-->27. August 2003, 02:28, Neue ZĂĽrcher Zeitung
Sinkender Inflationstrend im OECD-Raum
Beruhigung der Energiepreise
Ug. Paris, 26. August
Die Erwartungen über die Entwicklung der Konsumentenpreise haben in den letzten Wochen eine scharfe Veränderung erfahren. Während die Geldbehörden weiterhin ihr Auge vor allem auf die Vermeidung eines unerwünschten Rückgangs der Inflation richten, haben die Märkte sich reorientiert und glauben nicht mehr an das Schreckgespenst einer drohenden Deflation. Zwar kann der an den Kapitalmärkten eingetretene Anstieg der Zinsen partiell als eine Korrektur von übertriebenen Deflationsängsten und Kurssteigerungen interpretiert werden, aber er zeigt auch neue Erwartungen, dass die Lockerung der geld- und fiskalpolitischen Zügel zu einem rascheren Wachstum und einer höheren Inflation führen wird.
Die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) akribisch zusammengetragenen Inflationsdaten widerspiegeln den Wandel dieser Erwartungen natürlich noch nicht. Sie zeigen vielmehr auf, dass in den ersten sechs Monaten dieses Jahres der Trend einer sinkenden Inflation angehalten hat. Im Juni waren die Konsumgüterpreise - ohne die häufig kräftigeren Schwankungen ausgesetzten Preise für Nahrungsmittel und Energie - in den OECD-Ländern 2,1% höher als ein Jahr zuvor und setzten damit den gemächlich sinkenden Trend fort. Eine ähnliche Entwicklung ist auch bei Untergruppen und einzelnen Staaten zu verzeichnen, wie der G-7 und den sie bildenden Ländern. Auffallend ist, dass Japan, gemessen am Index, weiterhin rückläufige Preise verzeichnet und dass mehrere Länder - Deutschland, Finnland, Polen, die Schweiz und Tschechien - Inflationsraten von 1,0% oder weniger aufweisen.
Während sich die Veränderung der Nahrungsmittelpreise im OECD-Raum mit einem durchschnittlichen Anstieg von 2,5% - von Juni 2002 bis Juni 2003 - nicht stark von der Preisentwicklung der anderen Güter abhob, waren die Energiepreise mit +5,5% für alle OECD-Länder und sogar +5,7% für die G-7-Staaten doch spürbar rascher gestiegen. Im April war der Index der Energiepreise allerdings 8,0% höher gewesen als ein Jahr zuvor, und im März war sogar ein Anstieg von 14,2% gemeldet worden. Die in den Sommermonaten als Folge der Hitzewelle eingetretenen Preissteigerungen für Elektrizität dürften wieder zu einer höheren Teuerungsrate bei Energieträgern führen.
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