- Jetzt ist es amtlich: Deutschland in der Rezession - Sascha, 21.08.2003, 20:48
- ...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - Bob, 21.08.2003, 21:39
- Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - zucchero, 21.08.2003, 22:04
- Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - Bob, 21.08.2003, 22:35
- Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - zucchero, 21.08.2003, 23:06
- Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - Bob, 22.08.2003, 09:11
- Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - zucchero, 22.08.2003, 10:23
- Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - Bob, 22.08.2003, 10:32
- Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - zucchero, 22.08.2003, 10:43
- Re: zucchero, hier nähere Erläuterungen zur dynamischen Wirtschaftstheorie - Bob, 22.08.2003, 13:08
- danke für die mühe - zucchero, 22.08.2003, 14:39
- Re: zucchero, hier nähere Erläuterungen zur dynamischen Wirtschaftstheorie - Bob, 22.08.2003, 13:08
- Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - zucchero, 22.08.2003, 10:43
- Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - Bob, 22.08.2003, 10:32
- Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - zucchero, 22.08.2003, 10:23
- Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - Bob, 22.08.2003, 09:11
- Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - Euklid, 21.08.2003, 23:20
- Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - zucchero, 21.08.2003, 23:06
- Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - Bob, 21.08.2003, 22:35
- Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - zucchero, 21.08.2003, 22:04
- ...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum... - Bob, 21.08.2003, 21:39
Re:...bleibe der Außenhandel aber die tragende Säule für Wirtschaftswachstum...
-->>Es entsehen mehr Kosten - das stimmt. Aber Zinskosten für Zahlungsziele und Versicherungsprämien gibt es auch, wenn im Euro-Raum Handel über Staatsgrenzen hinweg stattfindet. Im Endeffekt kommt es nur darauf an, dass wir für unsere Exporte eine Währung erhalten, mit der man Waren beschaffen kann, die im Inland nachgefragt werden.
>Wie war das in England?
>>>Kannst Du bitte anreissen was Du meinst. Warum ist z.B. Aussenhandel kapitalintensiv?
>>>>daß der Außenhandel viel größeren Kredit beansprucht als der Binnenhandel, das sagt natürlich niemand.
>>>>Ich sag nur eins: studiert die Geschichte der Wirtschaft Großbritanniens im letzten Drittel des 19ten Jahrhunderts und ihr werdet sofort geheilt werden von Eurer Verliebtheit zum Außenhandel.
>>>>bob
>>Wechselkursschwankungen, die versichert werden müssen, die langen Transportwege, für deren Dauer die Waren finanziert werden müssen,
>>politische Risiken, Rechtsunsicherheiten aller Art etcetcetc.
>>bob
England im letzten Drittel des 19ten Jahrhunderts (aus dem Brockhaus)
"Die wirtschaftliche Entwicklung Großbritanniens zeichnete sich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts durch nachlassende Konkurrenzfähigkeit aus. Damit wurden die Grundlagen britischer Macht langsam ausgehöhlt. Die Einfuhr stieg 1854-72 von 133 auf 197 Mio. Pfund, die Ausfuhr von 97 auf 256 Mio. Pfund. Haupteinfuhrgüter waren Rohbaumwolle aus den USA und Weizen. Die Landwirtschaft ging überwiegend zur Veredelungswirtschaft durch Viehhaltung über, 1870 waren schon 43% des kultivierten Bodens Grasland. In der Förderung von Steinkohle und der Erzeugung von Eisen stand Großbritannien zwar noch an erster Stelle der Erde, einen nachhaltigen Rückschlag aber brachte die Gründerkrise von 1873 [das Analogon des gerade vergangenen Börsenkraches]. Nun machte sich das Aufkommen von anderen Industrienationen bemerkbar. Der britische Anteil an der Weltfabrikerzeugung betrug 1870 noch 32%, 1881-85 noch 26,6%. In Außenhandel, der Größe der Handelsmarine und Auslandskapital behauptete es aber die Führung. Der Höhepunkt der jährlichen Kapitalausfuhr wurde in den 1880er Jahren erreicht. Die Handelsflotte wuchs bis 1900 auf über 8 mio BRT.
Seit 1896 war Großbritannien das einzige Land, das am Freihandel ohne Schutzzölle festhielt. Zur selben Zeit erreichte es freilich die Wende seiner Wirtschaftsmacht. Die Gesamterzeugung nahm noch zu, die Löhne erreichten 1900 eine reale Spitze, doch die Zuwachsrate und die Pro-Kopf-Erzeugung sanken, das Pro-Kopf-Einkommen wuchs nur noch langsam. Diese Stockung machte sich vor allem in der Baumwoll- und Eisenindustrie [!] geltend. Der Anteil an der Weltfabrikerzeugung fiel 1896-1900 auf 19,5%, 1906-10 auf 14,7%. Bes. in den neuen Industrien (Chemie, Elektroindustrie), die eine weitere Phase der Industrialisierung anzeigten, war Großbritannien gegenüber der Konkurrenz aus Dtl. und den USA unterlegen."
Die englische Wirtschaft zeigt ganz typische Zeichen, wie wir sie auch heute in Deutschland finden.
Eine starke dominierende Exportindustrie, die bei der Politik einen Stein im Brett hat (mit ideologisch betriebenem Freihandel). Gleichzeitiges Aufkommen ausländischer Billigkonkurrenz von aufstrebenden Nationen.
Das Argument lautet dann: Wenn wir unsere heimische Produktion durch Zölle schützen, so werden die anderen Länder anfangen auch ihre Produktion durch Zölle zu schützen. Das würde uns hart treffen, da wir ja bekanntlich vom Außenhandel sehr stark abhängig sind. (Das nach rückwärts gewandte Argument).
Deshalb ist die Politik und die öffentliche Meinung gerne geneigt, die Freihandelslehre weiterzuverfolgen. Es hängt einfach zu viel davon ab.
Was das Beispiel Großbritanniens aber zeigt, ist, daß eine solche Politik die langfristige Leistungsfähigkeit einer Wirtschaft stark beschädigt. Das krampfhafte Festhalten an Wettbewerbspositionen, die in der Vergangenheit errungen wurden, muß zwangsläufig zum Desaster führen.
Diese Rolle spielt im Deutschland von heute die Automobilindustrie.
Auch was die Entwicklung neuer Industrien angeht, sollte das englische Beispiel abschreckend wirken. Kannst Du aus dem Eff-Eff eine englische Elektro- oder Chemiefirma von irgendeiner Bedeutung benennen? Für Deutschland und USA ganz einfach: GE, Siemens, Bayer, BASF, DOW, DuPont. Das sind alles Weltfirmen, die in jener Zeit entstanden sind. In England gibt es nichts Vergleichbares. Darunter leidet die englische Wirtschaft bis heute.
Die Ähnlichkeiten zwischen Deutschland heute und Großbritannien im letzten Drittel des 19ten Jahrhunderts sind einfach zu augenfällig, um übergangen zu werden.
bob

gesamter Thread: