- M.Schramm:Sicherheitsfanatische Gold-Investoren müssten einen Teil umschichten - kizkalesi, 25.08.2003, 08:16
M.Schramm:Sicherheitsfanatische Gold-Investoren müssten einen Teil umschichten
--><font size="5">Die Börsianer verschlafen die Zeitenwende am Rohstoffmarkt</font>
von Michael Schramm
Innerhalb einer auf Werterhalt und Wertsteigerung ausgerichteten Vermögensstruktur hatten Rohstoffe lange Zeit nichts zu suchen. Über Jahrzehnte kannten die Preise nur einen Weg, und der führte nach unten.
Der bekannteste und in der Investmentwelt am stärksten beachtete Sammelindex für Industrie- und Agrarrohstoffe, aber auch Edelmetalle und Ã-l - der CRB-Index - erreichte seinen historischen Höchststand 1979 im Zuge der zweiten Ã-lkrise. Danach sanken die Inflationsraten weltweit bis auf ein Niveau, das die Deflationsdebatte der jüngsten Vergangenheit auslöste. Der Goldpreis verfiel, der Rohstoff der großen Industrieländer bestand zunehmend in Halbleitern. Doch trotz der ausgeprägten Wachstumsschwäche in Japan, Europa und zeitweise den USA fand der historisch beispiellose Werteverfall der traditionellen Grundstoffe zwischen Oktober 1999 und Februar 2000 sein Ende. Also just auf dem Höhepunkt der Aktienmarktblase. Seit dem hat der CRB-Index um 34 Prozent zugelegt.
Die USA und große Teile Europas haben einen Schwenk in der Haushaltspolitik hin zu einer massiven Neuverschuldung vollzogen. Gleichzeitig haben die Notenbanken die Geldschleusen weit geöffnet und die Weltwirtschaft mit zusätzlichem Geld überflutet. Beides entspricht einer Politik zurück zur Inflation und dürfte zur Quelle breit angelegter Preissteigerungen und einer synchron verlaufenden Dollarentwertung werden.
Entscheidend für die Nachhaltigkeit höherer Rohstoffnotierungen sind jedoch die Entwicklungen in China. Die ungeheure Wachstumsdynamik dieser inzwischen siebtgrößten Volkswirtschaft mit seinen 1,4 Milliarden Menschen bestimmt mehr und mehr den Trend auf den Rohstoffmärkten der Welt. Noch 1999 verbrauchte das Land nur halb so viel Aluminium und Kupfer wie die USA. Bereits in diesem Jahr werden sie die Vereinigten Staaten überholen. Die Zuwachsraten sind enorm. So stiegen im bisherigen Jahresverlauf Chinas Stahlimporte um 80 Prozent auf 30 Mio. Tonnen. Zwar verfügt das Land über große eigene Rohstoffvorräte - es produziert jedoch nur bei Zink und Bauxit mehr, als es verbraucht. Besonders krass sind die Lücken zwischen Eigenproduktion und Verbrauch bei Aluminium, Kupfer und Edelstahl. Beispielsweise beträgt Chinas Anteil an der Welt-Kupfer-Produktion 3,7 Prozent, während der Verbrauch eine Quote von 14,5 Prozent erreicht.
Und diese Trends dürften sich in Zukunft eher noch beschleunigen. Denn im Vorfeld der Olympiade 2008 wird China weiter massiv in den Ausbau der Industrie und der Infrastruktur investieren. Hinzu kommt, dass die Industrieproduktion in den aufstrebenden asiatischen Volkswirtschaften generell wesentlich rohstoffintensiver verläuft, als in den G7-Staaten.
An den Börsen sind diese Entwicklungen bisher weitestgehend unbeachtet geblieben. Nur so ist zu erklären, dass alle börsennotierten Minengesellschaften der Welt derzeit zusammen genommen niedriger bewertet werden, als der führende Netzwerkausrüster Cisco Systems. Es bedarf nur eines geringen Stimmungsumschwungs innerhalb der auf [b]Werterhalt bedachten Anlegerkreise, um hier möglicherweise dramatische Kurssteigerungen auszulösen. Selbst sicherheitsfanatische Gold-Investoren sollten überlegen, ob sie nicht einen Teil ihres"Krisen-Investments" in wirtschaftlich unverzichtbarere Rohstoffe anlegen.

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