- OT Fundstück: da ist was Wahres dran - Trixx, 27.08.2003, 09:58
- Re: Ja, so war es - Theo Stuss, 27.08.2003, 10:54
- Re: GRINS, so bin ich auch gross geworden - Silver_Bullet, 27.08.2003, 11:01
- Apropos Seifenkiste... ;-) - Zardoz, 27.08.2003, 11:31
Re: Ja, so war es
-->Bei meiner Oma setzten wir uns in die leeren Mülltonnen und rollten die Strasse hinunter. Im Neubaugebiet konnte man nach Feierabend prima Versteck spielen, wenn die Bauarbeiter weg waren. Ich bin die Kräne hinaufgeklettert.
Wir haben im Wald Feuer gemacht und Kartoffeln gegrillt, die wir auf dem Feld gefunden hatten. Einmal hatte ich die Knochen eines toten Hundes ausgegraben und gedacht es wäre ein Saurier.
Hockey wurde auf Rollschuhen, mit Krickettschläger und Tennisball gespielt. Wehe, wenn man das Ding in die Fresse bekam!
Ich hatte einen älteren Freund, der war schreinerbesessen und er zimmerte mir ein Arsenal aus Holzflinten. 15 Gewehre hatte ich zur Bewaffnung der Strasse. Spielfeld waren Nachbars Gärten, auch wenn der geschimpft hatte.
In den USA werden siebenjährige heutzutage des Terrorismus angeklagt (kein Witz), wenn sie mit einer Knarre aus Pappmachée in der Schule bumm, bumm machen.
Mit Zwille zielten wir auf die Hoden der Stiere, die auf den Wiesen der Bauern weideten, gleich um die Ecke. Meinen Hund sperrte ich Hühnerstall des Nachbarn ein.
Viele Haustüren hatten noch Türklinken und waren nicht abgeschlossen. Da konnte man leicht die Türen öffnen und die Schubkarre ausleeren. Durch Briefkastenschlitze schmiss ich Hundescheisse.
Klingelmännchen zu spielen war ein gängiges Vergnügen. Telefonstreiche im Ortsbereich konnte man zu 20 Pfennig ausführen, ohne den Geldbeutel der Eltern zu belasten.
Wenn wir auf das Dach des Nachbarn geklettert waren, gab es Dresche. Einmal hatte ich den Hintern blutig. Frösche haben wir grossgezogen und ausgesetzt. Nachdem wir uns müde gespielt hatten, gingen wir nach dem Sandmännchen ins Bett.
Als ich 13 war, fing ich an zu basteln. Als ich lernte, wie man Chlor herstellt, hätte ich mich beinahe vergiftet. Die Stopfen flogen heraus und ich entsorgte die Anlage durch Küchenfenster.
Ich bastelte mir einen Kurschluss-Stecker und steckte ihn dem Nachbarn in die Steckdose seiner Garage. Zappenduster war's!
Im Gymnasium kamen dann viele meiner Kameraden in Kontakt mit linken Ideen. In der Pubertät war alle Lebensfreude dahin. Mit 14 gingen sie auf die Demo, lungerten in Jugendzentren herum, wo Frau Pastor ihnen Haschischrauchen beibrachte. An den politischen Gegensätzen zerbrachen die alten Freundschaften und man hatte Freunde und Feinde je nach politischer Einstellung.
Ja, jetzt lichteten sich die Reihen. Unsere Kindheit hatten wir überlebt, aber einer starb mit 16 an Drogen. Ein Mädchen tötete sich aus Liebeskummer. Einer lief beim Squash gegen die Wand und starb. Mit dem Tennisstar Michael Westphal ging ich zur Schule. Er starb an Aids. Seine Freundin angelte sich Michael Stich. Einer fiel beim Fensterln von der Leiter. Ein Kindheitskamerad folgte an die TH nach Aachen. Eine Kriebelmücke verursachte einen allergischen Schock und er starb im Institutseingang.

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