- Der Denkfehler der Rentenstrategen - Bob, 31.08.2003, 12:33
- Meine Ansicht - Eric, 31.08.2003, 14:03
- Re:eine ganz pragmatische Frage - kingsolomon, 31.08.2003, 14:10
- Re:eine ganz pragmatische Frage - dottore, 31.08.2003, 14:42
- Re:eine ganz pragmatische Frage - Euklid, 31.08.2003, 14:54
- Re:eine ganz pragmatische Frage - dottore, 31.08.2003, 14:42
Meine Ansicht
-->"Eine kleine Schar von Arbeitern vs. ein großes Heer von Rentnern" - ganz so dramatisch ist es nicht, zumindest nicht nach den jetzigen demografischen Schätzungen. Leider funktioniert das Umlagesystem aber selbst bei einer moderaten Entwicklung schon nicht mehr.
Außerdem sprichst Du in der Perspektive das Jahr 2035 an - ist das angesichts der begründeten Zweifel am jetzigen Wirtschaftssystem nicht etwas weit gegriffen? Mit dem System-Reset sollten sich doch nicht nur Vermögen und Schulden"auflösen", sondern auch die Probleme der Umlagesysteme?!
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Hier ein paar Trends aus aktuellen Demografie-Studien:
>> Die Altenquotienten nehmen drastisch zu; Für die Beurteilung der Belastung durch die Alterssicherung kann der sogenannte Altenquotient herangezogen werden. Er ist das Verhältnis der Bevölkerung im (effektiven) Rentenalter (über 60 Jahre) zu den Personen im Erwerbsalter (15 bis 59 Jahre) Das hier angenommene Renteneintrittsalter ist nicht für alle Zeiten fix. So scheint eine Anhebung des Renteneintrittsalters in den kommenden Dekaden unvermeidlich. In Europa beträgt der Altenquotient derzeit 0,35, d.h. 100 Menschen im Erwerbsalter stehen 35 Personen im Rentenalter gegenüber. Bis zum Jahr 2050 wird sich diese Quote auf 0,75 erhöhen, d.h. mehr als verdoppeln. Ein Blick auf die einzelnen europäischen Länder zeigt ein bedrückendes Bild: Spanien wird 2050 die Liste der „alten“ Länder mit einem Altenquotienten von dann 0,99 anführen. Dies bedeutet, dass sich dort im Jahr 2050 gleich viele Rentner und Personen im Erwerbsalter gegenüberstehen werden. Eine ähnlich hohe Quote(0,92) weist Italien auf. In Deutschland wird der Altenquotient der UN zufolge von 0,38 (2000) auf 0,77 (2050) zunehmen und damit im europäischen Mittel liegen.
>> Alter und Wahlverhalten; Für den Fall einer vollständig eigeninteressendominierten Wahlentscheidung haben Sinn/Übelmesser ein Modell zur Messung der Reformfähigkeit einer alternden Gesellschaft entwickelt. Am Beispiel einer Riester-ähnlichen Rentenreform zeigen die beiden Autoren, dass eine mögliche politische Mehrheit für den Wechsel vom Umlageverfahren zum Kapitaldeckungsverfahren nur bis etwa 2020 in Deutschland existieren würde. Ab 2023 ist dann der Anteil der jungen Bevölkerung, für die sich der Umstieg auf das Kapitaldeckungsverfahren noch lohnt, bereits in der Minderheit; bereits 2027 wären gut 55% gegen die Reform. D.h. spätestens ab 2030 könnte von einer Gerontokratie gesprochen werden, in der die Wahrscheinlichkeit für die Durchsetzbarkeit derartiger Rentenreformen gering ist.
>> Spanien löst Japan als „ältestes“ Land ab; Die Berechnungen der UN ergeben, dass derzeit Japan mit gut 41 Jahren das höchste Medianalter aufweist, gefolgt von Italien mit gut 40 Jahren. Im Jahr 2050 wird dagegen Spanien mit einem Medianalter von über 55 Jahren an der Spitze stehen. Dies bedeutet, dass dann jeder zweite Einwohner Spaniens älter als 55 Jahre ist. Nicht wesentlich geringer wird das Medianalter 2050 in Italien (gut 54 Jahre) und Japan (gut 53 Jahre) ausfallen.

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