Jochen
24.08.2003, 19:49 |
Michael Moore - zurechtgestutzt Thread gesperrt |
-->Der Scheinheilige
Seine Bücher und Filme prägen weltweit das Amerika-Bild. In seiner Heimat gerät Oscar-Preisträger Michael Moore unter Beschuss - ausgerechnet von links
von Markus Albers, Mitarbeit: Alexander Wriedt
Er sieht sich selbst als mutigen Mann. Er traut sich, Wahrheiten auszusprechen, wo andere schweigen, und deckt Fakten auf, die sonst versteckt blieben. Er zeigt die hässliche Fratze hinter dem glänzenden Image der USA. Er legt sich mit der konservativen, kapitalistischen und kriegslüsternen Mehrheit seines Heimatlandes an. Michael Moore ist ein kritischer Patriot, und die Linken könnten stolz auf ihn sein.
Dummerweise sind sie es nicht. Im Gegenteil. Viele von ihnen können ihn nicht mehr ertragen.
Michael Moore, 49, ist der Regisseur von"Bowling for Columbine", dem in Deutschland erfolgreichsten Dokumentarfilm aller Zeiten. Er ist der Autor der Bücher"Stupid White Men" und"Querschüsse", die zusammen die hiesigen Bestsellerliste anführen - Ersteres steht seit Januar auf Platz eins, nur für eine Woche von Hillary Clinton verdrängt. Letzteres schoss nach Erscheinen vor zwei Wochen gleich auf Platz zwei.
Die Welt des Bestsellerautors ist simpel: Amerikaner sind ungebildete, geldgeile Waffennarren, Politik und Industrie stecken prinzipiell unter einer Decke, Großkonzerne bereichern sich auf Kosten des kleinen Mannes. Das versteht die Schwabinger Grundschullehrerin genauso wie der Kreuzberger Punk.
Michael Moores vorwiegend junge Leser studieren seine Werke so ehrfürchtig wie ihre Urgroßeltern die Bibel. Er ist der Held der Anti-Globalisierungs-Bewegung, die sein Konterfei neben dem Che Guevaras auf Plakaten zur Demonstration trägt. Er wurde zum Posterboy und Kronzeugen des pazifistischen Anti-Amerikanismus während des Irak-Krieges. Wenige Publizisten haben so viel Einfluss auf die politische Bildung der nachwachsenden Generation.
Dabei ist Michael Moore ein Meister darin, offene Türen einzurennen, falsche Fakten zu verbreiten, komplexe Zusammenhänge unzulässig zu vereinfachen und sich dabei stets zum einsamen Kämpfer gegen eine übermächtige reaktionäre Zensurverschwörung zu stilisieren.
In seiner Heimat wird der sich subversiv gebende Medienunternehmer dafür schon länger kritisiert. Und zwar nicht nur - erwartungsgemäß - aus konservativen Kreisen, sondern - besonders wütend - von Teilen der politischen Linken. Gerade sie beobachten Moores Erfolg mit zusammengebissenen Zähnen.
Man habe ihm bei seinem ersten Film"Roger and Me""vergeben, dass er Fakten verzerre", immerhin"im Dienste einer größeren Wahrheit", schreibt das renommierte linksliberale Online-Magazin"Salon.com". Man habe beschlossen, dass seine"grässlich unausgeglichene linke Fernsehserie,TV Nation" besser sei als gar keine linke Fernsehserie", aber angesichts des Buches"Downsize This!" - in Deutschland gerade als"Querschüsse" erschienen - habe man genug.
Moore sei"großmäulig, egoistisch und unwitzig". Er reagiere auf Kritik mit hanebüchenen Verschwörungstheorien. Der selbst ernannte Arbeiterfreund hindere seine Mitarbeiter daran, sich gewerkschaftlich zu organisieren, und wohne in einem 1,27 Millionen Dollar teuren Appartement.
Auch liberale Zeitschriften äußern sich kritisch, darunter"The American Prospect", ein Magazin, dessen Lektüre Moore selbst als"Muss" empfiehlt, und"New Republic", das seinen Artikel mit"Dishonest White Man" überschreibt -"Unaufrichtiger Weißer Mann".
Die Liste der Vorwürfe, denen sich der klassenkämpferische Selbstdarsteller in seiner Heimat ausgesetzt sieht, ist lang. Moore, der vorgebliche Faktenhuber, gibt in seinen Filmen inszenierte Szenen als dokumentarisch aus und verwendet immer wieder falsche Zahlen. Nur so erreicht er den verblüffenden Effekt, dass alle Details scheinbar ausnahmslos seine Argumentation stützen.
Die Szene in"Bowling for Columbine", wie Moore in einer Bank ein Gewehr als Werbegeschenk bekommt, ist offenbar verfälschend nachgestellt. Auch Titel und Kernthese des Films sind irreführend - die Attentäter von Columbine gingen am Morgen der Tat wohl keineswegs bowlen, wie Moore behauptet. Und die Fabrik des - so Moore -"weltgrößten Waffenfabrikanten" Lockheed in Columbine, die er anspielungsreich mit dem Schulmassaker in Verbindung bringt, stellt in Wahrheit Wettersatelliten her.
Die Datenmasse der Kritiker ist erdrückend. Neutrale Rechercheure der Website"Spinsanity.org", die es sich zur Aufgabe gemacht haben,"politische Rhetorik mit Vernunft zu kontern", listen diverse Fehler in Moores Büchern auf. Ein Grund: Er schreibe schlampig aus Internetquellen ab.
Vor allem aber"die verzerrende Art und Weise", in der er"die Wahrheit absurd verdreht, um sein Anliegen voranzutreiben" - gipfelnd in der Behauptung, die Reichen hätten sich die aktuelle Wirtschaftskrise nur ausgedacht, um einfache Bürger bescheiden zu halten -, sei"nicht mehr Satire, sondern paranoide Propaganda". In seiner Heimat ist Moores Image beschädigt. Die Linke könne gut ohne ihn auskommen, findet"Salon.com".
Deutsche Leser und Zuschauer sind noch nicht so weit. Michael Moore muss man hier zu Lande als kritischen Kopf einfach mögen. Schließlich, so die weit verbreitete Meinung, traut sich außer ihm niemand, gegen das patriotisch motivierte Denkverbot der Bush-Regierung nach dem 11. September und dem Irak-Krieg aufzubegehren. Dass beispielsweise die große"New York Times" Bush-kritische Essays von Susan Sontag druckt, die US-Medien also keineswegs gleichgeschaltet sind, wird gern vergessen.
Die"tageszeitung" attestiert Michael Moore"Kultstatus", die"Frankfurter Rundschau" hält seine Arbeiten für"brillant argumentiert","Max" lobt:"fetzig und auf den Punkt". Die"Süddeutsche Zeitung" vergleicht ihn mit Groucho Marx und Sokrates.
Auch Davide Brocci, Sprecher der deutschen Aktivisten von"Kultur-Attac", findet nur gute Worte für seinen amerikanischen Kollegen:"Die USA streben eine Vormachtstellung in der Welt an und sehen ihre Kultur als Modell für andere Länder. Darum ist es wichtig, wie Moore dieses Modell infrage zu stellen."
Michael Moore ist fraglos der lautstärkste US-Regierungskritiker."Eine Ein-Mann-Opposition" hat die Londoner"Times" ihn genannt, und wer ihn bei der Oscar-Verleihung"Schämen Sie sich, Mr. Bush" hat schimpfen hören, bis der Ton abgedreht wurde, muss dem zustimmen.
Leider fehlt Moore jene analytische Tiefe, die seinen Mut in Verantwortung verankern würde, und jene Seriosität, die seine Anklagen erst relevant machte. Stattdessen bestätigt der joviale Dicke mit der Baseball-Mütze lediglich dumpfe antiamerikanische Stereotype und arbeitet mit vulgärsozialistischen Klischees.
Moores Tiraden erinnern an die Erfolge eines anderen Autor: Rolf Winter, früherer Amerika-Korrespondent des"Stern", dessen Bücher mit sprechenden Titeln wie"Die amerikanische Zumutung" und"Ami go home" junge kritischer Geister in den 80er-Jahren auf dem Schulhof tauschten. Irgendwann nach dem Abi bemerkte man dann, dass der Kulturpessimismus des schlecht gelaunten Pensionärs vielleicht doch nicht so viel mit reflektierter Analyse zu tun hatte, und verkaufte die Bücher auf dem Flohmarkt.
Michael Moore hat als Amerikaner eine größere Glaubwürdigkeit und ein scheinbar höheres moralisches Gewicht, weil er seine Attacken mit rechtschaffenen Anliegen vermischt, gegen die kein vernünftiger Mensch etwas haben kann: Opposition gegen die US-Waffenlobby zum Beispiel, gegen die Todesstrafe oder gegen Rassismus. Offene Türen eben, die der Populist mit Verve einrennt.
Doch vielleicht wird Michael Moore auch nur in Deutschland mutwillig falsch gelesen? Das glaubt zum Beispiel Karsten Voigt. Wo immer der Koordinator für deutsch-amerikanische Zusammenarbeit Vorträge hält, schlägt ihm seit einiger Zeit die Wut der Amerika-Kritiker entgegen. Mit missionarischem Eifer treten sie auf und halten in der Hand die Quelle ihrer Erkenntnis:"Stupid White Men"."In den USA sind Moores Werke Teil einer selbstkritischen Debatte", sagt der SPD-Politiker:"Hier dienen sie dazu, gängige Vorurteile zu bestätigen."
Bei seinen Diskussionen trifft er immer wieder auf die gleichen Klischees: Die USA betrieben eine egoistische, auf den eigenen materiellen Vorteil bedachte Außenpolitik."Natürlich verfolgen die Amerikaner auch nationale Interessen. Die Frage ist jedoch, wie hoch dieser Aspekt veranschlagt wird", erklärt der ehemalige Juso-Vorsitzende. Natürlich dürfe man wie Moore das Recht, Waffen zu tragen, kritisieren."Doch heißt das noch lange nicht, dass die USA ohne Vorbereitung und Planung Kriege führen", so Voigt.
"Bei Michael Moore müsste jeden aufrechten deutschen Linken das Grauen erfassen", sagt Hans J. Kleinsteuber, Politologe und Medienwissenschaftler an der Uni Hamburg:"kein roter Faden, keine große Gesellschaftsanalyse, keine Theorie". Moores Werke seien"eine Sammlung von Impressionen, komplett unwissenschaftlich, mitunter fragwürdig". Außerdem"eine massive Konkurrenz für uns Wissenschaftler", so der Amerika-Experte nur halb im Scherz, denn:"Unsere USA-Analysen liest ja jetzt keiner mehr."
Offensichtlich gebe es angesichts von Bushs effizienter Regierungs-PR in Deutschland das Bedürfnis, die Kehrseite Amerikas zu betrachten. Dass diese an sich wichtige Aufgabe"allein Michael Moore überlassen wird, ist aber eher tragisch", so Kleinsteuber.
Dank Moores Werken geben sich kritische Bürger mit allzu schlichten Erklärungen zufrieden, wie die Welt funktioniert. Nach dem Kinobesuch wird der USA-Urlaub storniert, und das Gewissen ist beruhigt. Die da oben klüngeln ja doch, wie sie wollen.
Das diskursive Niveau gesellschaftlicher Debatten sinkt auf diese Weise bedenklich. Die bei weitem differenzierter arbeitende Globalisierungskritikerin Naomi Klein ("No Logo") sagte in einem Interview dieser Zeitung kürzlich, sie sehe"eine Argumentation wieder auftauchen, die dem US-Imperialismus die Schuld an allem gibt, was in der Welt falsch läuft. Europa kommt dabei sehr gut weg, was für mich eine unglaubliche Heuchelei ist. Vor dem Irak-Krieg war die Diskussion intelligenter." Daran ist auch Michael Moore schuld.
Artikel erschienen am 24. Aug 2003
WAMS
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vasile
24.08.2003, 21:12
@ Jochen
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Re: Michael Moore - zurechtgestutzt |
-->>Die Szene in"Bowling for Columbine", wie Moore in einer Bank ein Gewehr als Werbegeschenk bekommt, ist offenbar verfälschend nachgestellt. Auch Titel und Kernthese des Films sind irreführend - die Attentäter von Columbine gingen am Morgen der Tat wohl keineswegs bowlen, wie Moore behauptet. Und die Fabrik des - so Moore -"weltgrößten Waffenfabrikanten" Lockheed in Columbine, die er anspielungsreich mit dem Schulmassaker in Verbindung bringt, stellt in Wahrheit Wettersatelliten her. <font color=#FF0000>????</font>
[img][/img]
[b]So einen Schwachsinn, wie in diesem Artikel, habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Den ganzen Mist kann man getrost in die Tonne treten...
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JLL
24.08.2003, 21:23
@ vasile
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Re: Naja, das Deutschlandbild von Mr. Moore ist aber tatsächlich etwas schief. (owT) |
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Turon
24.08.2003, 22:14
@ Jochen
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Ein Text, der bestätigt, wie man mit Systemkritikern umgeht |
-->Diffamierungskampagne pur. So wird es gemacht. Es ist wie eine Einleitung zum:"...Wie deffamiere ich richtig?...." So. Wichtiges wird im Folgetext
unterstrichen.
Der Scheinheilige
>Seine Bücher und Filme prägen weltweit das Amerika-Bild. In seiner Heimat gerät Oscar-Preisträger Michael Moore unter Beschuss - ausgerechnet von links von Markus Albers, Mitarbeit: Alexander Wriedt
Er sieht sich selbst als mutigen Mann. Er traut sich, Wahrheiten auszusprechen, wo andere schweigen, Anm.: man beachte später - wie die beiden Autoren sich größte Mühe geben, Moores Wahrheiten als Lüge und das Ergebnis mangehafter Nachforschung - aufgebaut mit Hilfe des Sensationismus darzustellen. Natürlich sind weitere Quellen da nur noch hilfreich.
und deckt Fakten auf, die sonst versteckt blieben. Er zeigt die hässliche Fratze hinter dem glänzenden Image der USA. Er legt sich mit der konservativen, kapitalistischen und kriegslüsternen Mehrheit seines Heimatlandes an. Michael Moore ist ein kritischer Patriot, und die Linken könnten stolz auf ihn sein. Anmerkung: Die Ironie ist unübersehbar.
Dummerweise sind sie es nicht. Im Gegenteil. Viele von ihnen können ihn nicht mehr ertragen. Michael Moore, 49, ist der Regisseur von"Bowling for Columbine", dem in Deutschland erfolgreichsten Dokumentarfilm aller Zeiten. Er ist der Autor der Bücher"Stupid White Men" und"Querschüsse", die zusammen die hiesigen Bestsellerliste anführen - Ersteres steht seit Januar auf Platz eins, nur für eine Woche von Hillary Clinton verdrängt. Letzteres schoss nach Erscheinen vor zwei Wochen gleich auf Platz zwei.
Die Welt des Bestsellerautors ist simpel: Amerikaner sind ungebildete, geldgeile Waffennarren, Politik und Industrie stecken prinzipiell unter einer Decke, Großkonzerne bereichern sich auf Kosten des kleinen Mannes. Das versteht die Schwabinger Grundschullehrerin genauso wie der Kreuzberger Punk.
Michael Moores vorwiegend junge Leser Anm: jung - dumm, nicht wahr? studieren seine Werke so ehrfürchtig wie ihre Urgroßeltern die Bibel. Er ist der Held der Anti-Globalisierungs-Bewegung, die sein Konterfei neben dem Che Guevaras auf Plakaten zur Demonstration trägt. Er wurde zum Posterboy und Kronzeugen des pazifistischen Anti-Amerikanismus während des Irak-Krieges. Wenige Publizisten haben so viel Einfluss auf die politische Bildung der nachwachsenden Generation.Anm: Gott sei Dank. Jetzt kommt der Sledgehammer: die Verneinung und Spott zugleich.
Dabei ist Michael Moore ein Meister darin, offene Türen einzurennen, falsche Fakten zu verbreiten, komplexe Zusammenhänge unzulässig zu vereinfachen und sich dabei stets zum einsamen Kämpfer gegen eine übermächtige reaktionäre Zensurverschwörung zu stilisieren. Anm: So einsam kann er ja gar nicht sein, schließlich liest man ja seine Bücher, die sich offensichtlich blendend verkaufen.
In seiner Heimat wird der sich subversiv gebende Medienunternehmer dafür schon länger kritisiert. Und zwar nicht nur - erwartungsgemäß - aus konservativen Kreisen, sondern - besonders wütend - von Teilen der politischen Linken. Anm: es ist mir neu, daß es in USA eine linke Seite gibt. Gerade sie beobachten Moores Erfolg mit zusammengebissenen Zähnen. Anm: Beeindruckend: M.Moore bringt gegen sich die Linke auf, die
ihm so lieben, obwohl es in USA keine Linke tatsächlich gibt, und wo Moore
auch gar nicht links ist.
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Man habe ihm bei seinem ersten Film"Roger and Me" "vergeben, dass er Fakten verzerre", immerhin"im Dienste einer größeren Wahrheit", schreibt das renommierte linksliberale Online-Magazin"Salon.com". Man habe beschlossen, dass seine"grässlich unausgeglichene linke Fernsehserie,TV Nation" besser sei als gar keine linke Fernsehserie", aber angesichts des Buches"Downsize This!" - in Deutschland gerade als"Querschüsse" erschienen - habe man genug.
Moore sei"großmäulig, egoistisch und unwitzig". Er reagiere auf Kritik mit hanebüchenen Verschwörungstheorien. Der selbst ernannte Arbeiterfreund hindere seine Mitarbeiter daran, sich gewerkschaftlich zu organisieren, und wohne in einem 1,27 Millionen Dollar teuren Appartement. Anm: das ist der Hammer der Aussage: die überzeugte Rechte bedient sich hier eindeutig,
den Parolen des linken Lagers - Moore verhindert Gewerkschaftsgründung (die gibt es in USA nur dazu, um dem Chef den Kaffee zu servieren, und schürt gegen ihm den Neid, weil er sich eine Millionenvilla leistet. Das ist echt schlimm.
Was braucht denn eigentlich ein Autor für Arbeiterpotentzial, um ein Buch zu schreiben: 50 Leute? in einem 50 Mann Betrieb gibt es nicht einmal in Deutschland Gewerkschaften.
Auch liberale Zeitschriften äußern sich kritisch, darunter"The American Prospect", ein Magazin, dessen Lektüre Moore selbst als"Muss" empfiehlt, und"New Republic", das seinen Artikel mit"Dishonest White Man" überschreibt -"Unaufrichtiger Weißer Mann".
Die Liste der Vorwürfe, denen sich der klassenkämpferische Selbstdarsteller in seiner Heimat ausgesetzt sieht, ist lang. Moore, der vorgebliche Faktenhuber, gibt in seinen Filmen inszenierte Szenen als dokumentarisch aus und verwendet immer wieder falsche Zahlen. Nur so erreicht er den verblüffenden Effekt, dass alle Details scheinbar ausnahmslos seine Argumentation stützen.
Die Szene in"Bowling for Columbine", wie Moore in einer Bank ein Gewehr als Werbegeschenk bekommt, ist offenbar verfälschend nachgestellt. Auch Titel und Kernthese des Films sind irreführend - die Attentäter von Columbine gingen am Morgen der Tat wohl keineswegs bowlen, wie Moore behauptet.Anm: Cool - da haben wir es schon. Mittlerweile wirs man mit Lügenhetzen zum Oskarpreisträger. Grotesk. Und die Fabrik des - so Moore - "weltgrößten Waffenfabrikanten" Lockheed in Columbine, die er anspielungsreich mit dem Schulmassaker in Verbindung bringt, stellt in Wahrheit Wettersatelliten her.Anm: ja natürlich: alle Rüstungsfirmen in USA
sind nur damit beschäftigt Wettersateliten herzustellen, vorranging für den arabischen Raum. Dort wird die Temperatur gemessen und bei Gelegenheit, geschossen. Passende Raketen und Bomben und allen Schnickschnack bis zum Düsenjets liefert Lockheed als Beigabe gleich mit, auf Kosten des amerikanischen Steuerzahlers. (Und wenn der nicht kann, dann macht es der Deutsche Steuerzahler wie wir spätestens seit 1991 wissen)
Die Datenmasse der Kritiker ist erdrückend.Neutrale Rechercheure der Website"Spinsanity.org", die es sich zur Aufgabe gemacht haben, "politische Rhetorik mit Vernunft zu kontern", listen diverse Fehler in Moores Büchern auf. Ein Grund: Er schreibe schlampig aus Internetquellen ab.
Anmerkung: widerspricht erneut der These - M.Moore verhindert die Gründung
von Gewerkschaften. Die Autoren tun nur so, als würde Moore zu Hause vor seinem
Macintosh sitzen und sämtliche unglaubwürdige Thesen aufsaugen, verschönern und verfälschen - nur dazu braucht er nur gute Finger zum Saugen und keinen Mitarbeiterstab, der eine Größe erreichte, die die Gewerkschaftsgründung
unbedingt benötigt.
Vor allem aber"die verzerrende Art und Weise", in der er "die Wahrheit absurd verdreht, um sein Anliegen voranzutreiben" (Anmerkung:
jetzt kommtr Zynismus dazu, denn Moores Wahrheit wird beeindruckend in Anführungszeichen aufgeführt) - gipfelnd in der Behauptung, die Reichen hätten sich die aktuelle Wirtschaftskrise nur ausgedacht, um einfache Bürger bescheiden zu halten -, sei"nicht mehr Satire, sondern paranoide Propaganda".
In seiner Heimat ist Moores Image beschädigt. Die Linke könne gut ohne ihn auskommen, findet"Salon.com".
Deutsche Leser und Zuschauer sind noch nicht so weit. Michael Moore muss man hier zu Lande als kritischen Kopf einfach mögen. Schließlich, so die weit verbreitete Meinung, traut sich außer ihm niemand, gegen das patriotisch motivierte Denkverbot der Bush-Regierung nach dem 11. September und dem Irak-Krieg aufzubegehren. Dass beispielsweise die große"New York Times" Bush-kritische Essays von Susan Sontag druckt, die US-Medien also keineswegs gleichgeschaltet sind, wird gern vergessen. Anm: Was ist schon Moore gegen die mächtige und unabhängige - und daher so seriöse"New York Times", die
voraussichtlich auf kritische Leser ausgerichtet ist, ohne Bush nur mal ansatzweise zu verunglimpfen?
Die"tageszeitung" attestiert Michael Moore"Kultstatus", die"Frankfurter Rundschau" hält seine Arbeiten für"brillant argumentiert","Max" lobt:"fetzig und auf den Punkt". Die"Süddeutsche Zeitung" vergleicht ihn mit Groucho Marx und Sokrates.Anm: Würde ich auch, aber ich würde Moore nicht mit Sokrates vergleichen. ;)
Auch Davide Brocci, Sprecher der deutschen Aktivisten von"Kultur-Attac", findet nur gute Worte für seinen amerikanischen Kollegen:"Die USA streben eine Vormachtstellung in der Welt an und sehen ihre Kultur als Modell für andere Länder. Darum ist es wichtig, wie Moore dieses Modell infrage zu stellen."
Anmerkung: Klar, jedes - auch noch so blödes Schwein - weiß daß Amerika
die Vormachtsstellung ausbauen will. Selbst Zbigniew Brzezinski sieht darin
oberste Priorität. Nur die tatsächlich unabhängige Presse unter der Federführung
von den beiden guten Journalisten da, sieht das völlig anders.
Michael Moore ist fraglos der lautstärkste US-Regierungskritiker."Eine Ein-Mann-Opposition" hat die Londoner"Times" ihn genannt, und wer ihn bei der Oscar-Verleihung"Schämen Sie sich, Mr. Bush" hat schimpfen hören, bis der Ton abgedreht wurde, muss dem zustimmen.
Leider fehlt Moore jene analytische Tiefe, die seinen Mut in Verantwortung verankern würde, und jene Seriosität, die seine Anklagen erst relevant machte. Stattdessen bestätigt der joviale Dicke mit der Baseball-Mütze lediglich dumpfe antiamerikanische Stereotype Der erste amerikanische Antiamerikaner und arbeitet mit vulgärsozialistischen Klischees.
Moores Tiraden erinnern an die Erfolge eines anderen Autor: Rolf Winter, früherer Amerika-Korrespondent des"Stern", dessen Bücher mit sprechenden Titeln wie"Die amerikanische Zumutung" und"Ami go home" junge kritischer Geister in den 80er-Jahren auf dem Schulhof tauschten. Irgendwann nach dem Abi bemerkte man dann, dass der Kulturpessimismus des schlecht gelaunten Pensionärs vielleicht doch nicht so viel mit reflektierter Analyse zu tun hatte, und verkaufte die Bücher auf dem Flohmarkt. Anmerkung: Brilliant: ich hatte mal das Glück von Goethe auf dem Flomark zu kaufen. Einfach geil. Vielleicht
war Goethe einfach nur ein Idiot, und man habe es nachträglich gemerkt.
>Michael Moore hat als Amerikaner eine größere Glaubwürdigkeit und ein scheinbar höheres moralisches Gewicht, weil er seine Attacken mit rechtschaffenen Anliegen vermischt, gegen die kein vernünftiger Mensch etwas haben kann: Opposition gegen die US-Waffenlobby zum Beispiel, gegen die Todesstrafe oder gegen Rassismus. Offene Türen eben, die der Populist mit Verve einrennt.
Doch vielleicht wird Michael Moore auch nur in Deutschland mutwillig falsch gelesen? Das glaubt zum Beispiel Karsten Voigt. Wo immer der Koordinator für deutsch-amerikanische Zusammenarbeit Vorträge hält, schlägt ihm seit einiger Zeit die Wut der Amerika-Kritiker entgegen. Mit missionarischem Eifer treten sie auf und halten in der Hand die Quelle ihrer Erkenntnis:"Stupid White Men".Anm: Ansonsten gibt es an Amerika nicht das geringste auszusetzen. Letztendlich haben doch alle Deutschen bereits 1991 den Einsatz der Amerikaner mit Plakaten wie: Krieg um Erdöl ist edel, Krieg ist geil untermauert. Im Jahre 2003 exakt das Selbe. Und außerdem hat Weltmacht Palau Amerikas Flanke gesichert, gegen die bösen Irakis."In den USA sind Moores Werke Teil einer selbstkritischen Debatte", sagt der SPD-Politiker:"Hier dienen sie dazu, gängige Vorurteile zu bestätigen."
Bei seinen Diskussionen trifft er immer wieder auf die gleichen Klischees: Die USA betrieben eine egoistische, auf den eigenen materiellen Vorteil bedachte Außenpolitik."Natürlich verfolgen die Amerikaner auch nationale Interessen. Die Frage ist jedoch, wie hoch dieser Aspekt veranschlagt wird", erklärt der ehemalige Juso-Vorsitzende. Natürlich dürfe man wie Moore das Recht, Waffen zu tragen, kritisieren. "Doch heißt das noch lange nicht, dass die USA ohne Vorbereitung und Planung Kriege führen", so Voigt.Anmerkung: ich fürchte es gibt keinen einzigen Menschen auf den Planeten, der so etwas tatsächlich behauptet hat. Spätestens seit Z.Brzezinskis Ergüssen, wissen wir, daß Amerika Kriege, in Voraus plant. Und am besten weiß das der ehemaliger Staatschef von Afghanistan - Mullah glaube ich - er hatte sogar die Wahl: Teppich voller Gold, oder Tepppich voller Bomben. Juni 2001.
"Bei Michael Moore müsste jeden aufrechten deutschen Linken das Grauen erfassen", sagt Hans J. Kleinsteuber, Politologe und Medienwissenschaftler an der Uni Hamburg:"kein roter Faden, keine große Gesellschaftsanalyse, keine Theorie". Moores Werke seien "eine Sammlung von Impressionen, komplett unwissenschaftlich, mitunter fragwürdig".
Außerdem "eine massive Konkurrenz für uns Wissenschaftler", so der Amerika-Experte nur halb im Scherz, denn:"Unsere USA-Analysen liest ja jetzt keiner mehr." Anmerkung: Die Bildzeitung liest auch nicht jeder, würde es jeder tun, wären die wissenschaftlichen Analysen als Sonderheft der Bild erscheinen.
Offensichtlich gebe es angesichts von Bushs effizienter Regierungs-PR in Deutschland das Bedürfnis, die Kehrseite Amerikas zu betrachten. Dass diese an sich wichtige Aufgabe"allein Michael Moore überlassen wird, ist aber eher tragisch", so Kleinsteuber.
Dank Moores Werken geben sich kritische Bürger mit allzu schlichten Erklärungen zufrieden, wie die Welt funktioniert. Nach dem Kinobesuch wird der USA-Urlaub storniert, und das Gewissen ist beruhigt. Die da oben klüngeln ja doch, wie sie wollen.
Das diskursive Niveau gesellschaftlicher Debatten sinkt auf diese Weise bedenklich. Die bei weitem differenzierter arbeitende Globalisierungskritikerin Naomi Klein ("No Logo") sagte in einem Interview dieser Zeitung kürzlich, sie sehe "eine Argumentation wieder auftauchen, die dem US-Imperialismus die Schuld an allem gibt, was in der Welt falsch läuft.Anmerkung: jetzt entschudligt man schon Amerikas Gifte die getarnt als CIA Bande andere Banden unterstützen. Na Bravo.> Europa kommt dabei sehr gut weg, was für mich eine unglaubliche Heuchelei ist. Vor dem Irak-Krieg war die Diskussion intelligenter." Daran ist auch Michael Moore schuld.
Der Gipfel: Moore war mit seinem Buch schon längst vor dem Irakkrieg
sehr erfolgreich. Das Buch befand sich deutlich vor dem Angriff der Amerikaner längst auf Platz 1 der Bestsellers.
>Artikel erschienen am 24. Aug 2003 >
>WAMS
Fazit: so in etwa funktioniert jedwede Diffamierungskampagne. Ein weiteres
Beispiel für nichtsnützige Presse. Lockheed beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Bau der Wettersateliten. Cool: sind es etwa die selben, die wir aus
"Alarmstufe Rot Zwei" kennen? Das würde mich gar nicht wundern. ;)
Gruß von T. |
Karl52
24.08.2003, 22:14
@ Jochen
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Re: Michael Moore - zurechtgestutzt |
-->Ich denke mal, daß die z. T. gehässige Kritik aus linken Kreisen in USA-Land dem unter Linken üblichen Stutenbeißen entspricht, das da auf der Suche nach dem rechten Weg leider nicht nur in USA ziemlich üblich ist.
Man denke mal zurück, die Älteren unter uns werden sich erinnern, an die richtige Auslegung Marx'scher Werke; die SPD macht nicht zuletzt deswegen heute ihre Sinnkrise durch, die Grünen sind gar nicht erst rausgekommen und produzieren deswegen soviel Schrott, unter Anderem Windenergie. Die Kosten dafür werden namhafte Industrieen in den Ruin treiben, so wie die SPD dabei ist, ein funktionsfähiges System an die Wand zu fahren.
Die Opposition verharrt in Ratlosigkeit, weil keinen Deut besser!
Gruß Karl
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Turon
24.08.2003, 22:22
@ Turon
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Re: Sorry - ich kann immer nicht mit dem |
-->unterstrichenen Text wie fettgedruckten Text umgehen. Die Korrektur bringt auch nichts: offensichtlich wenn man zu oft hier die Klammern benutzt hebt sich die
alles gegeneinander auf. [img][/img]
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kingsolomon
24.08.2003, 22:30
@ Jochen
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wenn Rummsfeld redet,denk ich mir immer, wie beschränkt ein Kant gegen ihn wirkt |
-->aber gut, vielleicht lags daran dass der zeitlebens nie aus Königsberg rauskam??
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rodex
24.08.2003, 22:30
@ Jochen
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Re: Michael Moore - zurechtgestutzt |
-->>WAMS
Achso. Hättest du das nicht nach oben stellen können? Dann hätte man sich den Artikel sparen können.
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Turon
24.08.2003, 22:35
@ Jochen
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Ein Text, der bestätigt, wie man mit Systemkritikern umgeht (korrigiert) |
-->Diffamierungskampagne pur. So wird es gemacht. Es ist wie eine Einleitung zum:"...Wie deffamiere ich richtig?...." So. Wichtiges wird im Folgetext
unterstrichen.
Der Scheinheilige
Seine Bücher und Filme prägen weltweit das Amerika-Bild. In seiner Heimat gerät Oscar-Preisträger Michael Moore unter Beschuss - ausgerechnet von links von Markus Albers, Mitarbeit: Alexander Wriedt
Er sieht sich selbst als mutigen Mann.Er traut sich, Wahrheiten auszusprechen, wo andere schweigen,Anm.: man beachte später - wie die beiden Autoren sich größte Mühe geben, Moores Wahrheiten als Lüge und das Ergebnis mangehafter Nachforschung - aufgebaut mit Hilfe des Sensationismus darzustellen. Natürlich sind weitere Quellen da nur noch hilfreich.
und deckt Fakten auf, die sonst versteckt blieben. Er zeigt die hässliche Fratze hinter dem glänzenden Image der USA. Er legt sich mit der konservativen, kapitalistischen und kriegslüsternen Mehrheit seines Heimatlandes an. Michael Moore ist ein kritischer Patriot, und die Linken könnten stolz auf ihn sein.Anmerkung: Die Ironie ist unübersehbar.
Dummerweise sind sie es nicht. Im Gegenteil. Viele von ihnen können ihn nicht mehr ertragen. Michael Moore, 49, ist der Regisseur von"Bowling for Columbine", dem in Deutschland erfolgreichsten Dokumentarfilm aller Zeiten. Er ist der Autor der Bücher"Stupid White Men" und"Querschüsse", die zusammen die hiesigen Bestsellerliste anführen - Ersteres steht seit Januar auf Platz eins, nur für eine Woche von Hillary Clinton verdrängt. Letzteres schoss nach Erscheinen vor zwei Wochen gleich auf Platz zwei.
Die Welt des Bestsellerautors ist simpel: Amerikaner sind ungebildete, geldgeile Waffennarren, Politik und Industrie stecken prinzipiell unter einer Decke, Großkonzerne bereichern sich auf Kosten des kleinen Mannes. Das versteht die Schwabinger Grundschullehrerin genauso wie der Kreuzberger Punk.
Michael Moores vorwiegend junge Leser Anm: jung - dumm, nicht wahr? studieren seine Werke so ehrfürchtig wie ihre Urgroßeltern die Bibel. Er ist der Held der Anti-Globalisierungs-Bewegung, die sein Konterfei neben dem Che Guevaras auf Plakaten zur Demonstration trägt. Er wurde zum Posterboy und Kronzeugen des pazifistischen Anti-Amerikanismus während des Irak-Krieges. Wenige Publizisten haben so viel Einfluss auf die politische Bildung der nachwachsenden Generation.Anm: Gott sei Dank. Jetzt kommt der Sledgehammer: die Verneinung und Spott zugleich.
Dabei ist Michael Moore ein Meister darin, offene Türen einzurennen, falsche Fakten zu verbreiten, komplexe Zusammenhänge unzulässig zu vereinfachen und sich dabei stets zum einsamen Kämpfer gegen eine übermächtige reaktionäre Zensurverschwörung zu stilisieren. Anm: So einsam kann er ja gar nicht sein, schließlich liest man ja seine Bücher, die sich offensichtlich blendend verkaufen.
In seiner Heimat wird der sich subversiv gebende Medienunternehmer dafür schon länger kritisiert. Und zwar nicht nur - erwartungsgemäß - aus konservativen Kreisen, sondern - besonders wütend - von Teilen der politischen Linken. Anm: es ist mir neu, daß es in USA eine linke Seite gibt. Gerade sie beobachten Moores Erfolg mit zusammengebissenen Zähnen. Anm: Beeindruckend: M.Moore bringt gegen sich die Linke auf, die
ihm so lieben, obwohl es in USA keine Linke tatsächlich gibt, und wo Moore
auch gar nicht links ist.
Man habe ihm bei seinem ersten Film"Roger and Me" "vergeben, dass er Fakten verzerre", immerhin"im Dienste einer größeren Wahrheit", schreibt das renommierte linksliberale Online-Magazin"Salon.com". Man habe beschlossen, dass seine"grässlich unausgeglichene linke Fernsehserie,TV Nation" besser sei als gar keine linke Fernsehserie", aber angesichts des Buches"Downsize This!" - in Deutschland gerade als"Querschüsse" erschienen - habe man genug.
Moore sei"großmäulig, egoistisch und unwitzig". Er reagiere auf Kritik mit hanebüchenen Verschwörungstheorien. Der selbst ernannte Arbeiterfreund hindere seine Mitarbeiter daran, sich gewerkschaftlich zu organisieren, und wohne in einem 1,27 Millionen Dollar teuren Appartement. Anm: das ist der Hammer der Aussage: die überzeugte Rechte bedient sich hier eindeutig,
den Parolen des linken Lagers - Moore verhindert Gewerkschaftsgründung (die gibt es in USA nur dazu, um dem Chef den Kaffee zu servieren, und schürt gegen ihm den Neid, weil er sich eine Millionenvilla leistet. Das ist echt schlimm.
Was braucht denn eigentlich ein Autor für Arbeiterpotentzial, um ein Buch zu schreiben: 50 Leute? in einem 50 Mann Betrieb gibt es nicht einmal in Deutschland Gewerkschaften.
Auch liberale Zeitschriften äußern sich kritisch, darunter"The American Prospect", ein Magazin, dessen Lektüre Moore selbst als"Muss" empfiehlt, und"New Republic", das seinen Artikel mit"Dishonest White Man" überschreibt -"Unaufrichtiger Weißer Mann".
Die Liste der Vorwürfe, denen sich der klassenkämpferische Selbstdarsteller in seiner Heimat ausgesetzt sieht, ist lang. Moore, der vorgebliche Faktenhuber, gibt in seinen Filmen inszenierte Szenen als dokumentarisch aus und verwendet immer wieder falsche Zahlen. Nur so erreicht er den verblüffenden Effekt, dass alle Details scheinbar ausnahmslos seine Argumentation stützen.
Die Szene in"Bowling for Columbine", wie Moore in einer Bank ein Gewehr als Werbegeschenk bekommt, ist offenbar verfälschend nachgestellt. Auch Titel und Kernthese des Films sind irreführend - die Attentäter von Columbine gingen am Morgen der Tat wohl keineswegs bowlen, wie Moore behauptet.Anm: Cool - da haben wir es schon. Mittlerweile wirs man mit Lügenhetzen zum Oskarpreisträger. Grotesk. Und die Fabrik des - so Moore - "weltgrößten Waffenfabrikanten" Lockheed in Columbine, die er anspielungsreich mit dem Schulmassaker in Verbindung bringt, stellt in Wahrheit Wettersatelliten her.Anm: ja natürlich: alle Rüstungsfirmen in USA
sind nur damit beschäftigt Wettersateliten herzustellen, vorranging für den arabischen Raum. Dort wird die Temperatur gemessen und bei Gelegenheit, geschossen. Passende Raketen und Bomben und allen Schnickschnack bis zum Düsenjets liefert Lockheed als Beigabe gleich mit, auf Kosten des amerikanischen Steuerzahlers. (Und wenn der nicht kann, dann macht es der Deutsche Steuerzahler wie wir spätestens seit 1991 wissen)
Die Datenmasse der Kritiker ist erdrückend.Neutrale Rechercheure der Website"Spinsanity.org", die es sich zur Aufgabe gemacht haben, "politische Rhetorik mit Vernunft zu kontern", listen diverse Fehler in Moores Büchern auf. Ein Grund: Er schreibe schlampig aus Internetquellen ab.
Anmerkung: widerspricht erneut der These - M.Moore verhindert die Gründung
von Gewerkschaften. Die Autoren tun nur so, als würde Moore zu Hause vor seinem
Macintosh sitzen und sämtliche unglaubwürdige Thesen aufsaugen, verschönern und verfälschen - nur dazu braucht er nur gute Finger zum Saugen und keinen Mitarbeiterstab, der eine Größe erreichte, die die Gewerkschaftsgründung
unbedingt benötigt.
Vor allem aber"die verzerrende Art und Weise", in der er "die Wahrheit absurd verdreht, um sein Anliegen voranzutreiben" (Anmerkung:
jetzt kommtr Zynismus dazu, denn Moores Wahrheit wird beeindruckend in Anführungszeichen aufgeführt) - gipfelnd in der Behauptung, die Reichen hätten sich die aktuelle Wirtschaftskrise nur ausgedacht, um einfache Bürger bescheiden zu halten -, sei"nicht mehr Satire, sondern paranoide Propaganda".
In seiner Heimat ist Moores Image beschädigt. Die Linke könne gut ohne ihn auskommen, findet"Salon.com".
Deutsche Leser und Zuschauer sind noch nicht so weit. Michael Moore muss man hier zu Lande als kritischen Kopf einfach mögen. Schließlich, so die weit verbreitete Meinung, traut sich außer ihm niemand, gegen das patriotisch motivierte Denkverbot der Bush-Regierung nach dem 11. September und dem Irak-Krieg aufzubegehren. Dass beispielsweise die große"New York Times" Bush-kritische Essays von Susan Sontag druckt, die US-Medien also keineswegs gleichgeschaltet sind, wird gern vergessen. Anm: Was ist schon Moore gegen die mächtige und unabhängige - und daher so seriöse"New York Times", die
voraussichtlich auf kritische Leser ausgerichtet ist, ohne Bush nur mal ansatzweise zu verunglimpfen?
Die"tageszeitung" attestiert Michael Moore"Kultstatus", die"Frankfurter Rundschau" hält seine Arbeiten für"brillant argumentiert","Max" lobt:"fetzig und auf den Punkt". Die"Süddeutsche Zeitung" vergleicht ihn mit Groucho Marx und Sokrates.Anm: Würde ich auch, aber ich würde Moore nicht mit Sokrates vergleichen. ;)
Auch Davide Brocci, Sprecher der deutschen Aktivisten von"Kultur-Attac", findet nur gute Worte für seinen amerikanischen Kollegen:"Die USA streben eine Vormachtstellung in der Welt an und sehen ihre Kultur als Modell für andere Länder. Darum ist es wichtig, wie Moore dieses Modell infrage zu stellen."
Anmerkung: Klar, jedes - auch noch so blödes Schwein - weiß daß Amerika
die Vormachtsstellung ausbauen will. Selbst Zbigniew Brzezinski sieht darin
oberste Priorität. Nur die tatsächlich unabhängige Presse unter der Federführung
von den beiden guten Journalisten da, sieht das völlig anders.
Michael Moore ist fraglos der lautstärkste US-Regierungskritiker."Eine Ein-Mann-Opposition" hat die Londoner"Times" ihn genannt, und wer ihn bei der Oscar-Verleihung"Schämen Sie sich, Mr. Bush" hat schimpfen hören, bis der Ton abgedreht wurde, muss dem zustimmen.
Leider fehlt Moore jene analytische Tiefe, die seinen Mut in Verantwortung verankern würde, und jene Seriosität, die seine Anklagen erst relevant machte. Stattdessen bestätigt der joviale Dicke mit der Baseball-Mütze lediglich dumpfe antiamerikanische Stereotype Der erste amerikanische Antiamerikaner und arbeitet mit vulgärsozialistischen Klischees.
Moores Tiraden erinnern an die Erfolge eines anderen Autor: Rolf Winter, früherer Amerika-Korrespondent des"Stern", dessen Bücher mit sprechenden Titeln wie"Die amerikanische Zumutung" und"Ami go home" junge kritischer Geister in den 80er-Jahren auf dem Schulhof tauschten. Irgendwann nach dem Abi bemerkte man dann, dass der Kulturpessimismus des schlecht gelaunten Pensionärs vielleicht doch nicht so viel mit reflektierter Analyse zu tun hatte, und verkaufte die Bücher auf dem Flohmarkt. Anmerkung: Brilliant: ich hatte mal das Glück von Goethe auf dem Flomark zu kaufen. Einfach geil. Vielleicht
war Goethe einfach nur ein Idiot, und man habe es nachträglich gemerkt.
>Michael Moore hat als Amerikaner eine größere Glaubwürdigkeit und ein scheinbar höheres moralisches Gewicht, weil er seine Attacken mit rechtschaffenen Anliegen vermischt, gegen die kein vernünftiger Mensch etwas haben kann: Opposition gegen die US-Waffenlobby zum Beispiel, gegen die Todesstrafe oder gegen Rassismus. Offene Türen eben, die der Populist mit Verve einrennt.
Doch vielleicht wird Michael Moore auch nur in Deutschland mutwillig falsch gelesen? Das glaubt zum Beispiel Karsten Voigt. Wo immer der Koordinator für deutsch-amerikanische Zusammenarbeit Vorträge hält, schlägt ihm seit einiger Zeit die Wut der Amerika-Kritiker entgegen. Mit missionarischem Eifer treten sie auf und halten in der Hand die Quelle ihrer Erkenntnis:"Stupid White Men".Anm: Ansonsten gibt es an Amerika nicht das geringste auszusetzen. Letztendlich haben doch alle Deutschen bereits 1991 den Einsatz der Amerikaner mit Plakaten wie: Krieg um Erdöl ist edel, Krieg ist geil untermauert. Im Jahre 2003 exakt das Selbe. Und außerdem hat Weltmacht Palau Amerikas Flanke gesichert, gegen die bösen Irakis."In den USA sind Moores Werke Teil einer selbstkritischen Debatte", sagt der SPD-Politiker:"Hier dienen sie dazu, gängige Vorurteile zu bestätigen."
Bei seinen Diskussionen trifft er immer wieder auf die gleichen Klischees: Die USA betrieben eine egoistische, auf den eigenen materiellen Vorteil bedachte Außenpolitik."Natürlich verfolgen die Amerikaner auch nationale Interessen. Die Frage ist jedoch, wie hoch dieser Aspekt veranschlagt wird", erklärt der ehemalige Juso-Vorsitzende. Natürlich dürfe man wie Moore das Recht, Waffen zu tragen, kritisieren. "Doch heißt das noch lange nicht, dass die USA ohne Vorbereitung und Planung Kriege führen", so Voigt.Anmerkung: ich fürchte es gibt keinen einzigen Menschen auf den Planeten, der so etwas tatsächlich behauptet hat. Spätestens seit Z.Brzezinskis Ergüssen, wissen wir, daß Amerika Kriege, in Voraus plant. Und am besten weiß das der ehemaliger Staatschef von Afghanistan - Mullah glaube ich - er hatte sogar die Wahl: Teppich voller Gold, oder Tepppich voller Bomben. Juni 2001.
"Bei Michael Moore müsste jeden aufrechten deutschen Linken das Grauen erfassen", sagt Hans J. Kleinsteuber, Politologe und Medienwissenschaftler an der Uni Hamburg:"kein roter Faden, keine große Gesellschaftsanalyse, keine Theorie". Moores Werke seien "eine Sammlung von Impressionen, komplett unwissenschaftlich, mitunter fragwürdig".
Außerdem "eine massive Konkurrenz für uns Wissenschaftler", so der Amerika-Experte nur halb im Scherz, denn:"Unsere USA-Analysen liest ja jetzt keiner mehr." Anmerkung: Die Bildzeitung liest auch nicht jeder, würde es jeder tun, wären die wissenschaftlichen Analysen als Sonderheft der Bild erscheinen.
Offensichtlich gebe es angesichts von Bushs effizienter Regierungs-PR in Deutschland das Bedürfnis, die Kehrseite Amerikas zu betrachten. Dass diese an sich wichtige Aufgabe"allein Michael Moore überlassen wird, ist aber eher tragisch", so Kleinsteuber.
Dank Moores Werken geben sich kritische Bürger mit allzu schlichten Erklärungen zufrieden, wie die Welt funktioniert. Nach dem Kinobesuch wird der USA-Urlaub storniert, und das Gewissen ist beruhigt. Die da oben klüngeln ja doch, wie sie wollen.
Das diskursive Niveau gesellschaftlicher Debatten sinkt auf diese Weise bedenklich. Die bei weitem differenzierter arbeitende Globalisierungskritikerin Naomi Klein ("No Logo") sagte in einem Interview dieser Zeitung kürzlich, sie sehe "eine Argumentation wieder auftauchen, die dem US-Imperialismus die Schuld an allem gibt, was in der Welt falsch läuft.Anmerkung: jetzt entschudligt man schon Amerikas Gifte die getarnt als CIA Bande andere Banden unterstützen. Na Bravo.> Europa kommt dabei sehr gut weg, was für mich eine unglaubliche Heuchelei ist. Vor dem Irak-Krieg war die Diskussion intelligenter." Daran ist auch Michael Moore schuld.
Der Gipfel: Moore war mit seinem Buch schon längst vor dem Irakkrieg
sehr erfolgreich. Das Buch befand sich deutlich vor dem Angriff der Amerikaner längst auf Platz 1 der Bestsellers.
>Artikel erschienen am 24. Aug 2003 >
>WAMS
Fazit: so in etwa funktioniert jedwede Diffamierungskampagne. Ein weiteres
Beispiel für nichtsnützige Presse. Lockheed beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Bau der Wettersateliten. Cool: sind es etwa die selben, die wir aus
"Alarmstufe Rot Zwei" kennen? Das würde mich gar nicht wundern. ;)
Gruß von T.
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Turon
24.08.2003, 22:37
@ rodex
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Genau (WAMS kommt auf die persönliche schwarze Liste) |
-->>>WAMS
>Achso. Hättest du das nicht nach oben stellen können? Dann hätte man sich den Artikel sparen können.
Kommentar: [img][/img]
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Karl52
24.08.2003, 22:46
@ kingsolomon
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Re: wenn Rummsfeld redet,denk ich mir immer, wie beschränkt ein Kant gegen ihn w |
-->aber gut, vielleicht lags daran dass der zeitlebens nie aus Königsberg rauskam??
Kant mag zwar schwierig zu lesen sein, mag auch nie aus Königsberg herausgekommen sein, wird gleichwohl von seinen Zeitgenossen als ausgesprochen witzig, weltoffen und über die Maßen gebildet beschrieben.
DAS muß Herr Rumsfeld erst mal nachmachen; selbst seine Verwandten in Bremen und Umfeld legen mittlerweile keinen Wert mehr auf seine Anwesenheit.
Gruß Karl52, der immer mal wieder versucht, Immanuel Kant zu verstehen
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Standing Bear
24.08.2003, 22:59
@ Jochen
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Wieder ein Erguß aus dem Hause Springer. LOL!!!!! |
-->Hab jetzt keine Lust, den ganzen Mist zu kommentieren. Aber er geht in die Richtung des Panorama-Beitrages neulich über den 11.9. Die"journalistische Tiefe" fehle und das schreibt die Springerpresse? Die Leute bringen mich zum Lachen und können bei einigen Deppen damit immer noch landen. Erfrischend.
SB.
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Euklid
24.08.2003, 23:10
@ Karl52
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Re: Michael Moore - zurechtgestutzt |
-->Ja solange man in den Grünen die Weltverbesserer sieht kanns nicht besser werden.
Und diese ewigen Schuldbekenntnisse wir würden den Stammeshäuptlingen der 3.Welt das Brot wegfressen und auf deren Kosten leben.
Wo nichts ist kann man ja normalerweise auch nichts wegnehmen.
Da soll es ja sogar solche Gutmenschen geben die sich über den billigen Kaffeepreis aufregen.
Warum diejenigen nicht schon Hab und Gut in die 3.Welt überwiesen haben bleibt deren Geheimnis.
Gruß EUKLID
PS Warum die immer in die Ferne schweifen wenn die Scheiße liegt so nah...
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crosswind
24.08.2003, 23:40
@ Turon
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Oh, starke Kommentare und Analyse - das gefällt! (owT) |
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YooBee
24.08.2003, 23:59
@ Jochen
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Den linken Intellektuellen schwimmen wohl die Felle weg? |
-->Ha! Na, Sinn für Realismus hatten die noch nie..."nicht analytisch genug"... pah, er spricht so, dass es JEDER verstehen kann, der will.
Oder doch alles Doofe, die die Bücher lesen? Alles zwanghafte Anti-Amerikaner?
Es ist doch offensichtlich: wenn die ganze Welt dem AWOL frönte, wär es schon bald vorbei mit"God's own planet".
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