- Alltag im Abbruchaffenland - Baldurs Impressionen vom 28.8.03 - Baldur der Ketzer, 28.08.2003, 23:29
- Vier. Erholsame Nacht!:-)) (owT) - YooBee, 28.08.2003, 23:41
- Re: Alltag im Abbruchaffenland - Baldurs Impressionen vom 28.8.03 - chiron, 28.08.2003, 23:49
- Re: Alltag im Abbruchaffenland - Baldurs Impressionen vom 28.8.03 - Turon, 29.08.2003, 02:57
- Ich knack 'ne Bank und geh schlimmsten falls surven... ;-) - stocksorcerer, 29.08.2003, 08:24
- Ich knack 'ne Bank und geh schlimmstenfalls surfen - Emerald, 29.08.2003, 08:43
- Du bist nicht auf dem letzten Stand;-))) - Euklid, 29.08.2003, 10:03
- Dafür verkaufen die Kindern Abführmittel, ist ja besser als eine Bulemie - LenzHannover, 29.08.2003, 21:20
Dafür verkaufen die Kindern Abführmittel, ist ja besser als eine Bulemie
-->Schlankheitsmittel - Die Industrie profitiert vom Magerwahn junger Mädchen
Bericht: Ingmar Cario, Julia Friedrichs, Kim Otto
Verführt durch Werbung, hungern junge Mädchen dem Schönheitsideal entgegen. Studien zeigen: schon die Hälfte der 11-13Jährigen hat mindestens eine Diät gemacht. Um abzunehmen, greifen die jungen Mädchen verstärkt zu Appetitzüglern, Abführmitteln und Entwässerungspillen. Viele der Schlankheitspräparate können in den Apotheken von den Mädchen ohne Rezept erworben werden. Dabei warnen Experten seit Jahren vor den Gesundheitsgefahren zahlreicher Produkte, die schon zu Todesfällen geführt haben. Für die Pharmaindustrie entsteht aber ein lukrativer Markt, den sie offenbar ins Visier genommen hat. Werbung für Schlankheitspräparate in der Hauptsendezeit für Jugendliche ist nur der Anfang: die Industrie erarbeitet zur Zeit offensichtlich Zielgruppen genaue Werbung für Jugendliche.
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MONITOR Nr. 508 am 28. August 2003
Schlankheitsmittel - Die Industrie profitiert vom Magerwahn junger Mädchen
Bericht: Ingmar Cario, Julia Friedrichs, Kim Otto
Volker Happe:"Zu unserem nächsten Thema. Verführt durch Werbung, Frauenillustrierte, Modemagazine und TV-Programme, hungern immer mehr junge Mädchen einem Schönheitsideal entgegen, das sich an knochendürren Models orientiert. Nach neuesten Untersuchungen haben schon zwei Drittel der Jugendlichen mindestens eine Diät gemacht. Die ist oft nur der Einstieg in einen Teufelskreis des Hungerns, der bis zur gefährlichen Magersucht führen kann. Um noch mehr abzunehmen, greifen die jungen Mädchen verstärkt zu Appetitzüglern, Abführmitteln und Entwässerungspillen, die sie in den Apotheken ohne Rezept erwerben können. Dabei warnen Experten seit Jahren vor den Gesundheitsgefahren zahlreicher Produkte, die schon zu Todesfällen geführt haben. Während die Pharma-Unternehmen an den Schlankheitsmitteln gut verdienen, sind die Kinder am Ende rank und krank. Ein Bericht von Julia Friedrichs, Ingmar Cario und Kim Otto."
Therapeutin:"Was haben Sie sich denn für heute ausgesucht zum Kochen?"
Miriam:"Die Spaghetti mit der frischen Tomatensauce."
Miriam muss mit Hilfe ihrer Therapeutin mühsam lernen, was für andere selbstverständlich ist: zu essen. Ein verdünntes Glas Cola-Light - das war früher oft ihre Tagesration. Denn mit 12 begann Miriam zu hungern, wollte nicht mehr essen, um dünn zu sein. In ihrer schlimmsten Zeit wog die 19-Jährige gerade einmal 24 Kilogramm - 20 Kilo weniger als heute. Um jedes Gramm loszuwerden, schluckte Miriam schachtelweise Schlankheitsmittel.
Miriam:"Das hat angefangen mit den Abführmitteln, da habe ich anfangs eine Dosis von zwei bis drei Tabletten genommen. Dann ist es irgendwann regelmäßig geworden, also täglich, und im Laufe der Zeit habe ich die Dosis dann auch bis auf über 20 Tabletten pro Tag gesteigert, und Abführmittel waren eine Droge für mich."
Möglichst dünn sein, das wollen auch Michelle, Melanie und Julia - zwölf und dreizehn Jahre alt. Diäten sind ihr Hobby. Denn sie haben ein klares Schönheitsideal: Superschlank. Deshalb kämpfen sie bereits jetzt mit ihren Körpern, gegen jedes Gramm Fett.
Melanie:"Mein Bauch schwabbelt da so rüber. Ich hab wirklich da so einen Arsch wie ein Brauereipferd drin."
Michelle:"An meinem Körper gefallen mir meine Oberschenkel und mein Bauch nicht, weil ich die einfach zu dick finde, und um abzunehmen esse ich halt manchmal den ganzen Tag nur Kaugummi und lass dafür die anderen Mahlzeiten weg."
Teenager im Schlankheitswahn - fast 70 Prozent von ihnen haben bereits eine Diät gemacht. Sie sind bereit, alles für den perfekten Körper zu tun. Willkommene Konsumenten für die Industrie: Auch Pharmafirmen verdienen daran. Appetitdämpfer, Abführmittel, Entwässerungspillen. Für diese Märkte wachsen zahlreiche neue Kundinnen nach. 10,5 Prozent der weiblichen Teenager haben schon mal Entwässerungspillen genommen, 8,4 Prozent Appetithemmer, und 5,7 Prozent benutzen Abführmittel.
Dr. Bernhard Osen, Facharzt für Ess-Störungen:"Das ist sicher sehr problematisch, dass immer mehr Jugendliche Schlankheitspräparate einnehmen. Das ist aber auch ein Zeichen dafür, dass viele Jugendliche ihr Selbstwertgefühl an einen perfekten Körper koppeln. Und in diesem Zusammenhang kommt es dann auch häufig zu Abführmittel-Missbrauch oder eben zu Appetitzügler-Einnahme, was ein hohes medizinisches Risiko beinhaltet, weil sich der Körper an die Einnahme dieser Medikamente gewöhnt und dann immer höhere Dosen eingenommen werden müssen."
Dennoch erhalten die Mädchen die begehrten Schlankheitspillen problemlos. Denn viele Präparate sind in Deutschland rezeptfrei in Apotheken verkäuflich. Und werden häufig von Apothekern leichtfertig abgegeben - auch an Jugendliche.
Reporterin:"Sie haben gerade den beiden Mädchen dieses Zeug verkauft. Die beiden sind dreizehn und kaufen das auch nicht zum ersten Mal, was halten Sie denn davon, dass Kinder so was kaufen?"
Apothekerin:"Also, ich habe mich schon gewundert, weil sie sehr schlank ist, warum sie überhaupt so was braucht. Aber im Endeffekt kann ich niemandem vorschreiben, ob er so was nimmt oder nicht."
Die Apotheker verkaufen die Pillen wie harmlose Hustenbonbons. Und reichen sie selbst 13-Jährigen über den Ladentisch. Und das, obwohl Pharmazieexperten schon lange vor den gefährlichen Nebenwirkungen einiger Schlankheitsmittel warnen.
Prof. Peter Schönhöfer, Pharmakologe:"Appetitdämpfer, die Quellmittel enthalten, können den Darm verschließen und dadurch eine Erkrankung hervorrufen. Abführmittel, die chemische Stoffe enthalten, können die Darmwand zerstören und den Darm unbeweglich machen. Abführmittel, die pflanzliche Stoffe enthalten, enthalten oft krebserzeugende Stoffe. Also sind alle diese Produkte unsinnig, aber gefährlich. Sie müssten vom Markt, aber das scheitert, denn im Zweifelsfall entscheidet die Behörde für die Industrie und gegen die Verbraucher."
Reporter:"Verstehen Sie, dass 13-Jährige in der Apotheke Schlankheitsprodukte kaufen können?"
Marion Caspers-Merk, Drogenbeauftragte der Bundesregierung:"Wir haben keine Möglichkeit beim Jugendschutzgesetz für bestimmte Produktgruppen Altersbegrenzungen zu erlassen. Dies macht auch keinen Sinn vom Verwaltungsaufwand, und ich glaube, den Apothekern wäre nicht gedient, wenn er jeweils nach dem Ausweis fragen müsste, ob er etwas abgeben kann oder nicht."
Jugendschutz - für die Drogenbeauftragte bei Schlankheitsmitteln offenbar kein Thema. Die Pharmaindustrie wirbt im Vorabendprogramm - im Umfeld von Soaps, Gerichtsshows und Talksendungen, die bei jungen Mädchen sehr beliebt sind. Experten verwundert das nicht.
Ines Imdahl, rheingold-Institut für qualitative Marktanalysen:"Einfach eine Pille reinwerfen, das Fett ist weg, das ist ein ideales Versprechen. Deswegen ist das natürlich für die Industrie eine sehr interessante Zielgruppe, denn diese Zielgruppe möchte es sich gerne einfach machen. Insofern macht es schon Sinn, solche Werbung im Vorabendprogramm zu schalten, denn dort sind ja auch diese jungen Mädchen präsent."
MONITOR hat sich direkt an Pharmafirmen gewandt. Übereinstimmend heißt es: Teenager seien nicht die primäre Zielgruppe. Aber weiter schreiben die Firmen beispielsweise:
"Unser Produkt ist für Jugendliche bei verantwortungsvollem Umgang geeignet."
"Das Produkt ist auch für Teenager geeignet."
"...die Anwendung unseres Produktes ist immer noch besser als die Verfestigung einer Bulimie."
- also einer Ess-Störung.
Schon häufig haben Melanie und Michelle Werbespots für Schlankheitsmittel im Vorabendprogramm gesehen. Doch einige Pharmafirmen gehen jetzt offenbar noch einen Schritt weiter, um Jugendliche für Schlankheitsprodukte zu gewinnen.
Ines Imdahl, rheingold-Institut für qualitative Marktanalysen:"Werbung für Schlankheitsprodukte im Vorabendprogramm ist der erste Schritt in die Richtung, eine junge Zielgruppe möglichst optimal anzusprechen. Inhaltlich ist diese Werbung allerdings noch nicht auf dem Punkt. Die jungen Mädchen wollen etwas anders angesprochen werden. Deswegen betreibt die Industrie jetzt und wohl auch in Zukunft einen großen Forschungsaufwand, um Werbung strategisch inhaltlich optimal auf die junge Zielgruppe zuzuschneiden."
Für Miriam waren Schlankheitsmittel ein Grund dafür, dass sie magersüchtig wurde. Das ist die Krankheit mit der höchsten Todesrate bei jungen Mädchen. Jede zehnte Magersüchtige stirbt daran. Miriams Therapie war erfolgreich. Nach viereinhalb Monaten wird sie morgen aus der Klinik entlassen. Sie lebt jetzt ohne Schlankheitsmittel.
Links zum Thema:
Informationen über Magersucht:
http://www.magersucht.de
Homepage von Marion Caspers-Merk:
http://www.caspers-merk.de
rheingold-Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen:
http://www.rheingold-online.de
<ul> ~ http://www.wdr.de/tv/monitor/real.phtml?bid=520&sid=101</ul>

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