igelei
23.08.2003, 15:26 |
@Sascha: Als Mitglied der sogenannten Sandwichgeneration vielleicht mal ein mkT Thread gesperrt |
-->... paar Hinweise, wie ich die Sache sehe:
Auch mich traf das"harte" Schicksal, einen sehr gut bezahlten, vor allem aber hochinteressanten Job zu verlieren, bei dem ich das Glück hatte, mit vielen spannenden Projekten, intelligenten Menschen und abwechslungsreichen Tätigkeiten in Kontakt zu kommen. Ich war bis November Netzwerkadministrator in einem kleinen TV-Studio (vornehmlich für Internetproduktionen). Dort habe ich mich zu einem Allroundstudiotechniker entwickeln können (Audiotechnik, Lichttechnik, Kamera- und Bildtechnik, Cutter usw.) Aber neben den spannenden und intelligenten Menschen habe ich auch andere kennengelernt, nämlich Menschen, die die selbe Chance hatten, eine Entwicklung wie die meine durchzumachen, denn in diesem Studio war alles da. Wir kamen am Anfang herein und es war im übertragenen Sinne schwarz wie die Nacht, wir hatten unsere (m.E. trotz aller Kritik am deutschen Bildungssystem) guten Ausbildungen, Studiengänge etc., aber recht wenig Wissen über diese spezielle Materie. Den größten Anteil an der eigentlichen Entwicklung jedoch hat nur ein einziger Faktor, die ureigene menschliche Neugier. Wenn man in einem solchen schwarzen Raum steht, muss man nämlich eine Taschenlampe nehmen und in diese oder jene Ecke hineinleuchten, man muss seine Umgebung sozusagen entdecken und ausprobieren. Die Taschenlampe dabei ist zum einen die eigene Neugier und zum anderen die Fähigkeit, sich mit anderen zusammenzusetzen und jeder trägt zum"Entdecken" des dunklen Umfeldes das dazu bei, was er weiß, er teilt also sein Wissen mit den anderen und letztendlich profitieren alle davon. Dieser Prozess dauert je nach Aufgabe natürlich eine gewisse Zeit, aber in der Regel kann man so JEDE Aufgabe lösen, wie immer sie auch gestellt sein mag. Nur gibt es Menschen, die solche Aufgaben erst gar nicht in Angriff nehmen, sondern sich hinstellen und lieber wortreich begründen, warum es nicht ihre Aufgabe wäre oder warum diese Aufgabe im Grunde nicht gelöst werden kann weil es diese oder jene Schwierigkeit dabei gibt. Genau jene sind es auch, die sich hinstellen und jammern, das System be- und verklagen und sich zurückziehen in ihr Selbstmitleid. Neben mir haben auch andere ihren Job verloren, die die Chance genutzt hatten, ihre Umgebung zu entdecken und erstaunlicherweise ging und geht es niemanden von denen schlechter, weil sie ihre Zeit nicht mit (sinnlosen) Kündigungsschutzklagereien vertrödelten, sondern sich darüber Gedanken machten, mit welchen Aufgaben sie ihre nähere Zukunft gestalten möchten. Aus meiner Sicht sollte es die Kündigungsschutzklage nämlich nur für Leute geben, die ungerechtfertigterweise entlassen werden, weil irggendein Arbeitgeber der Meinung ist, er könne wahllos und nach Belieben Menschen entlassen, weil ihm deren Nase oder Meinung nicht passt oder sonst irgendwie nicht nachvollziehbare Gründe an den Haaren herbeizieht. Ich glaube nicht, dass sämtliche in D angestrengte Kündigungsschutzklagen in diese Kategorie fallen, eher wohl so 10%, wenn überhaupt. Dies könnte nämlich auch ein Grund sein, warum man hierzulande ungern Neueinstellungen vornimmt, auch wenn es auf Grund der wirtschaftlichen Situation möglich wäre, weil man nämlich zusätzlich zu den Kosten noch damit rechnen muss, dass man sich einen monatelangen Kündigungsschutzprozess ans Bein bindet. Wenn ich also als Unternehmer einen Auftrag an Land ziehe, mit dem ich einen zusätzlichen Arbeitnehmer für ca. 7 Monate brauche, werde ich den also nicht nehmen, sondern lieber versuchen mit Überstunden etc. durchzukommen, weil ich den Arbeitnehmer nach den 7 Monaten möglicherweise nicht mehr los werde, obwohl ich ihn mir dann absehbar nicht mehr leisten kann. Und genau daran (unter anderem) krankt dieses Land.
Nich das wir uns falsch verstehen, ich denke, dass dieses System ohnehin zusammenbrechen wird und etwas anderes und möglicherweise auch besseres zwangsläufig nachkommen dürfte. Aber auch dann wird es die Jammerer geben, die darauf warten, dass ihnen die gebratenen Tauben ins Maul fliegen und jene, die selber etwas für ihr eigenes Leben tun werden.
Ich habe übrigens (mit Einverständnis meines Arbeitgebers) ein Storybook geschrieben, die Technik vorbereitet, mit einem befreundeten Kameramann zusammen ein Bewerbungsvideo von mir gedreht, es geschnitten und auf eine Mini-CD mit einer Website drumrum gebrannt. Davon hab ich 20 Stück produziert und zu meinen Bewerbungen dazugetan. Nach der 3. Bewerbung hatte ich wieder einen Job, der auch hochinteressant ist, mir jetzt die Möglichkeit eröffnet, Fortran zu lernen und viel im Labor zu arbeiten, Dinge, die ich bislang nicht tun konnte.
Achso, habe dazu auch auf etwas mehr als ein Drittel Gehalt verzichtet und fahre jeden Tag 75 km zur Arbeit und wieder 75 km zurück. Wichtig für mich war allein, dass ich mich entwickeln kann und spannende Aufgaben und interessante Mitarbeiter habe.
Also verschwendet eure Energie nicht mit Jammern und dem Klagen über Dinge, die ihr ohnehin nicht ändert, sondern probiert auch mal was aus, habt keine Angst vor neuen Dingen, die beißen nicht, schlimmstenfalls bekommt man sie allein nicht hin.
MfG
igelei
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Dieter
23.08.2003, 18:35
@ igelei
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Deine Einstellung ist m.E. die richtige (owT) |
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Euklid
23.08.2003, 18:56
@ igelei
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Re: @Sascha: Als Mitglied der sogenannten Sandwichgeneration vielleicht mal ein mkT |
-->Hallo igelei
Sehr löblich deine Einstellung.
Was mir aber auffällt sind die 150m täglich die Du runterreißen must.
Das bedeutet mit dem billigsten Karren den es heute gibt ca 22 mal 150 mal 0,25 Cent= 825 Euro im Monat plus die Fahrzeit.
Alle 4 Jahre hat die Kiste 160 000 km ohne Privatfahrten.
Eichel ist gerade dabei diese Jobs total unmöglich zu machen.
Du fährst jeden Monat 3300 km und würdest ein Hauptverlierer der Eichel- Reform durch die Kilometergeldstreichung werden.
Auch Angestellten muß erlaubt sein zu rechnen wie ein Unternehmer.
Wenn Du diesen Aufwand auch nur annähernd vergütet bekommst wäre es ja auch in Ordnung.
Im anderen Falle muß ich leider sagen währe es ökonomisch sinnvoller nichts zu tun.
Nur mit vollem Arbeitseinsatz ohne Aussicht auf Teilkompensation sind das keine Zukunftsaussichten denn so etwas würde die ökonomische Basis total zerrütten.
Soweit sollte man das bei allem Arbeitgebergeheul nicht kommen lassen daß man noch die Briketts zum Feuern in den Betrieb mitbringt.
Gruß EUKLID
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igelei
24.08.2003, 02:44
@ Euklid
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eine Frage der Kalkulation... mkT |
-->... darüber habe ich mir auch meine Gedanken gemacht und bin zu folgendem Ergebnis gekommen:
Ich bin grundsätzlich relativ anspruchslos, was meinen fahrbaren Untersatz betrifft, solange drei Bedingungen erfüllt sind a) das Auto muss zuverlässig sein, b) es muss eine Servolenkung und c) eine Klimaanlage haben. Mir persönlich ist dabei gleichgültig, ob es sich um einen Neuwagen, einen Jahreswagen oder einen Gebrauchtwagen mit 70-80000 auf der Uhr handelt, den ich 2 Jahre fahre und dann weiterverkaufe. Nun heißt das Zauberwort Downscaling, d. h. Eichel wird damit nicht wirklich mich treffen, sondern in erster Linie die Automobilindustrie. Ja, man könnte sogar auf den Gedanken kommen, einen Gebrauchtwagen nur 11 Monate zu fahren und damit ein privates Veräußerungsgeschäft mit Verlust zu erzeugen ;-). Die zweite Möglichkeit des Downscalings ist die Verbrauchssteuerung. Momentan brettere ich mit 200 kmh über den Berliner Ring und nehme damit ca. 9 Liter auf 100 km. Testweise habe ich mich auf 160 beschränkt und kam auf 7,8 Liter und wenn ich richtig ökonomisch fahre werden es laut Hersteller etwa 6,9 Liter sein können, alles Steuereinnahmen, die ich Herrn Eichel damit entziehen werde, sollte es nötig werden. Meine Spitzenzeit liegt derzeit bei 47 Minuten, im Durchschnitt fahre ich 52 Minuten, was sich bei 160 auf etwa 58 Minuten verlängert. Damit kann ich leben, was Herr Eichel dabei verliert ist mir in dem Moment dann völlig egal. Und wenn der schlaue Finanzminister auf die Idee kommen sollte, die Kilometerpauschale ganz wegfallen zu lassen, wird es eben ein Fahrzeug geben, dass AUSSCHLIEßLICH dem Arbeitsweg dienen wird und zur Not per Fahrtenbuch und Einzelnachweis der Benzinquittungen die realen Kosten nachweist. Was immer kommt, wir sind vorbereitet und wenn man etwa 50% der Berufspendler zu einem solchen Verhalten überzeugen kann, wird sich Herr Eichel noch mal nach der Kilometerpauschale zurücksehnen.
MfG
igelei
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YooBee
24.08.2003, 13:21
@ igelei
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Wie auch immer |
-->Hi Stefan,
je nach Steuersatz zahlst DU selbst trotzdem einen großen Teil der Fahrtkosten! Und die ökologische Seite wollen wir gar nicht erst betrachten...
Gruß!
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Euklid
24.08.2003, 13:35
@ igelei
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Re: eine Frage der Kalkulation... mkT |
-->Als abhängig Beschäftigter wird das aber kaum gelingen dann die Fahrtkosten abzusetzen.
Läßt Du dich dann von einem gütigen Arbeitgeber auf dessen Kosten abholen wird im Streichungsfall dieser Vorteil sogar zur fiktiven Einnahme.
Du hast nichts davon aber es ist steuerbares Einkommen.
Das funktioniert nur mit einem freien Mitarbeiterverhältnis oder richtig selbständig.
Was spricht denn eigentlich noch gegen die Selbständigkeit?
Dieser Job gut gemacht hat wesentlich bessere Chancen als jedes Angestelltenverhältniss mit befristeten Verträgen.
Gruß EUKLID
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igelei
24.08.2003, 13:45
@ YooBee
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hi UB,... mkT |
-->>Hi Stefan,
>je nach Steuersatz zahlst DU selbst trotzdem einen großen Teil der Fahrtkosten! Und die ökologische Seite wollen wir gar nicht erst betrachten...
>Gruß!
Jau, ist ja richtig - aber ein möglichst großer Teil sollte schon wieder zurück kommen, schaun mer mal:-).
MfG
igelei
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Euklid
24.08.2003, 13:47
@ igelei
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Re: hi UB,... mkT |
-->Wenn es so ist dann ist es gut so;-))))
Das Thema eignet sich dann halt nicht für eine Diskussion.
Völlig richtig der Ansatz.
Das ist dann die geistig moralische Wende gegen die Abzocker [img][/img]
Gruß EUKLID
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igelei
24.08.2003, 13:49
@ Euklid
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keine Freien in dem Geschäft, das äußerste sind Zeitverträge f. Wissenschaftler (owT) |
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YooBee
24.08.2003, 15:08
@ igelei
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Klar |
-->>>Hi Stefan,
>>je nach Steuersatz zahlst DU selbst trotzdem einen großen Teil der Fahrtkosten! Und die ökologische Seite wollen wir gar nicht erst betrachten...
>>Gruß!
>Jau, ist ja richtig - aber ein möglichst großer Teil sollte schon wieder zurück kommen, schaun mer mal:-).
>MfG
>igelei
irgendwie sind wir ja alle am"optimieren" (Gell, Euklid?:-) Ich hab dieses Jahr auch erst 3 Monate gearbeitet (dafür fett), das minimiert ja auch die Ausgaben [img][/img]...
Bist Du auf der IAA? (trotz neuen AG's)?
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igelei
24.08.2003, 15:25
@ YooBee
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Wahrscheinlich klappts nicht mit der IAA, kriege frühestens November frei...mkT |
-->... leider. Die netten Plaudereien mit den Mercedeshostessen fallen dieses Mal leider aus. Und auch der ebenso nette Tagessatz:-(.
Mal sehen, wenn ichs schaffe fahre ich so mal vorbei, bist du irgendwann mal dort?
MfG
igelei
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YooBee
24.08.2003, 16:04
@ igelei
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Du hast virenfreie Mail:-) (owT) |
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