- Schlußbemerkungen zu der Debatte über dem sozialen Staat - Turon, 24.06.2001, 23:07
- Re: Abschreibungen sind Vergünstigungen? Hör ich recht? - Baldur der Ketzer, 25.06.2001, 00:07
- Vielleicht falsch ausgedrückt - Turon, 25.06.2001, 03:26
- Re: Abschreibungen sind Vergünstigungen? Hör ich recht? - McMike, 26.06.2001, 00:43
- Re: Abschreibungen sind Vergünstigungen? Hör ich recht? - Baldur der Ketzer, 26.06.2001, 00:57
- Goldene Regel: watt ich hab, hab ich... owT - Der Unsichtbare, 26.06.2001, 14:35
- Re: Abschreibungen sind Vergünstigungen? Hör ich recht? - Baldur der Ketzer, 26.06.2001, 00:57
- Re: Bemerkungen zu der Debatte über dem sozialen Staat - André, 25.06.2001, 00:18
- Hallo André - Turon, 25.06.2001, 04:17
- Re: Primär mit folgenden Aussagen voll einverstanden: Und Ergänzung - André, 25.06.2001, 10:03
- Hallo André - Turon, 25.06.2001, 04:17
- Re: Schlußbemerkungen zu der Debatte über dem sozialen Staat - McMike, 25.06.2001, 00:39
- Mike - Turon, 25.06.2001, 04:57
- Re: Abschreibungen sind Vergünstigungen? Hör ich recht? - Baldur der Ketzer, 25.06.2001, 00:07
Schlußbemerkungen zu der Debatte über dem sozialen Staat
Freunde:
Ich nehme mir die Freiheit nochmal zurück zu diesem unerschöpflichen Thema
zurückzukommen.
Übers Wochenende habe ich mehrere Gedanken über die Situation, und die Einstellung der Leute gemacht. Meine Meinung schlägt nicht um, aber
es sind doch etliche Sachen, die angesprochen wurden, die einen Fazit
bitter notwendig haben.
Also:
1) Wir kamen zu der Meinung in der Mehrheit der selbständigen,
daß der soziale Staat unnütz ist - es wäre alles besser, wenn
man die gesamten Kosten aufs Minimum reduzieren würden.
Meine Meinung dazu:
Wenn wir uns auf und dran machen die Fundamente der Bundesrepublik
wegzurationalisieren ist es notwendig sich auch noch weitere Gedanken
zu machen.
1) Der Arbeitslose und der Sozialhilfeempfänger ist unwirtschaftlich
- Schmarotzer.
Wie sieht es mit denen aus, aber, die seit Jahren unwirtschaftliche Betriebe
führen, und immer wieder subventioniert werden?
a) Nehmen wir doch mal nur die Bauern:
Wir produzieren seit Jahren horrende Überschüsse in der Landwirtschaft,
Weizen, Milch, Butter - allen ganz klar bekannt;
Bei so einer Masse an Überkapazitäten, ist der Wettbewerb ohne Regulierung vernichtend. Der Staat - als der Ursprung allen Übels - die der Wirtschaft
via Steuern Geldern entzieht, hat beschlossen ganzen Berufsstand zu retten,
in dem er Mindestpreise sowohl für Milch, wie Butter und Brot eingeführt hat.
Das heißt - egal wieviel eine Rekordernte bringt - die Überschüsse werden vernichtet und der Preis für Brot beibehalten. Wir haben uns mal die Mühe
gemacht nachzurechnen, wieviel Betriebe draußen wären, wenn der Bauer
ohne Subventionen auskommen müßten - 75% aller Betriebe wären Pleite.
Brot wurde vermutlich etwas um 99 Pfennig kosten in dieser Zeit, bis die
Masse der Bauern von selbst aufgibt.
Meiner Meinung nach: wenn wir schon dabei so dreist sind Ãœberlegungen
wie die Vernichtung des Sozialstaates in die Wege einzuleiten, warum streichen
wir nicht die Subventionen einfach? Sind diese etwa dann sozialgerecht?
Oder irgendwie sinnvoll - wenn 25% der Betriebe es genauso erfüllen könnten?
Nein - wenn wir schmarotzerei bekämpfen wollen, dann auf der ganzer Linie.
Doch die Klientel der CDU/CSU ist hier mindestens so stark - wie die Klientel
der SPD in Saarland. Hier wird nämlich auch noch die schlimmste Gurke am Leben
erhalten obwohl der Staat wesentlich besser dran wäre die Betriebe zu schließen, und die Leute bei vollen Lohnausgleich nach Hause zu schicken.
Womöglich wäre es sogar besser den Leuten gleich hohe Entschädigungen zu zahlen,
wenn sie sich entschließen würden neue Wege zu gehen.
Aber nein: das was wirklich schon längst tot ist das wird immer noch am Leben erhalten. Und obszönerweise schreit man dort auch noch - die Leute sind Schmarotzer und wir Unternehmer. Wo ist der Unterschied? Es gibt gar keinen.
In bester Manier wird dann auch noch Unsinn verbreitet - die Zahlen für
Steueraufkommen, die überhaupt nicht in geringsten zutreffen.
Erstens: wenn man schon Minus erwirtschaftet, relativiert sich die Frage nach dem Steueraufkommen. Oder will Jemand ernsthaft behaupten er zahlt
tatsächlich 60% Steuern von Einnahmen die man nicht hatte?
2) Und wenn wir schon bei Steuern sind: 60 und 80 werden da genannt.
Weil es schwarz auf weiß auf einem Zettel steht. Ha ha, sage ich dazu
nur - als ob der Selbständige überhaupt gar nichts vom Staat bekommen
würde. Wenn er echter Unternehmer ist, der weise entscheidet, wird er
sehr wohl auch unendliche Vorteile sehen:
zum Beispiel das Steuern wirklich relativ sind:
wenn eine Firma in Periode a halbe Million Steuern zahlt,
und in der Periode b Verluste erwirtschaftet - gibt es jede
Menge Möglichkeiten den Verlust vorzutragen - was schlicht und einfach
bedeutet 60% steht tatsächlich nur auf dem Papier;
Vermögenssteuer - wurde abgeschafft - also was jauchzt ihr denn so.
Wenn Jemand aber tatsächlich 20 Jahre lang gewinnbringend arbeitet
aber nichts modernisiert - der sollte sich auch nichts vormachen.
Irgendwann hat das sein Ende, wenn man nicht am Ball bleibt - neue
Technologien machen es möglich. Wenn also jemand genauso wie vor
20 Jahren sich vormacht, er kann sein Betrieb ohne Moderniesierung
vorankommen - der sollte mal einen Blick nach Osten wagen - das ist
nämlich seine Zukunft - Eimer und Waschlappen.
Zu Steuern sagte der US-Botschafter, daß die Besteuerung der Betriebe
in USA und Deutschland etwa gleich sind. Wir haben aber zuviele
Vorschriften. Das ist vollkommen richtig.
Nur dort in USA - kann auch nicht Schlosser einen Schlosserbetrieb aufmachen,
und wenn man sich hier als Nichtschlosser als Schlosser verkaufen will, kommt sehr schnell Unterlassungsklage mit Schadensersatzforderung.
Blödsinn - denn das regelt der Staat auch noch - wir haben bei uns einen
Produkthaftungsgesetz - also wenn ein Nichtschlosser Mist baut,
wird er zur Ausbesserung verpflichtet, und zwar kostenlos,
wenn er Glück hat.
Diese wenigen Beispiele zeigen doch auf welchen dünnen Eis einige Leute
tanzen, wenn sie meinen der Sozialstaat ist nur für die faulen Schmarotzer gut.
Und sie arbeiten mit der Beeinflussung sondersgleichen. Es wird irgendetwas von
Spitzensteuersätzen geschwaffelt.
Wir wissen sehr wohl - das etliche wirklich clevere Unternehmer sehr wohl
in der Lage sind durch moralisch äußerst kurioses handeln das Steueraufkommen
gegen Null zu senken. Zwar wurden die Steuerschlupflöcher zum Teil geschlossen,
doch nach wie vor selbst wenn Ihr behaupten wollt da wird immer 60 - oder gar 80% fällig so ist das Ohrfeige für alle die hinter Euch stehen und Euch noch vertrauen. Doch keine Bange - die Stimmung im Volke ist sowieso schon mies genug
und soviel bedarf es nicht um sich selbst mal aufzuklären, wie es tatsächlich aussieht.
Dann dreht sich womöglich der Schwert der Gerechtigkeit, gegen die, die
meinen in Vergleich zu einigen Sozis ungerecht behandelt zu werden.
Ich habe bereits schon mal erwähnt. wie sind die größten Befürworter nicht von Kapitalismus, sondern Stahlinismus - und nach der Debatte von vorhin, bin ich davon überzeugt, daß die meisten"Stahlinisten" in den Firmen sitzen.
Was auf den ersten Augenblick als Unsinn erscheint, erweist sich
höchstens etwas überspitzt - wenn man genau hinsieht:
Die Stahlinisten waren Menschen, die vor nichts und Niemandem mehr
Achtung hatten. War man anderer Meinung - schickte man solche Leute mit
allen Mitteln nach Sibirien:
Wenn man es auf uns überträgt: nein - wir schicken die Leute nicht nach Sibirien. Wie stecken sie gleich in die Gulli.
Da die Regierung nicht bereit ist unsere Forderungen zu erfüllen,
werden wir das Volk auf sie hetzen. Wir werden die treuen ergebenen
Angestellten bis zum Blut arbeiten lassen, einstellen werden wir
keinen mehr. Bis die dort nach unserer Pfeife tanzen.
Zeigen wir mal im Fernsehen, die Tanke wie gut es wäre,
wenn Spritt ohne Steuer verkauft werden könnte, zeigen wir den
Kanzler als Knastie, also dort wo wir in gerne hätten, der Mann auf
der Straße ist auch immer noch dumm genug um das zu glauben.
Ersticken wir jeden Widerstand in Keim.
Als nächstes lassen wir dann von der nächster Regierung
exakt das machen, was wir schon lange wollten. Wir schaffen den sozialen
Staat radikal ab, aber die CDU soll bloß weiterhin sich von Subventionen
die man an uns zahlt fernhalten.
Schicken wir unsere Fernfahrer zu Demo nach Berlin - damit die Regierung
merkt was sie für Schaden angerichtet hat letztendlich kostet der Spritt
jetzt nach der Steuerreform nicht mehr 1,30 wie zu guten alten Zeiten der Regierung die uns aus der Hand gefressen hat, sondern 2 DM, und die Auswirkungen
der Ã-kosteuerreform werden auch noch den Sprittpreis auf 5 DM biemen.
Wie gut war es doch als die alte Regierung noch das Machtwort hatte.
Bedeuerlicherweise ist exakt das das Ende einer Wirtschaft, wie uns Stahlinisten
bereits vorgemacht hatten. Eine UdSSR gibt es nicht mehr, die Stahlinisten verwalten dort bereits"Schutzapparate" kostet 20% der Einnahmen, aber so eine
Firma braucht auch einen Schutz.
In meiner alter Heimat galt mal das Sprichwort: wo es mehr Köche, als Mäuler gibt wird niemand satt.
Das kann ich nur eindeutig jetzt erst bestätigen. Wir wollen alle Politik betreiben, meinen es besser zu können. Nach allem was ich hier gehört habe,
kann ich nur eines sagen: Armes Deutschland.
Also gut:
Wenn man radikalreformer sein will, und dazu auch noch gerecht:
machen wir es einfach.
Reißen wir den Sozialstaat gleich zusammen mit den Subventionen ab,
und auch Überkapazitäten: immerhin haben dann gleich alle die
gleichen Karten. Dann gibt es keine unwirtschaftlichn Betriebe mehr,
und auch keine Sozialhilfeempfänger.
Der Bauer und die meisten der Selbständigen und auch noch paar
Unternehmer die es nicht geschafft haben, werden dann wohl
in der verlassener Kaserne, bei einem Glas warmer Suppe,
endlich zueinanderfinden - und begreifen endlich woran es ankommt.
Es geht nicht um Ungerechtigkeit, es geht auch nicht um Kapitalismus,
oder Sozialismus - es geht darum, daß man das Leben insgesamt irgendwie
meistert.
Ich bezweifle nur, ob es denn überhaupt in Deutschland noch so viele
Kasernen gibt.
Zum Schluß nur noch an diejenigen die noch bereit sind zuzuhören, oder
sich wahrhaftig Gedanken zumachen.
Macht Euch nichts vor - ganz egal, was man hier abreisen wird als
erstes es wird Euch sowieso treffen. Vermutlich werdet Ihr auch begreifen, daß man von 0 Einnahmen keine Steuern zahlen kann - also wird es auch nicht auf 30% oder 60% ankommen. ;)
Eine Lösung dafür in einer dynamischer Wirtschaftsentwicklung gibt es nicht.
Der Staat muß die Steuern erheben, um Projekte zu fördern, die notwendig sind, um eine ganze Nation über die Runden zu bringen. Wenn der Selbständige also meint - er hat da sein Schuhbetrieb und wenn er nur genügend ranklotzt dann ist es schon ausreichend - so irrt es sich gewaltig. Die Leute tragen ungerne
immer wieder die gleichen Schuhe, und manchmal tragen sie die Schuhe etwas länger. Andere wiederum wissen schon wie man einen neuen Absatz befestigt,
und wiederum anderen ist es völlig schnuppe, ob der Schuh noch Absätze hat.
Und die restlichen die sich es leisten können, suchen sich sowieso den
günstigsten Service.
Also: es geht ohne Steuern gar nicht. Und schon gar nicht ohne Moderniesierung der Betriebe. Und manchmal muß man auch das alte unwirtschaftliche völlig abgeben, und sich neuerem Sachen widmen. Exakt das wird bei uns nicht gemacht.
Einmal Schlosser immer Schlosser, einmal Handwerker immer Handwerker.
So geht es in moderner Gesellschaft nicht. Und damit die Gesellschaft modern
bleibt zahlt man hohe Abgaben und bekommt bei Modernisierung die Möglichkeit
Erleichterungen zu bekommen. Wer keine Abschreibungsmöglichkeit bekommt,
kauft auch keine neuen Maschinen - und aus dem Grunde - begann der Zerfall
der Ostwirtschaft erst nach der Liberalisierung. Plötzlich und mit einem Schlag war nichts mehr rentabel.
Daher: es hat keinen Sinn den Schuldigen zu suchen - und schon gar nicht die Frechheit zu besitzen, alle Leute als permanente Schmarotzer zu bezeichnen.
Mag sein, daß viele von denen es tatsächlich sind, aber ganz sicher nicht alle.
Warum wohl ich keine Probleme habe mit solchen Leuten, oder mit diesen ach so schlimmen Beamten, oder wie nereus, liegt wohl einfach an der Einstellung.
Und es heißt nicht, daß ich Niemandem entlassen würde. Ich packe auch Niemandem mit Samthandschuhen an.
Gruß.
Das Thema ist für mich jetzt ersteinmal beendet.
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