- Debakel für US-Diplomatie - stocksorcerer, 26.08.2003, 09:14
Debakel für US-Diplomatie
-->SPIEGEL ONLINE - 26. August 2003, 6:39
URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,262901,00.html
Irak-Resolution
Debakel für US-Diplomatie
Die blutigen Anschläge im Irak setzen die USA zunehmend unter Druck. Doch das Bestreben, mehr Länder für die Entsendung von Soldaten zu gewinnen, stößt im Uno-Sicherheitsrat auf wenig Unterstützung. US-Regierungsmitglieder zeigen sich skeptisch, ob sie überhaupt noch eine entsprechende Resolution anstreben sollten.
New York - Der Wunsch war schon etwas eigenartig: Mehr Hilfe durch die internationale Staatengemeinschaft, ja bitte. Aber mehr Mitsprache beim Aufbau im Irak, nein Danke. Kaum verwunderlich, dass sich die Begeisterung außerhalb Washingtons, den Amerikanern bei der Eindämmung des Chaos im Irak zu helfen, in Grenzen hielt.
Das hat nun die US-Regierung zu einem diplomatischen Schwenk veranlasst. Statt auf Hilfe zu setzen, beginnt sich die Administration darauf einzustimmen, die Lage mit zusätzlichen US-Soldaten allein unter Kontrolle zu bekommen. Der stellvertretende US-Außenminister Richard Armitage sagte, es sei fraglich, ob Washington weiter eine entsprechende Resolution verfolgen werde. Nach einem Treffen mit dem aserbaidschanischen Ministerpräsidenten Ilham Alijew in Washington sagte er, die Entscheidung darüber sei noch nicht gefallen.
Dabei haben die USA mit Nachdruck angestrebt, die internationale Staatengemeinschaft stärker in die Irak-Aktivitäten einzubinden. Außenminister Colin Powell hatte vergangene Woche nach dem Anschlag auf das Bagdader Uno-Hauptquartier eigens seinen Urlaub unterbrochen, um in New York für zusätzliche Truppen aus weiteren Ländern für den Irak-Einsatz zu werben. Der amerikanische Uno-Botschafter John Negroponte hatte zudem erklärt, Washington wünsche mehr finanzielle Unterstützung für die Besetzung Iraks, um die Sicherheitslage zu verbessern.
Aus US-Regierungskreisen verlautete jetzt, die Reaktionen der Sicherheitsratsmitglieder auf die US-Vorschläge seien nicht ermutigend gewesen. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat sich bereits darauf verlegt, die eigene Kapazität zu betonen. Seine Streitkräfte würden angesichts fast täglicher Anschläge auf US-Truppen und andere ausländische Einrichtungen im Irak mit genügend Soldaten ausgestattet, um mit Guerilla-Angriffen fertig zu werden.
Den Widerstand im Irak verglich Rumsfeld auf einer Veteranen-Veranstaltung im texanischen San Antonio mit Nazi-Banden, die auch nach der deutschen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg noch weiter gekämpft hätten."Die Koalitions-Streitkräfte können sich jetzt mit den Terroristen im Irak befassen anstatt anderswo einschließlich den USA", sagte er.
Sollte der Befehlshaber im Irak, General John Abizaid, weitere Kräfte anfordern, werde er genug Soldaten bekommen. Bisher habe er dies jedoch nicht getan. Derzeit sind im Irak 150.000 US-Soldaten und 20.000 Soldaten aus Großbritannien und einigen anderen Ländern stationiert.
Uno-Generalsekretär Kofi Annan hatte vergangenen Freitag eine neue Uno-Resolution nicht ausgeschlossen,"mit der die Operation in eine multinationale Truppe mit Uno-Mandat" umgewandelt werde, an der sich dann weitere Länder beteiligen. Dies würde aber nicht nur"Lastenteilung bedeuten, sondern auch das Teilen von Entscheidungsbefugnis und Verantwortung mit anderen". Powell stellte klar, dass sich die USA die Entscheidungsbefugnisse in Irak vorbehalten würden.
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Das wäre doch ganz in meinem Sinne. Sollen die Amerikaner sich da weiter die blutigen Nasen holen. Desto schneller kippt George W: Bush (hoffentlich) in den Augen seiner Wähler...
Ich bin außerdem gespannt, was geschieht, wenn die erste"willige" Nation ihre Soldaten aus dem Irak zurückruft.
winkääää
stocksorcerer

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