- @ Sascha:Trendwende: Studieren ist wieder"in" (überrascht mich nicht) - kizkalesi, 28.08.2003, 22:15
- Hochschulabsolventen 2002: Weniger Physiker, Chemiker und Ingenieure - Sascha, 29.08.2003, 01:06
- Die Studienfreudigkeit steigt wieder (Massenarbeitslosigkeit, Lehrstellenmangel) - Sascha, 29.08.2003, 01:10
@ Sascha:Trendwende: Studieren ist wieder"in" (überrascht mich nicht)
--><font size="5">Trendwende: Studieren ist wieder"in" (...und vor allem"Bundestagsabgeordneter" - ähhh Lehrer) </font>
In Zeiten lahmender Konjunktur und hohen Arbeitslosenzahlen entscheiden sich deutsche Schulabgänger wieder verstärkt für ein Hochschulstudium - Besonders die Lehrämter erfreuen sich großer Beliebtheit - Das sind die Ergebnisse einer neuen Untersuchung.
von Joachim Peter
Die Hochschule in Deutschland erlebt eine Renaissance. Eine neue Studie belegt, dass sich wieder mehr Studienberechtigte nach dem Schulabschluss für ein Studium an einer Universität oder einer Fachhochschule entscheiden. Die Berufsausbildung verliert hingegen an Attraktivität. Eine überraschende Entwicklung, denn in den neunziger Jahren gingen die Studierendenzahlen dramatisch zurück. Den Aufschwung hat die triste Situation auf dem Arbeitsmarkt begünstigt, sagen Wissenschaftler. Was aber sind die aktuellsten Trends und Entwicklungen bei der Fächerwahl?
Etwa 12 000 Studienberechtigte des Jahrgangs 2002 wurden von den Wissenschaftlern des Hochschul-Informations-Systems (HIS) in Hannover nach ihren Studienwünschen und Ausbildungszielen befragt - ungefähr ein halbes Jahr nach deren Schulabgang. Die repräsentative Umfrage fand schließlich Eingang in eine umfangreiche Untersuchungsreihe, die HIS seit 1976 durchführt. Gefördert wurde das in der Sozialwissenschaft einzigartige Projekt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin.
Studieren ist wieder"in", konstatieren die HIS-Wissenschaftler. 35 Prozent des Schulabgängerjahrgangs 2002 waren im Wintersemester 2002/03 bereits an einer Hochschule eingeschrieben. Weitere 34 Prozent äußerten die Absicht, in der Folgezeit noch ein Studium aufnehmen zu wollen. Demnach lag die so genannte Brutto-Studierquote des Jahrgangs 2002 bei 69 Prozent. HIS spricht von einer Trendwende, denn seit den neunziger Jahren nahm die Brutto-Studierquote ab. 1990 betrug sie noch 76 Prozent, 1999 erreichte sie einen Tiefstand von 65 Prozent.
Die Erhebung ergab auch, dass sich vor allem wieder mehr Studienberechtigte mit Fachhochschulreife für ein Studium entscheiden. Deutlicher stieg allerdings die Zahl der Universitätsstudenten. Differenziert man die Studierquote nach Ost und West, so stellt sich heraus, dass sie für den Jahrgang 2002 in den alten Ländern (70 Prozent) höher ist als in den neuen Bundesländern (65 Prozent).
Was aber sind die am häufigsten gewählten Studienrichtungen?
Die Studienberechtigten 2002 entschieden sich zumeist für ein wirtschaftwissenschaftliches Studienfach (9 Prozent). Mit geringem Abstand folgen die Lehramtsstudiengänge (8 Prozent) und danach Maschinenbau (6 Prozent). Vergleichsweise häufig werden die Studienrichtungen Kultur- und Sprachwissenschaften, Mathematik/Informatik und Sozialwissenschaften gewählt (jeweils 5 Prozent).
Gravierende Veränderung zum Erhebungsjahr 1999 gibt es allerdings nicht. Trotzdem haben die HIS-Wissenschaftler einige seit den neunziger Jahren einsetzende Entwicklungen ausgemacht. So hält beispielsweise die rückläufige Wahl von Architektur/Bauwesen an - parallel zu anhaltend ungünstigen konjunkturellen Lage im Bausektor. Gestoppt ist die rückläufige Entwicklung dagegen in den ingenieurwissenschaftlichen Kerndisziplinen Elektrotechnik und Maschinenbau. Eine Trendumkehr ist jedoch noch nicht erkennbar.
Physik/Geowissenschaften und Biologie/Chemie/Pharmazie weisen stabile Wahlanteile auf. Die Kultur- und Sprachwissenschaften sowie Sozialwissenschaften sind durch einen unverkennbaren Aufwärtstrend gekennzeichnet. Die wirtschaftswissenschaftlichen Studienfächer weisen hingegen im Jahresvergleich tendenziell sinkende Wahlanteile auf, während die Rechtswissenschaften offenbar die Talsohle der rückläufigen Entwicklung überwunden haben. Bei den Lehramtsstudiengängen lässt sich von einer deutlichen Trendwende sprechen. Von den Studienberechtigten 2002 entschlossen sich acht Prozent ein halbes Jahr nach dem Schulabgang für einen Lehramtsstudiengang. 1990 waren es noch neun Prozent, 1999 gerade einmal fünf Prozent
Auffallend ist ferner, dass der neue Bachelor-Abschluss zunehmend Akzeptanz findet, obschon auf sehr kleinem Niveau. Drei Prozent der Studienberechtigten 2002 streben diese Art des Hochschulexamens an, 1999 war es gerade einmal ein Prozent. Für die Hochschulreformer dürfte insbesondere Besorgnis erregend sein, dass für mehr als ein Viertel dieses Jahrgangs der Bachelor völlig unbekannt ist.
Den Magister-Grad, der in Deutschland nicht selten als Abschluss für künftige Arbeitslose tituliert wird, favorisieren fünf Prozent der Studienberechtigten. An der Spitze der angestrebten Hochschulprüfungen stehen Fachhochschul- beziehungsweise Universitätsdiplome. Jeweils 21 Prozent haben sich für einen solchen Abschluss entschieden. Weitere sieben Prozent wollen ihr Studium mit dem Staatsexamen (ohne Lehrämter) beschließen.
Immer weniger Schulabgänger entscheiden sich für eine Kombination aus Studium und Berufsausbildung (Doppelqualifizierung). Während Anfang der neunziger Jahre noch etwa jeder Zehnte sowohl eine nachschulische Berufsausbildung als auch ein Studium absolvieren wollte, ist es 2002 nur noch ein Prozent. Mehr als jeder Zweite der Studienberechtigten (55 Prozent) setzt bei der beruflichen Ausbildung ausschließlich auf das Studium. Weitere 13 Prozent wollen ebenfalls nur einen Hochschulabschluss erwerben, sie verfügen jedoch bereits über eine Berufsausbildung.
Bleibt der Blick auf die Brutto-Berufsausbildungsquote. Lag diese in den neunziger Jahren relativ konstant bei knapp über 30 Prozent, sank sie 2002 auf 25 Prozent ab. Mit dem Rückgang der Anteile der Doppelqualifizierer ging vor allem auch die Zahl derer, die eine betriebliche Ausbildung anstreben, zurück (von 21 Prozent 1999 auf 15 Prozent). Ursache dafür ist durchaus das Fehlen von Ausbildungsstellen.
Zuwächse verzeichnen dagegen die Berufsfachschulen (5 Prozent). Die Berufsakademien und der Vorbereitungsdienst für die Beamtenausbildung liegen stabil bei drei Prozent. Letzterer hatte in der ersten Hälfte der neunziger Jahre noch einen Anteil von vier bis fünf Prozent. Aber Vater Staat spart bekanntlich an den öffentlichen Verwaltungen.
<font size="5">Aber auch Angst vor der Zeit nach dem Studium</font>
Viele Erstsemester dieses Herbstes schauen pessimistisch in die Zukunft
Plötzlich herrscht Dunkelheit. Gerade noch hatte die mächtige Pforte aus angeschrägten, eigelbfarbenen und leicht wirkenden Steinquadern den Besucher gegrüßt, über ihr kannelierte Säulen, als läge das Portal unter einem Tempel und wiese den Weg in die Unterwelt. Gerade noch hatten die wenigen Meter durch die Eingangshalle der Berliner Humboldt-Universität Schönes und Erhabenes verhießen, da gab ein roter, auf dem Marmor aufgeklebter Pfeil die Richtung vor: in einen schmalen, tristen Seitenflur. Die Unterwelt.
Die Jüngsten in der Alma mater berolinensis, die sich nun zum ersten Studiensemester einschreiben, ducken sich im dunklen Gang, der zu den Immatrikulations-Büros führt. Nackte Wände neigen zur Seite, vom Dreck vergangener Jahre entweißt. Risse durchfurchen wie Narben die Mauer entlang des fensterlosen Flures. Mattes Licht verliert sich auf halber Höhe. Als wäre dies guter Stimmung nicht genug abträglich, zeigt Vera Böcker, auf ihre berufliche Zukunft angesprochen, wenig Enthusiasmus."Es ist ein schwieriges Gefühl, so schlechte Aussichten zu haben", sagt die angehende Erstsemesterin für Neuere Deutsche Literatur, Philosophie und Musikwissenschaft. Nur die Lust am Wissen habe sie, 19 Jahre alt und jüngst das Abitur errungen, an die Uni geführt. Eigentlich wolle sie Sängerin werden."Aber selbst mit einem geisteswissenschaftlichen Studium scheint es leichter Einkommen zu finden als mit einem künstlerischen." Vera Böcker gibt sich realistisch."Ich glaube nicht, dass ich bei dieser Kombination bleiben werde." Als sicherer Ausweg winke das Lehramt."Demnächst gibt es Bedarf an Lehrern."
Düster wie der Flur ist der dunkle Pullover von Maria-Christin Luther. Die 21-jährige künftige Studentin der Skandinavistik entdeckte die Leidenschaft für ihr Fach über die Musik:"Gothic" aus Finnland, schwarze, sonnenlose Töne."Ängstlich muss man ja sein", sagt sie über ihre Karrierechancen. Wichtig sei, als Skandinavistin offen zu sein für verschiedenste Berufszweige wie Außenhandel, Dolmetschen oder Forschen."Ich wollte immer studieren." Eine Ausbildung komme nicht in Frage."Dieser Weg über das Studium ist unübersichtlich. Aber er verspricht auch Möglichkeiten, die ich als Reisekauffrau nie hätte." Zum Beispiel die eines höheren Einkommens als ihre Eltern je hatten. Der Vater ist Rentner, die Mutter Küchenhilfe in einem Restaurant.
An der Humboldt-Universität gingen für dieses Wintersemester rund 25 400 Bewerbungen für einen Studienplatz ein. Wie viele das Lernen im Oktober auch aufnehmen werden, ist ungewiss. Die Zahl der Studierenden steigt jedoch. Zur Jahrtausendwende schrieben sich noch 5900 Erstsemester ein. Seitdem sind es weit über 6000, Tendenz steigend. Im Gründungsjahr der Universität, 1810, waren es nur 256 Studenten; auf die kamen aber 52 Lehrende. Bis heute besuchten insgesamt 29 spätere Nobelpreisträger die Berliner Bildungsschmiede an der Prachtstraße Unter den Linden.
So hoch hinaus will Dirk Schermer dagegen nicht. Er schreibt sich für Russistik ein und hofft auf ein vorerst ruhiges Leben, nach Jahren der Arbeit als ausgebildeter Klempner und Dreher."Zuviel Geistesarmut und zuwenig Geld", fasst der 33-Jährige seine bisherigen Berufserfahrungen zusammen."Nun will ich mein Interesse befriedigen und die Zeit rumkriegen." Denn als Russist auf Lebenszeit sieht sich Dirk Schermer nicht."Die Zeiten sind vorbei, als man einen Beruf erlernte, um in ihm 20 Jahre lang zu arbeiten. Nun gilt, sich zu verändern. Jederzeit."
Die neuen Studenten flüchten aus dem Uni-Flur, während die Tinte ihrer Immatrikulations-Unterschriften noch feucht ist. Diese neue Generation scheint illusionslos und pragmatisch. Draußen locken Wind und Sonne. Und vielleicht weniger schwarze Gedanken.
<ul> ~ Original hier</ul>

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