- Ausblick/Analysten vertagen US-Rezessionsbeginn aufs 2. Quartal - NEWS-SERVICE, 25.04.2001, 16:59
Ausblick/Analysten vertagen US-Rezessionsbeginn aufs 2. Quartal
Ausblick/Analysten vertagen US-Rezessionsbeginn aufs 2. Quartal
Washington (vwd) - Zu Jahresbeginn hatte Fed-Chairman Alan Greenspan ein
Wachstum des US-Bruttoinlandprodukts (BIP) für das erste Quartal von nahe
Null prognostiziert. Sogar die Möglichkeit eines leichten Rückgangs wollte
er nicht ausschließen. Mittlerweile sind sich die Analysten aber sicher,
dass die für Freitag angekündigte erste BIP-Schätzung des
US-Handelsministeriums anders aussehen wird: Deutlich positiv soll sie sein,
das Wachstum könnte sogar stärker ausfallen als im vierten Quartal 2000.
Täglich erhöhen sich die Wachstums-Schätzungen, die Prognose-Spanne lag
zuletzt zwischen 0,5 Prozent (Deutsche Bank) und 3,3 Prozent (IFR BondData).
Die mittlere Erwartung für das erste Quartal beläuft sich nun auf einen
BIP-Zuwachs von 1,3 Prozent nach 1,0 Prozent im vierten Quartal 2000. Als
Begründung für die überraschende Wendung nennen Analysten vor allem den
unerwartet robusten privaten Konsum während des Quartals und die deutliche
Verbesserung der Leistungsbilanz, die den einen oder anderen zehntel
Prozentpunkt an Wachstum bringen sollte. Negative BIP-Impulse werden dagegen
von der anhaltenden Investitionsschwäche ausgehen.
Dass dies allerdings bereits der Abgesang an die vielerorts
*FEHLER*
verfrühtes Urteil. Vielmehr scheint es wahrscheinlich, dass sich eine
ausgeprägte Konjunkturschwäche erst ab dem zweiten Quartal zeigen wird. So
rechnet zum Beispiel Cary Leahey von der Deutschen Bank in New York für das
laufende Quartal mit einem BIP-Rückgang von 0,5 Prozent. Konjunkturskeptiker
verweisen vor allem auf den an Dynamik gewinnenden Anstieg der
Arbeitslosigkeit mit der Folge Konsumausfall; ferner bestünden weiter
Überkapazitäten und der Ausfuhr drohten - vor dem Hintergrund der
schwächeren Weltkonjunktur - Einbußen.
Die für das erste Quartal erwarteten positiven BIP-Zahlen werden
allerdings von neuen Inflationssorgen getrübt. So gehen die meisten
Analysten davon aus, dass das Handelsministerium (ebenfalls am Freitag) mit
dem Ausweis von BIP- und PCE-Deflator ein bereits von vielen verdrängtes
Thema wieder stärker ins Rampenlicht bringen wird. Beide Indikatoren, die
US-Notenbank sehr genau verfolgt werden, dürften den Schätzungen zufolge mit
Steigerungsraten um die drei Prozent ausgewiesen werden.
Als Ursache für diese Entwicklung verweist John Youngdahl von Goldman
Sachs auf den in den vergangenen Monaten verzeichneten Preisanstieg für
Dienstleistungen sowie einige Energieträger (insbesondere Strom und Erdgas).
Darüber hinaus habe es auch im Bausektor eine Beschleuningung der
Preisdynamik gegeben. Er selbst erwartet für den BIP-Deflator eine
annualisierte Jahresrate von 3,1 Prozent.
Die US-Notenbank hat diese Inflationsproblematik im Übrigen trotz ihrer
aggressiven Zinssenkungspolitik seit Januar nicht aus den Augen verloren. So
hatte noch der Präsident der Dallas-Fed zuletzt darauf verwiesen, dass die
Inflation angesichts eines aktuellen annualisierten Verbraucherpreisanstiegs
von 3,5 Prozent"nicht tot" sei. Verfestigt sich womöglich dieser Trend und
bricht das BIP im zweiten Quartal tatsächlich ein, dann stehen die USA vor
einem ganz bösen Szenario: Stagflation.
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