- VIVA Eva: dank Dir wissen wir wie es um Deutschland steht................. - Emerald, 14.10.2007, 09:59
- Naja, wir hier wissens schon länger würd ich sagen... ;-) (o.Text) - igelei, 14.10.2007, 10:05
- In den Foren und Leserbriefen stimmen über 80% mit ihr überein, meistgehasst? - prinz_eisenherz, 14.10.2007, 11:07
- Re: In den Foren und Leserbriefen stimmen über 80% mit ihr überein, meistgehasst? - Cujo, 14.10.2007, 11:59
- Re: In den Foren und Leserbriefen stimmen über 80% mit ihr überein, meistgehasst - imperator, 14.10.2007, 18:11
- Re: In den Foren und Leserbriefen stimmen über 80% mit ihr überein, meistgehasst? - Cujo, 14.10.2007, 11:59
- Re: Auweia, jetzt spricht die alte Ma!! - Doomsday, 14.10.2007, 11:44
- Re: VIVA Eva: dank Dir wissen wir wie es um Deutschland steht................. - GutWettertrader, 14.10.2007, 15:27
VIVA Eva: dank Dir wissen wir wie es um Deutschland steht.................
-->14. Oktober 2007,
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Eva und der Sündenfall.
Seit sie angeblich Sympathien für Hitlers Familienpolitik bekundete, ist Eva Herman die meistgehasste Frau Deutschlands. Neuer Höhepunkt: Ihr Rauswurf aus einer Talkshow.
Die an Merkwürdigkeiten reiche Geschichte der deutschen «Vergangenheitsbewältigung» hat ein neues, bizarres Kapitel erhalten. Eva Herman, die ehemalige Talkshow-Moderatorin und «Tagesschau»-Sprecherin, versetzt mit wirren Interviewäusserungen und mit trotzigem Widerstand gegen die Forderung nach Entschuldigung Teile der deutschen Ã-ffentlichkeit in einen...
>>>> völlig überrissenen Erregungszustand. <<<<
In seltenem Schulterschluss sind sich Boulevard- und Intelligenz-Medien, aber auch Politiker und der Zentralrat der Juden in Deutschland einig, dass Eva Herman als unbelehrbar und von braunem Ungeist infiziert aus der Ã-ffentlichkeit verbannt werden sollte.
Anzeige Am vergangenen Dienstag fand dieser Wunsch seine Erfüllung - in einer Fernsehszene: Um halb zwölf nachts war zu sehen, wie der Talkshow-Gastgeber Johannes B. Kerner Eva Herman aufforderte, das Studio seiner Sendung zu verlassen, weil «Worte gefallen sind, die dürfen nicht kommen». Einen solchen Ausschluss aus einer laufenden TV-Sendung hatte man im deutschen Fernsehen nicht einmal zwei so hartgesottenen Politikern der äusseren Rechten wie Franz Schönhuber und Jörg Haider zugemutet.
«Miss Tagesschau»Was ist plötzlich so schlimm an der blonden Frau, die 2003 in Meinungsumfragen noch den ersten Platz auf der Liste der beliebtesten Fernsehmoderatorinnen besetzt hatte? Sie war «Miss Tagesschau» von 1989 bis 2006, lud seit 1997 zusammen mit einer Kollegin regelmässig zur populären Talkshow «Herman & Tiedjen» ein, präsentierte Musiksendungen und fand auch als Sängerin wohlwollende Kritik. Sieben Bücher hat sie bisher geschrieben, darunter seichte Unterhaltungsromane aus dem Medienmilieu, Ratgeber, die vom «Glück des Stillens» erzählen oder Hilfen für Eltern versprechen, deren Kinder nicht durchschlafen. Zum Kampf der Aktion «Laut gegen Nazis» hat sie eine CD mit Kästner-Gedichten beigesteuert. Sie hat «Fernsehfrauen» interviewt und daraus ein Buch gemacht, in dem von den Schwierigkeiten zu lesen ist, in diesem Milieu den Anforderungen von Beruf und Familie gleichermassen gerecht zu werden. So weit nichts Anstössiges in dieser Biografie.
Mit Erscheinen ihrer beiden Bücher «Das Eva-Prinzip - Plädoyer für eine neue Weiblichkeit» (2006) und «Das Prinzip Arche Noah - warum wir die Familie retten müssen» (September 2007) änderte sich das. Aus einer geschätzten Fernsehfrau wurde plötzlich eine Unperson, zu welcher der «Bild»-Zeitung nur noch die Schlagzeile einfiel: «Ist Eva Herman braun oder nur blöd?»
Nun mögen Zweifel an der intellektuellen Zurechnungsfähigkeit der Autorin angesichts der sehr schlichten Botschaften ihrer Bücher durchaus berechtigt sein, die Frauenemanzipation und weibliches Streben nach Selbstverwirklichung ohne familiäre Bindungen pauschal für gescheiterte Kindheiten und für die drohende demografische Katastrophe verantwortlich machen. Neben der sehr berechtigten Kritik tauchte aber schon nach dem ersten Buch der Verdacht auf, Eva Herman huldige einem Frauenideal, das heute nur noch der reaktionäre Teil des katholischen Klerus vertrete und das gestern in Adolf Hitler seinen Förderer hatte.
Zum «braunen» Fall wurde Eva Herman jedoch nicht durch ihre Bücher, sondern durch ein paar konfuse Sätze auf einer Pressekonferenz und in Interviews Anfang September. Anlässlich der Präsentation von «Das Prinzip Arche Noah» hatte sie gekauderwelscht: «Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft.» (Wortlaut nach der «offiziellen Eva-Herman-Homepage».) In einem Zeitungsinterview danach versuchte sie das Durcheinander auf eine verständliche Formel zu bringen: «Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschliessend durch die 68er abgeschafft wurden.»
«Eva lobt Hitler»Als die Zeitung «Bild am Sonntag» diese Erklärungen mit «Eva Herman lobt Hitlers Familienpolitik» überschrieb, war alles klar. Zwar gibt diese Überschrift nicht sehr treffend wieder, was ohnehin schon bemitleidenswert verschwurbelt formuliert worden ist. Aber bei der Inszenierung von vergangenheitspolitischen Skandalen zählt in Deutschland nicht genaueres Lesen. Hier kommt es darauf an, auf einschlägige Reize mit Maximalempörung zu reagieren und im Überbietungswettbewerb der rhetorischen Gesten des Abscheus, der Verurteilung und der Distanzierung auf keinen Fall ins Hintertreffen zu geraten. Das trägt Züge des Exorzismus, bei dem es dem Betroffenen nicht hilft, wenn er bestreitet, das ihm Unterstellte überhaupt gesagt oder gemeint zu haben. Wenn einmal «Worte gefallen sind, die nicht kommen dürfen», dann hilft nur noch die öffentliche Unterwerfung unter ein Buss- und Reueritual, will der «Täter» überhaupt noch eine Chance auf Rehabilitation haben. Die Einladung in Kerners Talkshow war die Einladung an Eva Herman, sich diesem Ritual zu unterziehen. Weil sie das verweigerte, wurde sie ausgeschlossen.
Der Umgang mit der NS-Vergangenheit ist längst zu einem starren Reiz-Reaktions-Verbund heruntergekommen. Was zählt, ist die Einhaltung bestimmter Sprachcodes und die Vorführung der erwarteten symbolischen Gesten der Abwehr. Moralische Haltung muss präsentiert werden, nicht kritisches Urteil.
Wo das aber fehlt, geraten Anlass und Folgen in ein groteskes Missverhältnis: Mittlerweile hat nicht bloss der NDR seiner Mitarbeiterin Eva Herman mit der bemerkenswerten Begründung gekündigt, sie polarisiere zu sehr. Jetzt gilt jeder, der sich mit der gechassten Fernsehfrau einlässt, als anrüchig. Als sie Anfang Oktober auf einem Kongress konservativer Katholiken wiederum ihre schlichte Botschaft von Liebe, Familie und Kindern vortrug, sah sich ein führender Vertreter des Zentralrats der Juden in Deutschland zu scharfen Angriffen auf die katholische Kirche und ihre «Fehlleistungen» veranlasst.
In Hamburg leistet das Stadtparlament heroischen Widerstand gegen die unerbetene Pro-Herman-Demonstration einer Rechtsaussen-Partei vor dem Rathaus und versammelt sich dort am Wochenende zu einer Sondersitzung, um so den Ort unter Demonstrationsverbot stellen zu können. Damit ist endgültig aus dem banalen Vorfall am Rande des seriösen Kulturbetriebs ein Politikum von nationaler Bedeutung geworden, das zugleich trivialen Skandalisierungsagenturen des Fernsehens und der Boulevardpresse den Stoff liefert.
Wer erwartet hatte, dass mit zunehmendem zeitlichem Abstand zur NS-Herrschaft auch das Urteil über heute noch fortwirkende Gefahren souveräner und treffsicherer werde, sieht sich getäuscht.
Der Umgang mit der NS-Vergangenheit ist längst zu einem starren Reiz-Reaktions-Verbund heruntergekommen.
Beitrag aus der NZZ - am - Sonntag, aus Zürich

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