- Wirtschaft für Benimm-Unterricht an den Schulen - Sascha, 31.08.2003, 09:40
Wirtschaft für Benimm-Unterricht an den Schulen
-->Samstag 30. August 2003, 10:38 Uhr
<font size=5>Wirtschaft für Benimm-Unterricht an den Schulen</font>
Frankfurt/Main (AP) <font color="#FF0000">Die deutsche Wirtschaft hat Forderungen nach einem Benimm-Unterricht für Schüler begrüßt</font>. «<font color="#FF0000">Die Unternehmen stehen bereits seit geraumer Zeit vor dem Problem, dass den Schulabgängern oft die Kenntnis der einfachsten Regeln des Zusammenlebens fehlt</font>», sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, der «Berliner Zeitung». Aus Sicht der Betriebe sei es höchste Zeit, <font color="#FF0000">dass etwas gegen den Erziehungsnotstand unternommen und die Vermittlung von Werten in den Unterricht aufgenommen werde</font>.[Eigener Kommentar: Langsam bemerkt man die Katastrophe. Auch der Stern titelt in einer Serie gerade über diverse Erziehungskatastrophen wie ich mitbekommen habe]
Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bewertete die entsprechende Initiative des Saarlandes positiv. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben beklagte in der selben Zeitung <font color="#FF0000">fehlende Reife und mangelndes soziales Verhalten der Lehrstellenbewerber</font>. Die Schule sei in diesem Zusammenhang aber nur ein Teilaspekt: «<font color="#FF0000">Auch die Eltern sind in der Pflicht: Sie müssen ihren Kindern wieder Verlässlichkeit, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Teamfähigkeit beibringen</font>.» Es könne nicht alles der Schule überlassen werden.
Nach dem Saarland denkt auch Hamburg darüber nach, wie Benehmen und Umgang stärker in den Unterricht einfließen können. «<font color="#FF0000">Die Idee, Umgangsformen, Werte und Tugenden in den Unterricht einzubinden, ist sinnvoll</font>», sagte Schulsenator Rudolf Lange der Zeitung. Auch die niedersächsische Familienministerin Ursula von der Leyen begrüßte die Initiative. «Benimm-Unterricht in Schulen kann eine gute Möglichkeit sein, Defizite zu verringern», sagte der FDP-Politiker. Bremen lehnt den Vorstoß dagegen ab. Bildungssenator Willi Lemke (SPD) hält es für sinnvoller, den Lehrern den Rücken zu stärken. Oft dauere es zu lange, bis ein Schüler für ein Vergehen bestraft werden könne.
Hundt betonte, die viel gescholtenen Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit seien unabdingbar für den Umgang miteinander. <font color="#FF0000">Ausbilder in Betrieben stellten nicht selten mit Erschrecken fest, dass junge Leute bei ihnen oft zum ersten Mal mit Regeln und Werten in Kontakt kämen</font>. «Niemand kann bestreiten, <font color="#FF0000">dass hier schon im Vorfeld etwas massiv schief läuft</font>», sagte Hundt. Besonders wichtig sei die Wiedereinführung einer überarbeiteten Form der Kopfnote. «Wir brauchen Kopfnoten mit modernen Bewertungsmaßstäben», sagte Hundt. Dafür könne die in Betrieben übliche Mitarbeiterbeurteilung als Vorbild dienen.
Quelle: http://de.news.yahoo.com/030830/12/3m0xv.html
[b] Eigener Kommentar: Langsam aber sicher (scheinbar war PISA der Auslöser) scheint durchzusickern, daß es bei vielen unserer Jugendlichen massive Probleme gibt. In der Tat habe ich vor drei Jahren schon meinen Augen nicht getraut als ich live miterleben konnte welcher Lehrstoff in einer Berufsschule vermittelt wird. Diktate auf dem Niveau der 3. Klasse wurden geschrieben. Einfaches Bruchrechnen und Dreisatzrechnen wurde stundenlang im Unterricht behandelt obwohl es eigentlich ja bereits in der Haupt- oder Realschule gelehrt wurde.
Vor kurzem hatte ich hier einen Artikel gepostet. Darin wurde festgestellt, daß immer mehr und mittlerweile erschreckend viele Azubis heute an der Theorie (weniger an der Praxis) in ihrer Ausbildung scheitern. Gleichzeitig muß man feststellen, daß an vielen Berufsschulen u.a. durch extrem viele Stundenausfälle das Anspruchsniveau sogar gesunken ist. Würden die Prüngsausschüße der Handelskammern heute noch so prüfen wie vor 20 Jahren dann würde wohl gut die Hälfte durchfallen. Das ist das traurige!
Von Sekundärtugenden wie Pünktlichkeit, Höflichkeit usw. sprechen wir lieber gar nicht. Diese werden - zum Glück vieler Jugendlicher - meist überhaupt nicht bewertet.
Mittlerweile wird eine"Ausbildung light" diskutiert. Nur noch zwei Jahre anstatt drei oder dreieinhalb Jahre wie meistens üblich. Vor allem bei der Theorie soll gekürzt werden. Was soll so eine Ausbildung light eigentlich bringen? Sie wäre eher ein Beweis, Eingestehen und Festzementieren der Bildungskatastrophe. Es muß wieder mehr gelernt werden und besser erzogen werden. Man muß von einem Jugendlichen von heute erwarten können, daß er mindestens das können muß was ein Jugendlicher vor dreißig Jahren auch schon können mußte. Und nebenbei hatten Jugendliche da noch wesentlich weniger Geld zur Verfügung und weniger das Bedürfnis nach Fun & Action. Jugendliche brauchen auch ihren Spaß. Das war immer so. Und den will ihnen keiner nehmen. Nur stehen Spaß auf der einen Seite und Lernen für die Schule auf der anderen Seite mittlerweile in einem extremen Missverhältnis. Gelernt wird allerhöchstens ein paar Stunden im Monat freiwillig und vielleicht ab und zu mal vor einer Klausur. Weggegangen wird dagegen vier bis fünf mal die Woche oder noch häufiger. Ich vermisse bei großen Teilen unserer Jugend eine gewisses Engagement und einen gewissen Biss. Viele schieben ihr eigenes Scheitern immer nur auf die"schwere Schule", die"vielen Hausarbeiten" oder die"üblen Lehrer". Das sie selbst aber fünf mal in der Woche irgendwo rumhängen und am Wochenende eigentlich immer nur mitten in der Nacht nach Hause kommen und den nächsten halben Tag verschlafen sagen dabei die Wenigsten. Nicht das man mich falsch versteht: Ich will den Jugendlichen auf keinen Fall ihren Spaß gänzlich nehmen. Aber eine Verringerung des Funs zugunsten des Lernens wäre vielleicht doch wieder angebracht. Zwei bis drei mal die Woche weggehen sollten m.E. auch ausreichen. Frühere Generationen sind daran auch nicht gestorben. Ganz im Gegenteil. Aus vielen wurden etwas!
Die Schufa führt derzeit eine Studie zur Verschuldung junger Menschen (Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene) durch. Die Ergebnisse werden bald erwartet. Die Zahl der überschuldeten Jugendlichen die schon den Offenbarungseid leisten mußten ist bei jungen Erwachsenen drastisch gestiegen. Jugendliche sind häufig auch so stark überschuldet, daß sie den Offenbarungseid leisten müßten. Da sie aber noch nicht volljährig sind haften häufig die Eltern.
An alle Eltern kann ich nur einen Appell richten: Baut euren Kindern keine Traumwelten auch wenn ihr es gut mit ihnen meint. Denn diese Traumwelten sind sehr negativ. Die Zeiten sind härter und unsicherer geworden und der Trend wird sich m.E. fortsetzen. Es ist nicht mehr so, daß man nach der Schule sofort eine Arbeit hat. Vermittelt euren Kindern wieder mehr Werte und vor allem auch eine gewisse Sparsamkeit. Man muß nicht alles immer sofort und gleich haben. Scheinbar ist dieser Gedanke heute jedoch weit verbreitet. Auch unter Erwachsenen. Man braucht sich ja nur mal anzusehen, daß der durchschnittliche Haushalt in Deutschland 194 Euro für reine KONSUMschulden (keine Hypo für ein Haus o.ä.) pro Monat aufzubringen hat. Selbst die Kosten für Urlaube kann man schon in Raten bezahlen. Daran sieht man doch das hier manches nicht mehr stimmen kann.
Ich befürchte, daß die Zahl überschuldeter junger Menschen in den nächsten Jahren weiter ansteigen wird. Nicht nur wegen einer eventuell anhaltenden Stagnation oder sich verstärkenden Rezession. Eher aufgrund m.E. falscher Erziehung. Die Distanz zwischen Kindheit und Realität wird nämlich u.a. durch die Eltern immer größer. Die Realität sieht so aus, daß die Arbeitsplatzsuche immer schwieriger wird. Die Kindheit sieht jedoch immer häufiger so aus, daß kaum noch Werte vermittelt werden und viele Kinder mit Geld zugeschüttet werden (das sie später nicht mehr haben werden). Der Gewöhnungseffekt an den großen Wohlstand (Urlaub mit 15, eigenes Auto natürlich sofort mit 18/19, Führerschein bezahlt, teure Handys, Handyrechnung bezahlt von den Eltern, teure Kleidung wird häufig von Eltern gezahlt,...) hat katastrophale Auswirkungen wenn diese Jugendlichen später erwachsen werden und erst dann bemerken, daß sie sich von all den schönen Dingen (siehe Klammer weiter oben) plötzlich vielleicht überhaupt gar nichts mehr leisten können und trotzdem arbeiten. Die jungen Menschen werden plötzlich vor eine total neue Realität gestellt weil ihnen die Realität nirgendwo - und nicht mal ein wenig - vermittelt wurde.
Viele Grüße
Sascha

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