--><font size="4">Streit um die Mindestrendite </font>
Schweizer Regierung will Garantiezins bei Pensionsfonds absenken
Bern - Die Schweizer Regierung dürfte es schwer haben, die geplante Herabsetzung der Mindestrendite für Pensionsfonds von derzeit 3,25 Prozent auf zwei Prozent durchzusetzen. Kritik kommt vor allem von den Gewerkschaften, schließlich zeigen die Börsenbarometer inzwischen wieder nach oben."Noch ist alles offen", so Jean-Marc Crevoisier, Sprecher des Innenministeriums."Die Regierung wird natürlich die Erholung der Börsen berücksichtigen."
Mit einem Anlagekapital von rund 360 Mrd. Dollar rangieren die eidgenössischen Pensionsfonds in Europa an dritter Stelle. In der Schweiz ist jeder Arbeitnehmer dazu verpflichtet, den staatlichen Rentenplan durch einen Pensionsfonds zu ergänzen. Derzeit gibt es etwa drei Mio. Pensionssparpläne.
Die aktuelle Mindestrendite von 3,25 Prozent war ein Kompromiss, auf den sich Politiker und Gewerkschaftsvertreter im Jahr 2002 geeinigt haben. Ursprünglich wollte die Regierung eine Mindestrendite von drei Prozent durchsetzen. Jetzt steht möglicherweise erneut ein Kompromiss an, so Beobachter. Sie gehen davon aus, dass man sich für das nächste Jahr auf 2,5 Prozent einigen wird.
Widerstand droht der Regierung, deren Entscheidung im nächsten Monat ansteht, auch von Versicherungen wie Swiss Life und Winterthur. Auf die beiden entfallen rund 50 Prozent der schweizerischen Pensionsfonds. Doch die Verwaltung von Pensionsfonds sei ein Verlustgeschäft, erklären Swiss Life und Winterthur. Würde die Rendite auf zwei Prozent herabgesetzt, stiege der Jahresgewinn um 250 Mio. Franken, so Rob Hartmans, Sprecher von Swiss Life. Bei einer Mindestrendite von 2,5 Prozent käme nur halb soviel hinzu.
Die Pensionsfonds sind die größten Investoren an der Schweizer Börse. Der Swiss-Performance-Index hat seit April 29 Prozent zugelegt. Daher pochen die Gewerkschaften darauf, dass die Regierung die Rallye mitberücksichtigt und die Arbeitnehmer daran teilhaben lässt."Wenn die Regierung ihre Entscheidung allein auf die Kursentwicklung der ersten drei Monate stützt, anstatt auf das erste Halbjahr, dann droht ihr harsche Kritik", warnt Colette Nova, verantwortlich für die Pensionsfondskampagne des schweizerischen Gewerkschaftsverbandes.
Die meisten Pensionsfonds verzeichneten in den letzten drei Jahren Verluste. Die Beratungsgesellschaft Watson Wyatt ermittelte für 2002 im Schnitt einen Wertverlust von zehn Prozent und einen Wertzuwachs von 4,5 Prozent für das erste Halbjahr 2003. Die Schweizer Regierung hat die Neufestsetzung der Mindestrendite auf die Tagesordnung gesetzt nachdem sie feststellen musste, dass die Hälfte der Pensionsfonds 2002 keine ausreichenden Reserven hatte. Ein Jahr zuvor war dies nur bei jedem 16. Fonds der Fall. Bloomberg
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