Sascha
26.08.2003, 02:37 |
Schuldenabbau bremst die Konjunktur Thread gesperrt |
--><font size=5>Schuldenabbau bremst die Konjunktur Unternehmen in Europa sitzen noch auf riesigen Verbindlichkeiten - Deutsche Firmen Vorbild bei Sanierung der Bilanzen</font>
OLAF STORBECK
HANDELSBLATT, 26.8.2003
DÜSSELDORF. <font color="#FF0000">Die Bilanz kann sich sehen lassen: Innerhalb eines drei Viertel Jahres hat der neue Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke den Schuldenberg seines Unternehmens deutlich abgebaut</font>. Seit seinem Amtsantritt im Herbst 2002 sanken die Verbindlichkeiten des Konzerns um 11 Mrd. Euro auf jetzt 53 Mrd. - damit hat Ricke schon zur Jahresmitte fast das Ziel erreicht, das er sich bis zum Jahresende gesetzt hatte.
Nicht nur die Telekom hat bei der Reparatur ihrer Bilanzen Gas gegeben - deutsche Firmen liegen in der Euro-Zone beim Schuldenabbau vorne, zeigt eine Studie der Bank HSBC. <font color="#FF0000">In Deutschland sind die Unternehmensschulden seit dem Platzen der Spekulationsblase leicht zurückgegangen </font>- auf rund <font color="#FF0000">66 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP)</font>. In der Euro-Zone sind die Verbindlichkeiten von Firmen dagegen weiter gestiegen - von 66,3 % des BIP 1999 auf geschätzte 75,8 % 2002. „Deutsche Unternehmen sind ihre Schuldenprobleme aggressiver angegangen als die Firmen im Rest der Euro-Zone“, betont Gwyn Hacche von HSBC.
<font color="#FF0000">Die Investmentbank Goldman Sachs kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Deutsche Unternehmen hätten auf das Platzen der Spekulationsblase mit drastischen Investitionskürzungen und Entlassungen reagiert</font>. Die Außenfinanzierungsquote - ein Indikator dafür, wie stark die Unternehmen bei Investitionen auf fremdes Geld zurückgreifen müssen - sei daher deutlich stärker gesunken als in Frankreich und Italien. Noch im Jahr 2000 habe diese Lücke in Deutschland bei mehr als 10 % der Wertschöpfung des Sektors gelegen - 2002 sei sie sogar leicht in den negativen Bereich gefallen. In Frankreich und Italien sei die Quote dagegen deutlich langsamer gesunken. „Die deutschen Unternehmen haben sich fitgemacht“, meint auch Ulrich Kater von der Deka-Bank.
In den anderen Ländern der Euro-Zone haben die Firmen in noch einige Aufräumarbeiten vor sich, <font color="#FF0000">bis sie die Exzesse der Boom-Jahre verarbeitet haben</font>. Damals schossen die Gewinnerwartungen nach oben, und die Firmen verfielen in einen Investitionsrausch: Zwischen 1996 und 2000 <font color="#FF0000">kletterten sie Investitionen in der Euro-Zone laut HSBC von 14 % des BIP auf fast 24 % des BIP</font>. Einen stetig wachsenden Anteil dieser Investitionen finanzierten die Firmen auf Pump - die Schuldenquote hat sich im gleichen Zeitraum um rund ein Viertel erhöht. „Der Anstieg der Verschuldung war erheblich“, sagt Patrick Artus, Chefvolkswirt der französischen Bank CDC Ixis.
Dies erweist sich heute als Hypothek für den Aufschwung. <font color="#FF0000">„Das Erbe der hohen Verschuldung und der Überinvestitionen wird die Wirtschaft in der Euro-Zone wahrscheinlich noch eine ganze Weile belasten“</font>, betont Gwyn Hacche von HSBC. Denn solange sich die Unternehmen darauf konzentrieren, ihre Bilanzen wieder in Ordnung zu bringen, sei ein deutliches Anziehen der Investitionen unwahrscheinlich. In einem kürzlich erschienenen „Working Paper“ warnt auch der Internationale Währungsfonds: Die nach wie vor bestehenden Bilanz- Probleme der Unternehmen in der Euro-Zone dämpften die Aussichten für ein Anziehen der Investitionen. Deka-Experte Kater rechnet damit, dass die Unternehmen in der Euro-Zone ihre Bilanzen erst im kommenden Jahr wieder in Ordnung gebracht haben.
Allerdings: Auch wenn die Unternehmen weiter den Schuldenabbau forcieren, sehen Bankenvolkswirte darin keine unüberwindbare Hürde für einen Aufschwung. „Die Erholung bei den Investitionen fällt durch den Schuldenabbau schwächer aus, aber sie wird nicht komplett verhindert“, sagt Elga Bartsch von Morgan Stanley.
Die Schuldenberge der europäischen Unternehmen könnten langfristig sogar den US-Dollar unter Druck bringen, fürchtet Artus von CDC Ixis. Er macht in erster Linie den massiven Anstieg der europäischen Direktinvestitionen in den USA zwischen 1998 und 2001 für die massiv gestiegenen Verbindlichkeiten der europäischen Firmen verantwortlich - und im Zuge der Börsenbaisse haben die US-Zukäufe oft drastisch an Wert verloren. Artus ist sicher: „Die europäischen Unternehmen werden diese gestiegenen Schulden auf Dauer nicht akzeptieren.“
Um ihre Bilanzen in Ordnung zu bringen, dürften sie sich einige Jahre mit Direktinvestitionen in den USA zurückhalten - <font color="#FF0000">dies würde die Kapitalzuflüsse aus Europa schmälern. Die USA können aber ihr gigantisches Loch in der Leistungsbilanz nur finanzieren, wenn das Ausland stetig Geld in die US-Wirtschaft pumpt</font>. Versiegen die Kapitalzuflüsse aus dem Ausland, wertet der US-Dollar ab.
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Euklid
26.08.2003, 09:19
@ Sascha
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Re: Schuldenabbau bremst die Konjunktur |
-->Da haben wirs.
Für die hohen Schuldenberge der Unternehmen sind oft die Zukäufe in den USA verantwortlich.
Und diese Zukäufe werden jetzt durch den fallenden Dollar noch abgewertet.
Gleichzeitig wollen dann solche Leute wie Kerkorian obwohl sie von Daimler profitierten auch noch Klagen einreichen.
Das schafft halt nur eine Supermacht.
Voraussetzung dafür sind aber die Luschen auf der anderen Seite.
Büßen müssen es immer diejenigen die ihre Arbeitsstelle verlieren.
Und das ist das traurige an der Geschichte.
Gruß EUKLID
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Wal Buchenberg
26.08.2003, 10:41
@ Sascha
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Re: Schuldenabbau - Was den Banken recht ist, ist den Unternehmen billig |
-->Hallo Sascha,
die Unternehmen machen das, was ihnen die Banken vormachen (und raten)
vergleiche mein Text von gestern: Wo bleibt der Bankencrash
Am Schuldenabbau zu bejammern, dass er den Konjunkturaufschwung verzögert, ist so sinnvoll und klug wie wenn ein Wetterbericht darüber jammern würde, dass der Regen das schöne Wetter verzögert.
Im Gegensatz zu dem Schreiberling wissen die Unternehmensmanager, dass Krise ist und verhalten sich den Krisenbedingungen angepasst.
Dass der"Schuldenabbau" nicht wirklich stattfindet, sondern nur auf andere Schultern transferiert wird, das ist das wirkliche Problem. Auch dazu mein gestriger Text. Die jetzige Krise wird sich nicht in Wohlgefallen auflösen. Sie ist noch gar nicht richtig zu Tage getreten. Sonst gäbe es nicht so dumme Artikel in den Wirtschaftsredaktionen.
Gruß Wal
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Bob
26.08.2003, 11:20
@ Sascha
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Re: Die Strategie zu Tiefstkursen Aktien zu begeben |
-->Das Finanzierungsgebaren bedeutender Finanzinstitutionen gibt sehr zu denken, z.B. Münchener Rück.
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Wieso werden hier zu Tiefstkursen Kapitalerhöhungen durchgeführt? Eigentlich müßte man doch jetzt Aktien zurückkaufen.
Das beweist, daß die Firmenvorstände"dritten" Interessen dienen. Vermutlich werden die Stücke befreundeten Leerverkäufern zugeschustert, die sich am Markt nicht preisgünstig eindecken können.
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Sascha
27.08.2003, 02:31
@ Wal Buchenberg
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Re: Schuldenabbau - Was den Banken recht ist, ist den Unternehmen billig |
--> > Dass der"Schuldenabbau" nicht wirklich stattfindet, sondern nur auf > andere Schultern transferiert wird, das ist das wirkliche Problem. Auch dazu > mein gestriger Text. Die jetzige Krise wird sich nicht in Wohlgefallen > auflösen. Sie ist noch gar nicht richtig zu Tage getreten. Sonst gäbe es > nicht so dumme Artikel in den Wirtschaftsredaktionen.
Das glaube ich auch! Manche vertreten ja sogar die Ansicht es könne nicht mehr viel weiter bergab gehen (wie gestern morgen im Morgenmagazin der ARD). Das sehe ich anders. Es kann noch VIEL tiefer gehen wie manche vielleicht glauben. Am Neuen Markt glaubten sie im März 2000 auch alle an eine Korrektur von bis zu 40%. Das es am Ende mehr als 95 % wurden haben sie nicht geglaubt.
Viele Grüße
Sascha
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