher;-))
Hallo Euklid,
ich hätte da einen Tip für den Traumberuf: leitender Beamter in der Planungsabteilung eines Ministeriums. Vielleicht in einer Stellung, wo man laufend Positionspapiere zum Thema"soziale Gerechtigkeit durch optimale Umverteilungspolitik" schreiben und begründen kann. ;-)
Du hast ja im übrigen völlig recht. Das Berufsleben früherer Jahre - immer in derselben Branche, meist in derselben Firma, Arbeitszeit Mo-Fr 9-17 Uhr, schön behütet durch die Fürsorgepflicht von Firma und Staat, ist längst passé. Es wird künftig viel mehr Flexibilität vom einzelnen verlangt werden, Umdenken, neue Tätigkeiten, auch mehr in Richtung Freiberuflichkeit oder Selbständigkeit. Je eher man sich da eingewöhnt, desto besser.
Gruß
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fridolin
23.08.2003, 14:09
@ Sascha
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Re: + Kommentar |
-->Hallo Sascha,
nein, natürlich sind die von Arbeitslosigkeit oder schlechten Arbeitsbedingungen Betroffenen in der Regel nicht faul oder arbeitsscheu. Bloß mußt Du Dir mal bitte eine Grundregel ganz klar verdeutlichen, die nicht nur in der Arbeitswelt gilt: gleiche Chancen und gleiche Anstrengungen heißen nicht notwenigerweise gleiche Ergebnisse oder gleicher Erfolg.
Schau Dir mal einen Sportwettbewerb an. Der letzte im Ziel ist möglicherweise genauso begabt wie der erste und hat genauso hart trainiert. Letzter ist er geworden, weil beispielsweise heute seine Tagesform schlechter war oder weil er nicht optimal austrainiert war. Wenn nun der eine oben auf dem Siegertreppchen steht und der andere unter"ferner liefen" rangiert, ist das doch auch eine schreiende Ungerechtigkeit, nicht wahr?
Aber es kann nicht jeder in der ersten Reihe sitzen. Die Niederlage im Rennen kann für den Verlierer Ansporn sein, intensiver zu trainieren, seine Schwächen zu bekämpfen, an sich zu arbeiten. Beim nächsten Rennen ist er womöglich schon weiter vor, beim übernächsten eventuell an erster Stelle. Bloß darf er eines nicht tun: aufgeben und sagen,"ach, wie schlimm ist doch alles, der Sportverband soll doch gefälligst was tun und mir zu einem Siegerplatz helfen".
Aufgabe des Staates ist vor allem eines: für gleiche Startchancen und faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen, mehr nicht. Was jeder daraus macht, ist seine Sache. Versuche des Staates, durch"Umverteilungspolitik" etwas lösen zu wollen (so wie Robin Hood, nimmt den Reichen und gibt den Armen), waren schon immer zum Scheitern verurteilt und haben alles nur schlimmer gemacht.
Ich rate Dir nochmals eines: vergegenwärtige Dir mal ganz intensiv die Situation, in der die Älteren kurz nach dem Kriege standen. Kein Mensch hatte damals auch nur eine Ahnung davon, ob und wie es überhaupt weitergehen würde. Dennoch hat man trotz der ganzen Misere und des Elends nicht aufgesteckt, in die Hände gespuckt und die Probleme beherzt angepackt. Wenn ich so die Probleme der Leute heute betrachte, sind die von einem ganz anderen Kaliber...
Gruß
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Euklid
23.08.2003, 14:09
@ fridolin
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Re: + Kommentar |
-->Hallo fridolin
sollte er sich für den Beruf des Beamten entscheiden und eine Stelle bekommen werde ich ihm postwendend zu seiner Pension gratulieren;-)))
Nur hat er da den übelsten Chef den es gibt.
So einen kann es in der freien Wirtschaft gar nicht geben;-))
Er sorgt zwar für seine Schäfchen aber nur indem er den Rest der Bürger gehörig aussaugt und ausbeutet wie es in der freien Wirtschaft niemals möglich wäre.
Aber wir werden das zusammen immer ohne Zwang noch in die richtige Richtung lenken.
Die kann nur heißen:Nimm dein Leben in die eigenen Hände.
Ich glaube daß ich nach dem Studium auchsolche sozialen Anwandlungen hatte.
Die sind aber sehr schnell in der realen Welt abgeschliffen und abgerundet worden.
Gruß EUKLID
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Euklid
23.08.2003, 14:13
@ fridolin
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Re: + Kommentar |
-->Hallo fridolin
wie Recht Du hast.
Es ist doch noch genügend Suppe da;-))
Aber den Berg raufzureiten ist halt schwieriger aber es macht stark.
Runter reiten kann ja jeder;-))
Und runter wirtschaften auch;-))
Gruß EUKLID
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Dieter
23.08.2003, 18:28
@ Sascha
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Lebensphilosophie |
-->Arbeit: Es ist eine Frage der Lebensphilosophie.
Leben und Arbeiten sollten eins sein. Oder anders ausgedrückt: Wer zwischen Arbeitszeit und Freizeit differenziert, hat etwas falsch gemacht, denn beides ist identisch und sollte sich nach Möglichkeit vermischen. Während der Arbeit macht man wunderbare, schöne Dinge und auch absoluten Mist, das gleiche auch in der"Freizeit". Das eine befriedigt so sehr wie das andere oder umgekehrt.
Die Frage ob gearbeitet wird um zu leben oder ob man lebt um zu arbeiten stellt sich dabei nicht.
Eine der unwichtigsten Fragen überhaupt im Leben lautet, wieviel man verdient oder verdienen könnte. Man muß einfach nur das machen, was einem Freude bereitet und das mit möglichst viel Engagement, Einsatz und Ernsthaftigkeit. Jeder ist auf irgend einem Gebiet begabt. Der eine bei stupiden monotonen Aufgaben dabei möglichst stark an die Hand genommen, der andere muß frei wie ein Vogel, kreativ wie ein Lebenskünstler agieren können. Wieder andere brauchen das Gefühl von Macht. Am ärmsten sind doch die dran, die keine andere Begabung haben außer mehr sein zu wollen als sie sind, die einem Phantom hinterherjagen, das Konsumrausch, Macht oder Wichtigkeit heißen kann, allerdings ohne andere pers. Voraussetzungen mitzubringen, die unerläßliche Begleiter dessen sind.
Gruß Dieter
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