chiron
27.08.2003, 14:32 |
Back from Lunch... Thread gesperrt |
-->...mit einem Oekonomen einer grossen Investmentbank.
Frage: Was hältst Du von Paul C. Martin?
Antwort: Wer ist das?
F: Was hältst Du von Gold als Absicherung?
A: Danke, ich habe schon einen Briefbeschwerer und satt werde ich davon auch nicht:
F: Kommt jetzt der Aufschwung?
A: Klar, die Zahlen deuten darauf hin, auch wenn es eher langsam gehen wird.
F: Welche Zahlen?
A: Produktivität und der Anstieg der Reallöhne.
Nach 15 Minuten haben wir dann das Thema gewechselt und über Fussball diskutiert.
Die Trendwende kommt immer dann, wenn es sich die Masse nicht vorstellen kann. In diesem Sinne buy Gold and sell Stocks!
Gruss Chiron
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dottore
27.08.2003, 16:03
@ chiron
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Re:... forward to Malik oder: Was ist Kapitalismus? |
-->Hi chiron,
>Frage: Was hältst Du von Paul C. Martin?
Frage, was hält Prof. Dr. Fredmund Malik (HSG und Management Zentrum St. Gallen) von ihm?
Aus dem neuesten M.o.M. (8/2003):
Diese übliche Wirtschaftsauffassung übersieht den mit Abstand
wichtigsten Punkt: Menschen arbeiten, Unternehmer und Unter-
nehmen wirtschaften nicht deshalb, weil sie arbeiten oder wirt-
schaften wollen, sondern weil sie müssen. Sie stehen unter
Zwang.
Woher kommt dieser Zwang? Er folgt aus der ebenso schlichten
wie zwingenden Tatsache, dass Menschen und Unternehmen Ver-
pflichtungen eingegangen sind, die der Höhe und der Zeit nach
festgelegt sind und zwangsweise erfüllt werden müssen. Einfacher
gesagt: sie haben Schulden.
Der Zwang resultiert aus eingegangenen Schuldkontrakten,
deren Nichterfüllung zu Betreibung und Pfändung und schliess-
lich zum Bankrott führt. Es ist nicht so lange her, da gab es noch
die Schuldknechtschaft - für den Schuldner selbst und für seine
ganze Familie.
Ein Teil der Schuldverhältnisse wird freiwillig eingegangen -
und hätte somit auch vermieden werden können. Man hätte die
entsprechenden Kaufakte - zum Beispiel Raten-,Leasing-oder
Kreditkartenkäufe - auch aufschieben können. Sobald die Schuld-
verhältnisse aber einmal entstanden sind, üben sie ihre unerbitt-
liche und irreversible Wirkung aus: es entsteht Erfüllungszwang,
und zwar nicht nur im Ausmass des eingegangenen Obligos,son-
dern zusätzlich in Höhe des vereinbarten Zinses. Die Entstehung
von Verpflichtungen mag freiwillig sein; ihre Abwicklung ist es
nicht.
Damit allein könnte aber die Wirtschaft noch immer nicht ver-
standen werden. Der weitaus grössere Teil der Schuldkontrakte
ist unfreiwillig geschlossen worden. Alle Produktion und alles
Arbeiten müssen vorfinanziert werden. Käufer gibt es erst,nach-
dem produziert, Lohn erst,nachdem gearbeitet wurde. Die Vor-
finanzierung führt zu zwangsweisen Schuldkontrakten und zu
zusätzlichen Kosten, eben dem Zins.
Ein Schuldner ist also gezwungen - völlig gleichgültig, was sein
Streben, Wollen oder seine Motivation sein mögen - nicht nur
das Darlehen zu erwirtschaften, also eine Leistung zu erbringen,
die er ohne Bestehen des Schuldkontraktes möglicherweise nicht
erbracht hätte. (Er hätte ohne Bestehen der Verpflichtung auch
guten Gewissens Freizeit machen können.) Der Schuldner muss
aber darüberhinaus eine Mehrleistung in Höhe des Zinses
erwirtschaften.
Über diese Ursache wirtschaftlicher Tätigkeit, der typischen Hektik
und des wirtschaftlichen Drucks wird selten berichtet - bemerkens-
wert, wo wir doch weltweit die höchsten absoluten und relativen
Schulden haben,die es je gab. Die niedrigen Zinsen machen sie
zwar erträglicher als sie bei hohen Zinsen wären. Dennoch ist
die Mehrleistungsverpflichtung in absoluten Zahlen astronomisch.
Diese Ursache des Wirtschaftsgeschehens ist von psychologischen
Motiven und sonstigen Zielen, Wünschen und Vorhaben gänzlich
unabhängig.
Die Summe aller Schuldverhältnisse mal dem jeweils gülti-
gen Zinssatz entspricht der Summe der mindestens erfor-
derlichen wirtschaftlichen Mehrleistung zwecks Vermeidung
des Unterganges. Diese Einsicht verdanken wir einem der besten
Ã-konomen, die ich kenne: Dr.Paul C.Martin
1
.Gestützt auf
Arbeiten der Professoren DDr. Gunnar Heinsohn und Dr. Otto
Steiger
2
hat er massgeblich die sogenannte debitistische Wirt-
schaftstheorie entwickelt. Ohne deren Kenntnis kann man Wirt-
schaft nicht verstehen.
Wir sind es gewohnt,die Menschen in bestimmte Kategorien ein-
zuteilen: Konsumenten und Produzenten,Arbeitnehmer und Ar-
beitgeber, Anbieter und Nachfrager. Sie sind nicht unwichtig, aber
sie erklären vergleichsweise wenig. Die mit Abstand wichtigeren
Kategorien sind Schuldner und Gläubiger.
Aus dieser - debitistischen - Sicht ist der Markt nicht nur der Ort
des Aufeinandertreffens von Angebot und Nachfrage, sondern er
ist vor allem der Ort, wo verschuldete Produzenten die erforder-
lichen Schuldendeckungsmittel, nämlich Geld, aufzutreiben ver-
suchen. Der Kapitalismus ist keineswegs ein System, das der
Gewinnmaximierung dient oder aus dieser verstanden werden
kann. Das mag aus einer kontemplativen Perspektive so erschei-
nen,die vom realen Wirtschaftsgeschehen weit entfernt ist. Es ist
im Kapitalismus völlig gleichgültig, ob jemand Gewinne macht
oder nicht. Der Kapitalismus ist ein System,in dem Rechnungen
bezahlt werden müssen - das ist die einzig gültige Definition
dieses Systems. Liquidität ist letztlich entscheidend,nicht Gewinn.
Die Rechnung wird entweder vom Schuldner bezahlt, solange
er kann; oder - wenn er nicht mehr kann - dann bezahlt der
Gläubiger, durch Abschreiben der uneinbringlich gewordenen
Forderung.
1 Paul C.Martin, Der Kapitalismus - ein System das funktioniert, München 1986
2 Heinsohn,G., Steiger,O., Eigentum, Zins und Geld,Reinbek bei Hamburg 1996
>Antwort: Wer ist das?
Das sind se.
Gruß!
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chiron
27.08.2003, 16:28
@ dottore
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Ach, Malik, der ist eh immer bearish...! |
-->Hallo Dottore
Ach, Malik, der ist eh immer bearish...!
Antwort vom vorletzten Lunch.
Je bullisher die Analysten und Oekonomen, desto sicherer kommt eine Trendwende. Für mich sind solche Treffen die besten Hinweise, um die Temperatur im Volk zu messen. Schliesslich sind sie auch die Meinungsmacher und Zulieferer der Finanzpresse und Medien.
Dottore, hättest Du Interesse bei Gelegenheit einen Vortrag zum Thema Deflation und Finanzkrise in Zürich zu halten? Ich hab zwar keine Ahnung, ob ich die Leute zusammenbringe, Deine Einwilligung vorausgesetzt, werde ich aber gerne die Nachfrage"sondieren".
Gruss Chiron
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dottore
27.08.2003, 16:56
@ chiron
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Re: Ach, Malik, der ist eh immer bearish...! |
-->>Hallo Dottore
>Ach, Malik, der ist eh immer bearish...!
Das hat mit dem, was"Wirtschaften" heißt, nichts zu tun.
>Antwort vom vorletzten Lunch.
>Je bullisher die Analysten und Oekonomen, desto sicherer kommt eine Trendwende. Für mich sind solche Treffen die besten Hinweise, um die Temperatur im Volk zu messen. Schliesslich sind sie auch die Meinungsmacher und Zulieferer der Finanzpresse und Medien.
Wo hoch denn die Temperatur schon?
>Dottore, hättest Du Interesse bei Gelegenheit einen Vortrag zum Thema Deflation und Finanzkrise in Zürich zu halten? Ich hab zwar keine Ahnung, ob ich die Leute zusammenbringe, Deine Einwilligung vorausgesetzt, werde ich aber gerne die Nachfrage"sondieren".
Ja, ich referiere auch gern über Selbstverständlichkeiten.
Gruß!
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Emerald
27.08.2003, 17:28
@ chiron
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bis jetzt waren 0,25% im Gold dabei bald werden es 5 - 7 % sein: So what.? |
-->sie alle müssen jetzt den Aktien nachrennen und sich entschuldigen, dass
sie den Trend verschlafen haben, weil sie wieder einmal den alten
'ausgeleierten ' Gleisen gefolgt sind.
Der Franzose hat dafür ein Kurz-Wort:"Merde alors"
Der Amerikaner: Shit und
....................................... nein das reicht für erste.
Emerald.
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chiron
27.08.2003, 17:35
@ dottore
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Re: Ach, Malik, der ist eh immer bearish...! |
-->Hallo Dottore
Danke für Dein Interesse über Selbstverständlichkeiten zu referieren... [img][/img]
Kann ich Dich über Mail erreichen oder via Elli?
Gruss Chiron
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dottore
27.08.2003, 17:45
@ chiron
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Re: Bitte via Elli (ist ja bald wieder da) (owT) |
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chiron
27.08.2003, 17:50
@ dottore
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Mach ich gerne, Danke! (owT) |
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