- Schlußbemerkungen zur Debatte - das muß man noch was zu sagen, leider ;-) - nereus, 25.06.2001, 10:55
- Re: Schlußbemerkungen zur Debatte - das muß man noch was zu sagen, leider ;-) - Baldur der Ketzer, 25.06.2001, 11:09
- Re: Bemerkungen zur Debatte - da muß man noch was sagen - André, 25.06.2001, 11:53
- Kleine Rechtfertigung! - McMike, 25.06.2001, 12:50
- Re: Kleine Rechtfertigung! - und die Goldwaage und ihre hohe Sensibilität - nereus, 25.06.2001, 13:17
Schlußbemerkungen zur Debatte - das muß man noch was zu sagen, leider ;-)
Hallo Turon, Andre`, mc mike und Baldur!
Andre` schreibt: Das Engagement von Turon, der offensichtlich Zugereister ist, ist durchaus nachzuvollziehen. Jedoch in der politischen Diskussion geht es nicht (!) um relative Vergleiche zu Ländern, wo die Dinge (noch) schlechter liegen. Das ist hier wohl bekannt, sondern es geht darum, daß die Dinge in diesem Land nicht so laufen, wie sie laufen könnten.
Es läuft sicherlich nicht so wie es laufen sollte. Vollste Zustimmung.
Eigentlich sind alle in dieser Runde näher beieinander als es die Texte manchmal ausdrücken, nicht wahr?
Daher fällt die Beweisführung der eigenen Argumente manchmal etwas hart aus und droht sogar zu kippen.
Wie schrieb mc mike als Turon auf die Steuerschlupflöcher hinwies?
Diese Unternehmer nützen Gesetze die von unserem Staat gemacht wurden. Sorry, moralisch vielleicht nicht richtig, aber legal! Eine Frucht des Staates!!!!!!!!!
Nun ja, möchte man dann sagen. Ich hoffe nur er nutzt keine Schlupflöcher und gibt den Versicherungsschaden immer in der tatsächlich entstandenen Höhe an. ;-)
Klingt ein bisserl wie George Soros. Der hat auch gesagt das seine Spekulationen ggf. auch unschuldige Leute treffen, aber wenn er nicht auf die sogenannten Marktungleichgewichte reagiert tun es eben andere.
Da hat er schon recht, aber auf dieser Schiene läßt sich so gut wie alles rechtfertigen.
Turon versucht die ganze Zeit eine gewisse Ausgewogenheit in den Laden zu bringen in dem die Nach- und auch die Vorteile aufgezeigt werden.
Wenn man sooo viel schreibt wie er schießt man vielleicht mal auch über's Ziel hinaus. ;-)
Und Baldur hat mit den Abschreibungen ja auch korrigierend und zu Recht eingegriffen.
Trotzdem ist mir der ganze Ansatz von Turon irgendwie sympathischer, denn es geht ja dann noch weiter.
Andre`schreibt: Und das liegt zwar durchaus auch an den Politikern, denen niemand mehr traut, jedoch alles zutraut, vornehmlich jedoch an der deutschen Gesellschaft selbst. Einer Gesellschaft, die"Sicherheit" über"Freiheit" stellt.
Da könnte er richtig liegen. Einen gewissen Sicherheitsbedarf mache ich da auch aus.
Und aus dieser pervertierten Einstellung haben sich in der Geschichte dieses Landes bekanntlich irrsinnige Probleme ergeben.
Aber jetzt kommt es etwas knüppeldick.
Welches andere Land hatte je sowohl einen funktionierenden Faschismus und (!) einen funktionierenden Kommunismus=Stalinismus.. hintereinander ausgelebt? Eben deshalb weil den meisten unserer Landsleute Sicherheit, Heilserwartung vom Staat und der Bürokratie über Eigenverantwortung und Freiheit geht. Und das ist die Wurzel des immer wiederkehrenden Ungemachs.
Das greift aber jetzt ziemlich kurz lieber Andre. Das Du in diesen Voraussetzungen begünstigende Momente für Ungemach siehst kann man abnicken, aber Du bastelst danach an einer gefährlichen Theorie.
Sicher hat die deutsche Nation eine überdurchschnittlich hohe Zahl an herausragenden Philosophen, Dichter und Musikern und Künstlern hervorgebracht, und auch verbrecherische Politiker, die aber nur deshalb reüssieren konnten, weil die Gesellschaft, d.h. nahezu jeder Einzelne sie gewähren ließen und die Majorität gläubig von ihnen das Heil erwartete, wie unreife Kinder statt die Wahrheit in der eigenen Brust zu suchen.
Soweit hinunter sollte man die schrecklichen Ereignisse des letzten Jahrhunderts nun aber nicht reduzieren.
Das klingt wie Daniel Goldhagen. Die Deutschen sind böse und das eigentlich im Grunde ihres Herzens und sie werden es wohl auch bleiben. Ich übertreibe jetzt auch mal etwas.
Am Ende schämst Du Dich ja sogar manchmal ein wenig.
Du mußt Dich nicht schämen. Wofür denn auch?
Wenn Du eine kriminelle Handlung begangen hast oder anderen Menschen Leid zugefügt hast, darfst Du Dich wirklich schämen.
Aber bleib uns bitte mit der verdammten Kollektivschuld vom Halse. Ich schätze Du bist Jahrgang 50 bzw. höher, also ein Nachkriegskind und hattest die Gnade der späten Geburt.
Wenn gemachtes Leid finanziell einigermaßen getilgt werden kann, meinetwegen.
Doch das Büßerhemd hängt mir unendlich zum Halse raus und diese Klischees bedienen ausgerechnet wir selbst am meisten.
Turon fragt Dich wofür Du Dich schämst?
Eine sehr gute Frage finde ich. Er kommt übrigens aus einem Land wo die Deutschen sich nun wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert haben. Und er reicht Dir im Prinzip versöhnlich die Hand und sagt:"Nun ist es langsam mal wieder gut". Und was machst Du? Du möchtest Dich lieber wieder weiter schämen.
Hier liegt eines der wesentlichen Probleme. Der Frust den mal raus lassen will, wird auf die, von Dir völlig zurecht kritisierte, Staatsbürokratie gelenkt.
Vielleicht sollten wir zuerst mal wieder lernen nach vorn zu blicken, selbstbewußt zu sein und hin und wieder mal etwas stolz zu sein. Harald bezeichnet das mit aufrechtem Gang.
Ja ich weiß, in den Stechschritt sollten wir dabei wirklich nicht verfallen, aber die Dinge sind nun mal sehr komplex und die anderen sind auch keine Unschuldsengel.
Vielleicht kann sich dazu mal ein hier mitmachender Psychologe äußern?
Alle Welt kommt nach Deutschland, weil es sich offenbar hier recht gut leben läßt. In Europa ist man der Zahlmeister und was machen wir? Wir schämen uns.
Ja Kreuzdonnerwetter noch mal! Was soll denn das?
Die Amerikaner machen mir einen recht munteren Eindruck und schwenken bei jeder passenden und manchmal auch unpassenden Gelegenheit ihre Fahne.
Und das trotz ca. 8 -9 Millionen toter Indianer und wahrscheinlich eben so vieler toter afrikanischer Sklaven.
Die Napalm-Opfer von Vietnam scheinen auch recht schnell vergessen zu sein.
Das würde ich Billy Taylor aus Texas und Mike McMurphy aus Baltimore auch nie vorhalten wollen.
Und zu der Insel in der Nordsee und unseren westlichen Nachbarn gäbe es auch ein paar Dinge zu sagen.
Und im Osten, sprich Rußland, wird es dann ganz zappenduster.
Aus Moskau wird man übrigens nicht entschädigt.
Und warum? Weil es da nix zu holen gibt. So einfach ist das.
Also bevor wir hier von einer Jammerorgie in die andere fallen, bitte mal auch mal dran denken das dieses Land, welches vor ca. 56 Jahren völlig zerstört war, heute wieder eines der gefragtesten und auch modernsten Staaten auf dieser Welt ist.
Den einzigen den dieses Land offenbar nicht so recht gefällt sind deren eigene Bewohner.
Das müssen schon sehr merkwürdige Zeitgenossen sein.
So, und nun könnt Ihr mich zur Sau machen! ;-)
mfG
nereus
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