- Benimmkurse für Schüler: Aller Anstand ist schwer (Spiegel) - Sascha, 21.08.2003, 15:11
- Re: Die Schüler müssen aber auch lernen, wie man sich daneben benimmt - Bob, 21.08.2003, 15:21
- Re: Die Schüler müssen aber auch lernen, wie man sich daneben benimmt - Euklid, 21.08.2003, 15:25
- Re: Benimmkurse für Schüler: Aller Anstand ist schwer (Spiegel) - vladtepes, 21.08.2003, 16:45
- Re: Benimmkurse für Schüler: Aller Anstand ist schwer (Spiegel) - Sascha, 21.08.2003, 17:22
- gerade das Saarland hat Nachholbedarf! - marocki4, 21.08.2003, 17:32
- Re: gerade das Saarland hat Nachholbedarf! - Sascha, 21.08.2003, 20:35
- Re: Die Schüler müssen aber auch lernen, wie man sich daneben benimmt - Bob, 21.08.2003, 15:21
Benimmkurse für Schüler: Aller Anstand ist schwer (Spiegel)
-->BENIMMKURSE FÜR SCHÜLER
<font size=5>Aller Anstand ist schwer</font>
Hände aus den Taschen! Mütze ab! Haltung annehmen! Die Rabauken unter Deutschlands Schülern sollen wieder Disziplin und Ordnung lernen: Schulen im Saarland erteilen ab dem kommenden Schuljahr, bundesweit beispiellos, Benimm-Nachhilfe. Bildungsminister Jürgen Schreier kündigte"das Ende der Unhöflichkeit" an.
<font color="#FF0000">So geht es nicht weiter, muss sich der saarländische Bildungsminister Jürgen Schreier gedacht haben, an Deutschlands Schulen herrscht keine Disziplin</font>. Der CDU-Politiker fordert, dass Schüler <font color="#FF0000">endlich wieder Benehmen lernen sollen</font>.
Deshalb plädiert er für eine <font color="#FF0000">"Rehabilitation der Werte"</font> und wird unter dem Motto"Aller Anstand ist schwer" demnächst die Tugend auf den Stundenplan setzen. Von der Grundschule bis zur sechsten Klasse an weiterführenden Schulen sollen im Unterricht"Benimm-Bausteine" vermittelt werden. Neben Einmaleins und ABC werden die Kleinen dann auch <font color="#FF0000">"Ausreden lassen"</font> und <font color="#FF0000">"Grüßen"</font> üben.
Die neuen Benimm-Regeln sollen ständig und"situativ" in den regulären Unterricht einfließen. Um welche Inhalte es dabei konkret geht, weiß noch keiner so genau. Eine Arbeitsgruppe wird im kommenden Schuljahr ausarbeiten, wie den Schülern wieder Disziplin, Ordnung und Anstand beigebracht werden kann. Den Lümmeln von der letzten Bank wird das Lachen vergehen.
Spätfolgen der bösen Achtundsechziger?
<font color="#FF0000">"Die Zeit, die der Lehrer darauf verwenden muss, dass überhaupt so etwas wie Unterricht stattfinden kann, wird immer größer", zürnt Schreier</font>. Die Schulgemeinschaft habe unter den"Spätfolgen eines Zeitgeistes zu leiden, <font color="#FF0000">der Autorität und Respekt unter Generalverdacht gestellt hat und Tugenden wie Höflichkeit, Ordnung, Pünktlichkeit, Pflichtbewusstsein und Fleiß negativ besetzt hat</font>". Zurück zum"Muff und Mief der fünfziger Jahre" wolle er dennoch nicht, betont der Minister:"Es geht nicht um Manieren mit Diener und Knicks." Viel wichtiger sei ihm die <font color="#FF0000">Vermittlung von"Sozialkompetenz"</font>. Noten soll es für den Benimmunterricht aber nicht geben.
Ein neues Grundverständnis für den Nächsten verspricht sich Jürgen Schreier von seiner Initiative. Die Schüler müssten lernen, so erklärt das Ministerium, <font color="#FF0000">"warum Anstand, gegenseitige Rücksichtnahme und die Achtung des Anderen wichtig für das Zusammenleben sind."</font> Nicht nur für die Schule, sondern für das Leben soll die neue Anständigkeit taugen: Schließlich werde von den Jugendlichen im späteren Berufsleben neben guten Fachkenntnissen erwartet, dass sie"auch die Spielregeln eines zivilisierten Miteinanders beherrschen".
Benimmkurse sind noch in keinem anderen Bundesland eingeführt worden. <font color="#FF0000">Vielleicht könnte dem Saarland schon bald der Stadtstaat Bremen folgen. Von dort hat sich Bildungssenator Willi Lemke bereits mehrfach zu Wort gemeldet und mehr Disziplin an den Schulen gefordert</font>.
Anstandsoffensive im Sommerloch
Lemke hatte das Sommerloch genutzt, um via"Bild-Zeitung" eine"Anstandsoffensive" zu starten und unter anderem die <font color="#FF0000">"Sexbomben an unseren Schulen" kritisiert</font>. Bald darauf machte er sich für die Einführung von Schuluniformen stark und erntete bei anderen Bildungspolitikern teils Applaus, teils heftige Kritik.
An einer Bremer Schule können die neuen Umgangsformen sogar schon in diesem Jahr getestet werden. Die Gesamtschule Flämische Straße führt das Fach UBV ein. Hinter dem rätselhaften Kürzel steckt"Umgang, Benehmen, Verhalten" - der Benimmunterricht. Allerdings ist UBV erst mal nur Sache des Schulleiters Karl Witte, kein anderer Lehrer darf Benimm unterrichten. Das hat einen Grund:"Als Rektor habe ich die natürliche Autorität", sagte Witte der FAZ.
<font color="#FF0000">Autorität ist schließlich die Hauptsache, wenn gutes Benehmen Schule machen soll</font>. Dann klappt's auch wieder mit dem Lernen, glauben die Tugend-Freunde.
Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,262005,00.html, Spiegel Online, 21.08.2003
[b] Eigener Kommentar: Langsam tut sich endlich was gegen dieses Lotterleben, daß viele Jugendliche heute führen. Denn es kann irgendwo wirklich nicht angehen, daß die jungen Menschen heute alles machen können (Café, Kino, Disco, Urlaub, usw.) und vieles immer gleich besitzen wollen und auch gekauft bekommen (riesen Zimmer, eigener Fernseher+DVD-Player, Handy, Autoführerschein, Auto, usw.) und gleichzeitig in ihren Leistungen immer mehr abrutschen (siehe u.a. PISA oder auch mein persönlicher Eindruck) oder immer so tun als seien sie überfordert.
Das mit dem"überfordert sein" ist sowieso das allerlächerlichste was ich oft schon gehört habe. Da wundern sich teilweise die Eltern, daß das Gymnasium ach sooooooo schwer sei und die Lehrer viel zu viel fordern. Doch was ist die Realität? Der Stoff ist auch nicht schwerer wie damals! Wir sind abgerutscht!
Viele hocken am Wochenende an drei Tagen abends weg von Freitags bis Sonntags nach dem Motto"Erst das Vergnügen dann die Arbeit", unter der Woche gehen sie shoppen oder sind auch fast dauernd irgendwo unterwegs zu ihrem Vergnügen oder manche arbeiten nebenher weil sie sich unbedingt das und dies kaufen müssen (weil man ja alles braucht heute) und dann behaupten genau die gleichen, daß die Schule so schwer sei. Die Schule ist m.E. oft nur so schwer weil viele gar nicht kapieren, daß es so eben nicht gehen kann. Viele könnten mehr tun und dann würde es auch eher klappen. Man kann mit Einsatz und Engagement auch nicht alles schaffen aber MEHR. Und viele behaupten heute ja schon die Schule sei soooo schwer wenn sie unter der Woche gerade mal vier bis fünf Stunden FREIWILLIG was dafür tun. Wenn man aber vier bis fünf Stunden freiwillig was für die Schule tut und die sechs- oder siebenfache Anzahl der Stunden für geringfügige Beschäftigung, Freizeit und Ausgehen sowie Fernsehen verwendet dann liegt es eben nicht daran, daß die Schule zu schwer ist.
Außerdem gehen heute meines Wissens prozentual mehr Kinder aufs Gymnasium als damals. Trotzdem glaubt komischerweise immer jeder nur weil sein Kind scheitert es läge an der Schule. Wenn also jeder sein Kind auf's Gymnasium schickt dann ist immer das Gymnasium zu schwer, nicht das Kind zu faul...

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