- Vom Pfaffen Lehmann der da sagt"Kinderarmut ist eine Schande"???! - EM-financial, 30.12.2004, 18:56
- Re: Lehmann hat doch recht! Er weiß bloß nicht in welchem Bereich - JoBar, 30.12.2004, 19:39
- es wäre alles sehr einfach - Dieter, 30.12.2004, 20:13
- Auf den Gedanken - crosswind, 30.12.2004, 20:23
- Re:"Es gibt schon Unterschiede zwischen Quantität und Qualität" oder - JoBar, 30.12.2004, 20:46
- Damals war alles besser, die schlimmste Jugend aller Zeiten - Kasi, 31.12.2004, 01:25
- Re: Damals war tatsächlich alles besser..... - stocksorcerer, 31.12.2004, 09:44
- Re: Damals war tatsächlich alles besser..... - Kasi, 31.12.2004, 16:06
- Re: schlimmste Jugend? Sorry, ich denke es ist die meist vernachlässigte Jugend - JoBar, 31.12.2004, 13:07
- Re: Damals war tatsächlich alles besser..... - stocksorcerer, 31.12.2004, 09:44
- es wäre alles sehr einfach - Dieter, 30.12.2004, 20:13
- Re: Vom Pfaffen Lehmann der da sagt"Kinderarmut ist eine Schande"???! - Sascha, 31.12.2004, 11:10
- Es ist nicht so sehr die Nachhilfe, sondern der Wohnort... - LenzHannover, 02.01.2005, 04:27
- Re: Lehmann hat doch recht! Er weiß bloß nicht in welchem Bereich - JoBar, 30.12.2004, 19:39
Re: Vom Pfaffen Lehmann der da sagt"Kinderarmut ist eine Schande"???!
--> > Meint er damit, dass es in unserer Gesellschaft immer noch arme Kinder
> ohne Handy, Nike Schuhe und Märklin Eisenbahn gibt? Welche Schande
Hallo EM-Financial!
Das Problem ist nicht, daß es Kinder gibt die kein Handy oder keine Markenkleidung tragen. Das Problem ist aber, daß die Gesellschaft sich hier oft nicht richtig verhält. Oder sagen wir es anders: Ich erlebe es höchst selten, daß die Gesellschaft sich hier richtig verhält.
Selbst unter Erwachsenen wird ja oft geprollt mit den Urlauben die man gemacht hat, wo man schon überall war, was man eigentlich für einen Beruf hat, welches Auto man fährt und in welcher ach so schönen Gegend man lebt. Mitunter kann man sicherlich stolz sein wenn man was erreicht hat. Aber heute zunehmend problematisch sind diejenigen die einen auf"Ich hab alles. Was seid ihr denn?" machen und das Geld entweder geerbt haben oder durch krumme Geschäfte oder Schwarzarbeit verdient haben.
Diese Selbstdarstellungshaltung mit Statussymbolen hat sich in unserer Gesellschaft leider wohl erst DURCH DEN WOHLSTANDSZUWACHS immer weiter ausgedehnt. Klar hatten damals die Kinder keine Handy und auch keine Markenschuhe. Die hatten damals andere Probleme. Aber weil Sie andere Probleme hatten und fast gar niemand diese Schuhe oder diese farbigen Handys hatte kam es noch MEHR AUF DAS KIND SELBST an oder DEN MENSCHEN und nicht darauf was die ELTERN DES KINDES kaufen können oder dem Kind mitgeben. <font color="#FF0000">[/u]Das ist in meinen Augen der ENTSCHEIDENDE UNTERSCHIED</font>[/u]. Letztendlich dürfte es 99,5% aller Kinder heute in Bezug auf den ABSOLUTEN Wohlstand besser gehen aber bezüglich des RELATIVEN Wohlstands untereinander haben sich riesige Unterschiede aufgetan. Da sind auf der einen Seite Einzelkinder bei denen beide Eltern Akademikerberufe haben und auf der anderen Seite drei Arbeiterkinder in einer Familie. Leider erzählen unsere Politiker dann trotzdem noch was von Chancengleichheit. Und die ärmeren Kinder wären ja die Gewinner da Sie ja"normal" erzogen würden und bescheiden aufwachsen. Sicherlich.... Ich glaube diese Politiker leben hinter dem Mond. Die Wahrheit ist, daß es keine Chancengleichheit gibt. Die einen können sich Nachhilfe für 15 bis 20 Euro die Stunde leisten und stellen ihrem Kind ein Auto zum Abi hin, die anderen haben keine Nachhilfe und müssen zuhause mit anpacken. Die einen bekommen von Daddy oder Mami dann einen Beruf oder ne Ausbildungsstelle - womöglich in der gleichen Firma oder über Vitamin B - zugeschustert. Ich seh's doch ständig wie es läuft.
Es ist traurig aber wahr. Haste was biste was und haste nix bist nur ein armes kleines Licht. Nicht umsonst gibt es den Spruch"Beim Geld hört die Freundschaft auf". Brutal aber so ist es in der Moderne! Man stellt sich manchmal die Frage ob sich der Mensch in einigen seiner Denkweisen tatsächlich seit der Steinzeit weiterentwickelt hat?
Heute gibt es zwischen Kindern bezüglich dem was Sie besitzen und dürfen weit erheblichere Unterschiede. Und es dürfte klar sein, daß derjenige der nix hat es am schwersten haben dürfte. Ich möchte DAS Kind sehen, daß sich zu verteidigen weiß und dies psychologisch durchhält wenn sechs oder sieben seiner Klassenkameraden alle teuerste Kleidung haben und sonstwie verwöhnt werden und dieses Kind ausgrenzen oder mobben. Alltag an deutschen Schulen.
Das Problem ist die Selbstdarstellung in der Gesellschaft. Es gibt Leute die haben zu zweit zwei Verdienste und leben richtig gut. Aber damit es für den BMW auch noch reicht und man die"Welt erobern" und sich auf diversen Festlichkeiten in den Städten für 50 Euro Eintritt und mehr sehen lassen kann wird noch schwarz nebenher gearbeitet. Und das finden manche noch korrekt, daß letztlich die gesamte Gesellschaft beschissen wird damit man sich seinen persönlichen Wohlstand noch"potenziert".
Kinder können mitunter brutal sein und leider ist es Fakt, daß derjenige der das nicht alles hat oft zum Außenseiter oder Opfer für bestimmte Attacken wird.
Fazit: Das Problem mit den"armen Kindern" ist eigentlich nur EINE von vielen Folgen mit ein und derselben URSACHE. Und diese Ursache liegt darin begraben, daß in der ganzen Gesellschaft das Materielle einen viel zu hohen Stellenwert eingenommen hat. Das kann man daran erkennen wenn Spinner wie ein Kübelböck unter den berühmtesten 100 Deutschen mit Gauß & Co. auftaucht. Aber m.E. sind die Kinder hier am wenigsten Schuld. Sie sind nur die Leidtragenden. Die einen sind die Leidtragenden weil deren Eltern eben nicht soviel verdienen und die anderen sind eigentlich auch nur Leidtragend weil Sie von Ihren Eltern so erzogen werden oder es so mitbekommen wie man mit einem dicken Auto angibt oder wie der allwissende Rechtsanwalts-Papa oder Manager-Papa alle"platt macht" die mal was gegen ihn sagen und immer zuhause von seiner Abteilung berichtet welche"Dummköpfe" sich ja da bei ihm bewerben würden und wie er"heute mal wieder durchgegriffen" hat. Das färbt auf Kinder ab.
Die Gesellschaft hängt viel zu sehr am Materiellen. Wie wichtig DER zusätzliche materielle Wohlstand ist der weit über die Grundbedürfnisse hinausgeht kann man u.a. auch daran erkennen wieviele Menschen bereit sind einen sechsten Tag in der Woche für nochmal 250 bis 300 Euro im Monat zu arbeiten obwohl nach Umfragen doch jeder meckert und fast agressiv wird wenn es um das Thema längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich geht. Auf der einen Seite sind die Menschen überhaupt gar nicht bereit länger zu arbeiten und lehnen es in ihrem Innern strikt ab aber insgeheim wollen Sie auch"gesehen werden" oder so ein"tolles Auto fahren" und gehen dann Samstags von 16 bis 22 Uhr an der Tankstelle arbeiten.
Ein Gesellschaftswissenschaftlicher hat das ganze mal"KONSUMDRUCK" genannt. Einen Zwang dem sich die Gesellschaft selbst aussetzt. Nach dessen Theorie leisten sich viele Menschen bestimmte Produkte und Dienstleistungen aus dem Hauptmotiv"mit der Zeit gehen" zu wollen. Alleine das Motiv an sich ist eigentlich ein Witz. Aber wenn man's nicht hat gehört man eben nicht dazu. Also ziehen die meisten Menschen halt doch mit. Ob sie das Produkt gebraucht hätten oder nicht. Viele Menschen schätzen heute auch unbewusst den Erfolg oder die Intelligenz eines Menschen an dessen Wohlstand ein.
Naja die Kinder sind leider nur die Opfer des Statussymbol-Wahns. Das müßte alles nicht sein wenn Kinder richtig erzogen wären und sich nicht so am Materiellen klammern würden. Selbst bei Frauen oder Männern bei der Partnerwahl ist es ja häufig so, daß man lieber jemanden mit Geld nimmt als ohne. Ist eben bequemer und man kann sich mehr leisten und steht dann gut da und hat wieder was zum Erzählen wenn man in Honolulu war.
Viele Grüße und einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Sascha
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