- Kündigung: Wenn das Arbeitsverhältnis im Streit endet + Kommentar - Sascha, 23.08.2003, 11:03
- + Kommentar - Dieter, 23.08.2003, 11:35
- Berichtigung - Dieter, 23.08.2003, 11:38
- Re: + Kommentar - Euklid, 23.08.2003, 11:48
- Re: + Kommentar - fridolin, 23.08.2003, 13:56
- Re: + Kommentar - Euklid, 23.08.2003, 14:09
- Re: + Kommentar - fridolin, 23.08.2003, 13:56
- Re: + Kommentar - Sascha, 23.08.2003, 12:07
- Re: + Kommentar - fridolin, 23.08.2003, 14:09
- Re: + Kommentar - Euklid, 23.08.2003, 14:13
- Lebensphilosophie - Dieter, 23.08.2003, 18:28
- Re: + Kommentar - fridolin, 23.08.2003, 14:09
- + Kommentar - Dieter, 23.08.2003, 11:35
Re: + Kommentar
--> Ach Dieter,
das ist eine Frage der Anschauung und/oder der Lebensphilosophie. Was heißt für dich bequemes Leben? Wenn jemand nicht jeden Job annimmt ist es dann eher Faulheit oder Bequemlichkeit? Und wo ist die Grenze? Die Menschen machen doch schon seit Jahren diesen Abschwung mit. Die Menschen sind doch schon bereit immer geringere Löhne in Kauf zu nehmen obwohl sie sich immer mehr engagieren, immer flexibler sein sollen und immer mehr leisten sollen und gleichzeitig immer jünger und gebildeter sein sollen.
Für mich heißt Leben nicht nur Spaß und Bequemlichkeit. Nein das nicht. Ich will auch was erreichen in meinem Leben. Etwas leisten. Nicht umsonst habe ich dafür mein Abi gemacht und studiert und bin nun - kurz bevor ich 23 bin - damit fertig.
Aber letztendlich lautet zumindest meine Devise: Man lebt nicht um zu arbeiten sondern ARBEITET um zu LEBEN. Das ist letztendlich dann doch das was IM LEBEN zählt. Die Ansicht ist m.E. legitim. Für was lebt man sonst? Nur scheint sich dieses Verhältnis zu verschlechtern. Man muß immer mehr arbeiten um zu leben oder: Das Arbeiten wird mehr, das Leben wird weniger. Das kann nicht gut sein. Niemals! Niemand kann dies behaupten. Für die Mehrzahl der Menschen trifft dies aber immer häufiger zu. Viele wehren sich dagegen. Es ist nicht immer Faulheit oder Bequemlichkeit. Es ist auch Frust, Verärgerung, Perspektivlosigkeit u.v.m. dabei. Letztendlich sind wir auch nur alle Menschen.
Bequem ist die eine Seite, Faulheit die andere. Ich bin der Meinung, daß man da strikt differenzieren muß.
Es kann wirklich kein Fortschritt sein wenn wir in unserer Arbeitswelt einen Trend haben der zu immer höheren Anforderungen führt (Stichwort: 80/20-Gesellschaft, usw.) bei dem viele Menschen schlicht und einfach nicht mithalten können. Die Globalisierung existiert, der Druck zu Rationalisierung auch genauso wie der Druck auf die schwachen Leistungswilligen.
Ich kenne mehrere Beispiele aus meiner Umgebung. Das sind junge Leute und auch Leute Mitte 30. Die haben alle ordentlich gearbeitet und wurden arbeitslos. Sie haben viel versucht. Sie waren nicht faul. Auch nicht bequem. Ganz im Gegenteil. Einige waren bereit alles aufzugeben und in eine andere Region zu gehen, andere wiederum waren bereit auf bis zu einem Drittel ihres Gehaltes zu verzichten oder auch schlechtere Arbeit zu machen als diejenige die ihrer Qualifaiktion am ehesten entsprach. Trotzdem haben viele keine Arbeit gefunden. Sind diese Leute dann nun bequem oder faul wenn sie dann nach einem halben Jahr (oder länger) erfolgloser Suche einen wirklich schlechten Job angeboten bekommen bei dem ihnen sogar nur noch 50 bis 60% des ehemaligen Gehalts bezahlt wird und die Arbeitsbedingungen übelster Sorte sind?
Der ein oder andere würde sagen: Ja die müssen den Job nehmen. Die sollen doch froh sein das sie dann wieder arbeiten können.
Der andere sagt aber: Nein, irgendwo muß es Grenzen geben. Wir sind Menschen. Alles kann man mit uns auch nicht machen und irgendwo hört es auf. Und die Haltung finde ich berechtigt.
Das Arbeitnehmer nicht immer ihren Traumjob mit Traumgehalt haben können ist klar. Doch das Problem welches wir mittlerweile haben ist, daß laut"Jeder legale Job ist zumutbar" immer mehr Arbeitnehmer Jobs machen müssen die ihren Qualifikationen überhaupt nicht mehr entsprechen. Die Anforderungen in Sachen Flexibilität, Mobilität und Bildung steigen an während gleichzeitig der Lohn nicht steigt oder sogar sinkt. Ist das Fortschritt?
Wenn es mittlerweile bald fünf Millionen Arbeitslosen so geht und es immer mehr werden dann ist das kein Fortschritt mehr. Für Millionen von Menschen und den dazugehörenden Haushaltsmitglieder ist es ein Rückschritt.
Viele Grüße
Sascha

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