- Pecunia… zum ersten…zum zweiten….und zum letzten Mal! - Popeye, 22.08.2004, 12:12
- Re: Pecunia… zum ersten…zum zweiten….und zum letzten Mal! - dottore, 22.08.2004, 18:44
Re: Pecunia… zum ersten…zum zweiten….und zum letzten Mal!
-->Hi Popeye,
>ich bin ziemlich frustriert über diese Recherche in einem Gebiet von dem ich keine vertiefte Kenntnis habe und nur auf Mommsen und Niebuhr Zugriff habe.
>Primärquellen für die regale Periode gibt’s eigentlich überhaupt keine - offenbar hat nicht eins der Gesetze (vollständig) überlebt und ein antiker Autor schreibt mehr oder weniger schamlos vom anderen ab - und dichtet um den Kern nach gusto dazu. Aber wie soll`s auch anders sein - Schrift holten sich die Latiner frühestens ab 600 BC per Nachhilfeunterricht von den Griechen und Etruskern und das dann auch nur für Über- und Inschriften.
Der Punkt ist der: Wenn wir im 8. Jh. BC die bekannte römische Landverteilung haben und die Kleinland-Eigner Vieh"treiben" wollten, mussten sie irgendwohin damit. Dass sie Vieh treiben musste, ergibt sich aus dem, was auch Mommsen sich hat ausrechnen lassen: Das zugeteilte Land war schlicht zu klein, um eine Familie zu erhalten. Das ist im Grunde derselbe Trick wie weiter östlich: Die Leute so knapp zu halten, dass sie Fremdland brauchen (zusätzlich zum sog."subsistence land"), so nicht an den Großlandbesitzern (König und die Seinen) vorbei kommen und den"Ã-beren" schließlich als Arbeiter zur Verfügung stehen - via Verschuldung, nexum, usw.
>Ich hoffe, es hat sich inzwischen geklärt, dass die Nutzung nur gegen eine Abgabe möglich war
>Ganz unstrittig, lieber @dottore - soweit jedenfalls - denn nun haben wir außer [pecunia] und der erwähnten SCRIPTURA auch noch einen dritten Begriff für den gleichen Vorgang gefunden: DECUMAE gefunden - und die Menge macht’s ja bekanntlich.
Die SCRIPTURA muss vor der Schrift (8. - 6. Jh. BC) einen anderen Namen gehabt haben und DECUMAE können es auch nicht gewesen sein, weil das System der PUBLICANI (Steuerpächter) sich - ganz parallel zu weiter östlich - auch nicht gleich am Start Roms vorhanden war. Die DECUMAE waren letztlich auch Abgaben-Aktien.
>Ich persönlich neige der Darstellung von Mommsen zu, die - wenn Sie falsch sein sollte - zumindest den Vorteil hat, dass ich Partner im Unglück habe. Eine kleine Einschränkung mache ich bei Mommsen hinsichtlich seiner Ausführungen zur Bedeutung der Viehwirtschaft.
>Nun zu Mommsens Text:
>13. Kapitel
>Ackerbau, Gewerbe und Verkehr
>„Das Weideland ward von der Landaufteilung nicht betroffen. Es ist der
>Staat, nicht die Geschlechtsgenossenschaft, der als Eigentuemer der Gemeinweide
>betrachtet wird, und teils dieselbe fuer seine eigenen, fuer die Opfer und zu
>anderen Zwecken bestimmten und durch die Viehbussen stets in ansehnlichem Stande
>gehaltenen Herden benutzt, teils den Viehbesitzern das Auftreiben auf dieselbe
>gegen eine maessige Abgabe (scriptura) gestattet. Das Triftrecht am
>Gemeindeanger mag urspruenglich tatsaechlich in einem gewissen Verhaeltnis zum
>Grundbesitz gestanden haben. Allein eine rechtliche Verknuepfung der einzelnen
>Ackerhufe mit einer bestimmten Teilnutzung der Gemeinweide kann in Rom schon
>deshalb nie stattgefunden haben, weil das Eigentum auch von dem Insassen
>erworben werden konnte, das Nutzungsrecht aber dem Insassen wohl nur
>ausnahmsweise durch koenigliche Gnade gewaehrt ward. In dieser Epoche indes
>scheint das Gemeindeland in der Volkswirtschaft ueberhaupt nur eine
>untergeordnete Rolle gespielt zu haben, da die urspruengliche Gemeinweide wohl
>nicht sehr ausgedehnt war,
Eine"Gemeinweide" war es definitiv nicht. Da ist Mommsens"deutsches" Blut gequollen - die Verbindungen zu Georg von Beseler, Otto von Gierke (Genosse ist, wer auf die gemeine Weide treiben darf, usw.) u.a. müsste ich noch genauer anschauen.
>das eroberte Land aber wohl groesstenteils sogleich
>unter die Geschlechter oder spaeter unter die einzelnen als Ackerland verteilt
>ward.“ Mommsen - etwa zu Beginn des 3. Fünftels des Links, R.G. - Hervorhebung von mir.
Das ist klar. Mit der Eroberungen sind wir dann aber schon nach dem Sturz der Könige.
>Mommsens Ausführungen zu pecunia, aes, Viehwirtschaft und Ackerbau etc. folgen in dem gleichen Link weiter unten.
>Ich möchte dieses Thema nicht abschließen (zumindest vorläufig), ohne auf eine bemerkenswerte Interpretation von Niebuhr in:
>B. G. Niebuhr, Römisch Geschichte, 3 Bände, Berlin 1811-1833, hier Bd. 2, 3. Aufl., 1836 S. 146ff, zum Thema ‚ager publicus’ (Vom gemeinen Feld und dessen Nutzung) hinzuweisen:
>Niebuhr erläutert zunächst die widersprüchlichen Quellen antiker Autoren zum Thema ‚ager publicus’, also Gemeindeland. Hier lassen sich aus Niebuhrs Sicht die Ansichten von Appian mit denen von Plutarch (circa 45 - 125 n. Chr), Varro (115 - 27 v. Chr.) und Livius (59 v. Chr. - 17 n. Chr.) nicht zur Deckung bringen.
>Die einen berichten das Gemeindeland (ager publicus) sei in unterschiedlichen Parzellengrößen verkauft worden, die anderen behaupten es ei nur verpachtet worden. (Ich persönlich kann dieses frustrierende Durcheinander der Ansichten nach meinem kurzen Ausflug in dieses Thema nur bestätigen und möchte auch die ursprüngliche Landaufteilung des Romulus eigentlich in den Bereich der Fabel verweisen - nach dem Motto - si non e vero e bene trovato.)
Ich dachte auch lange an Fabulöses, zumindest in der Chronologie. Andererseits werden die iugera-Aufteilungen (die Big Shots hatten mehr) zu oft genannt und ziemlich einhellig - gerade im Zusammenhang mit dem heredium.
Zu Indien und dem Weiteren bei Gelegenheit. In der Silver-Aufzählung fehlt das Wichtigste und von Anfang an Natürlichste:
The Right to cash in a rent!
Bei den Cones bin ich gern dran - habe welche mit deutlichem Text als sozusagen"Grenznagel", der eigemauert wurde.
Besten Dank und Gruß!
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