- Bärenmarkt Rentenmarkt: Eigentlich war es immer so - kizkalesi, 26.08.2003, 08:27
Bärenmarkt Rentenmarkt: Eigentlich war es immer so
--><font size="5">Bären dominieren am Rentenmarkt </font>
Chancen auf Kurserholung schrumpfen -
Börsen-Historie ermutigt die Pessimisten
von Beatrix Wirth
Berlin - Die Frage, ob sich Geschichte wiederholt oder nicht, hat schon viele Gelehrte beschäftigt. Auch an den Finanzmärkten wird das Thema regelmäßig akut: Gerade an Wendepunkten versuchen Strategen, aus zurückliegenden Kursentwicklungen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Aktuelles Studienobjekt ist der Rentenmarkt. Ist nun der rasante und kräftige Renditeanstieg seit Mitte Juni eine Übertreibung und daher eine Kaufgelegenheit - oder ist aus den Staatspapieren auf lange Sicht die Kursfantasie entwichen?
Peter Müller von Commerzbank Securities zieht für seine Analyse Parallelen zu Anfang der neunziger Jahre."Der jüngste Anstieg der Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen ist vergleichbar mit der Entwicklung nach dem Einsetzen des Zinserhöhungsprozesses durch die US-Notenbank im Februar 1994", stellt er fest. Mit der damaligen Konjunkturbelebung seien die Zinsen schnell gestiegen. Träfe dieser Vergleich zu, wären die Kursverluste seit Juni also erst der Anfang schmerzhafter Einschnitte. Doch liefert die Geschichte auch eine andere, positivere Vorlage.
"1992/93 könnte man ebenfalls als Modell heranziehen", sagt Müller. Nach der letzten rezessionsbedingten Zinssenkung der Fed im September 1992 hätten die Renditen ebenfalls deutlich angezogen. Dann jedoch wären sie im"langen, schlappen Aufschwung", der durch eine andauernde Phase niedriger Geldmarktzinsen flankiert worden sei, wieder gefallen.
"Der historische Vergleich liefert Bären wie Bullen am Rentenmarkt das passende Szenario", resümiert Müller. Doch räumt er dem bearishen Ausblick die höhere Wahrscheinlichkeit ein."Ich gehe davon aus, dass die US-Konjunktur deutlich an Fahrt aufnimmt und sich damit auch das Bild in Europa aufhellt", sagt er. Daher stünde den Rentenmärkten dies- und jenseits des Atlantiks ein"steiniger Weg" bevor. Auch will Müller nicht ausschließen, dass die US-Notenbank bereits im Dezember die Zinsen wieder erhöhen könnte."Dann würden die Renditen der zehnjährigen US-Treasuries wohl schnell von derzeit 4,45 auf fünf bis fünfeinhalb Prozent hochschnellen und die Verluste noch heftiger ausfallen als 1994."
Zwar tragen die Prognosen anderer Strategen weniger dramatische Züge. Doch folgen auch sie mehrheitlich dem Bären-Szenario - mit explizitem Verweis auf die Historie. Erfahrungsgemäß reagierten die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen stark auf veränderte Leitzinserwartungen, führt Carsten Klude von M.M. Warburg an. Daher sei es kein Wunder, dass die Spekulationen des Geldmarktes auf eine nahende Zinswende in den USA wie Europa zu einem Kursverfall bei Anleihen geführt hätten. Dieser wird laut Klude Bestand haben:"Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich eine solche Wende in der Erwartungshaltung kurzfristig nicht wieder umkehrt, selbst wenn sie verfrüht erscheint." Richard Zellmann von Helaba Trust wiederum erkennt in der Kursentwicklung am Euro-Rentenmarkt ein nahezu exaktes Pendant zur Situation von 1998/99.
"Charttechnisch betrachtet bildete sich damals eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation aus, die typischerweise eine Trendwende einläutet", so Zellmann."Heute fehlt zum Abschluss dieser Umkehrformation nur noch die zweite Schulter, also eine kurzfristige Kurserholung, die in eine lange, schlechte Phase für den Rentenmarkt überleiten würde." Entsprechend räumt Zellmann den Anleihen bis zum Jahresende zumindest noch eine Erholungschance ein. Sie könnte die zehnjährigen Bund-Renditen erneut"deutlich unter vier Prozent" drücken, bevor sich die Perspektiven - auch im Einklang mit besseren Fundamentaldaten - nachhaltig eintrüben.
Die Empfehlungen der Experten angesichts dieses Ausblicks sind eindeutig: Sie raten zu großer Vorsicht. Die Laufzeiten sollten kurz gehalten werden - am besten zwischen zwei und vier Jahren.
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