- aus HB: Gold - Wenig Hoffnung auf neuen Glanz - Sascha, 26.06.2001, 11:40
aus HB: Gold - Wenig Hoffnung auf neuen Glanz
Verkäufe der Zentralbanken bremsen den Preisanstieg
<font size=5>Wenig Hoffnung auf neuen Glanz</font>
WOLFGANG DRECHSLER
Der Goldpreis löst sich von seinen Tiefstständen. Nach dem Anstieg warnen fundamental orientierte Analysten aber vor verfrühtem und übertriebenem Optimismus.
HANDELSBLATT, 26.6.2001
KAPSTADT. <font color="#FF0000">Der Goldpreis hat in den letzten Wochen solch heftige Turbulenzen erlebt, dass einige Beobachter über ein Ende der 20-jährigen Baisse spekulieren</font>. Mitte Mai kletterte der Preis des gelben Metalls binnen weniger Stunden von 273 auf 291 $ pro Unze, um dann aber ebenso schnell auf den alten Stand zurückzufallen. Gestern notierte der Unzenpreis bei 273,10 $.
Beflügelt durch die Bewegung beim Goldpreis legten die Aktienkurse vieler Goldminen-Unternehmen kräftig zu. <font color="#FF0000">So notiert das US-Schwergewicht Barrick Gold derzeit bei knapp 20 Euro - höhere Kurse gab es in den vergangenen Jahren nur ganz selten</font>. Auch Goldfonds, wie DWS Goldminenaktien, tendieren fast auf einem Drei-Jahres-Hoch.
Die turbulente Entwicklung bestätigt jene Mahner, die in dem Preisschub nur das <font color="#FF0000">Abdecken spekulativer Baissepositionen sehen</font>. Diese hatten im Mai den höchsten Stand seit fast zwei Jahren erreicht und fielen damit technisch so stark ins Gewicht, dass eine Gegenbewegung überfällig war.
<font color="#FF0000">Momentan steht einer geschätzten Nachfrage von jährlich 3900 Tonnen ein Angebot von nur 2500 Tonnen durch die großen Minengesellschaften in Südafrika, Nordamerika und Australien gegenüber</font>.
Bei jedem anderen Metall würde eine solche Diskrepanz sofort einen enormen Preisschub bewirken. Auf der anderen Seite kommen zu den 2500 Tonnen auf der Angebotsseite noch 600 Tonnen recyceltes Altgold, 500 Tonnen durch Verkäufe aus den Tresoren der Notenbanken sowie 300 Tonnen, die die Minen als Vorausverkäufe ihrer künftigen Produktion zur eigenen Absicherung auf den Markt werfen, hinzu. Belastend wirken die ständigen Goldverkäufe durch Zentralbanken in aller Welt. Zwar hat die Ankündigung von 15 europäischen Notenbanken im September 1999, innerhalb der nächsten fünf Jahre maximal 2 000 Tonnen Reservegold zu verkaufen und Goldausleihungen einzufrieren, für mehr Berechenbarkeit im Markt gesorgt. Gleichwohl räumt das Londoner Beratungsunternehmen Gold Fields Mineral Services ein, dass das anhaltend hohe Niveau dieser Verkäufe Anleger von größeren Investitionen im Goldsektor abhält. <font color="#FF0000">Es gilt als sicher, dass die meisten Notenbanken sich auch künftig von einem Teil ihrer Goldvorräte trennen wollen, weil sie ihre Devisenreserven profitabler anlegen wollen</font>.
Deutlich wird die Skepsis gegenüber dem Goldpreis an der Preisentwicklung. Seit Monaten bewegt sich dieser - abgesehen von den jüngsten Ausreißern - in einer engen Spanne zwischen 250 und 280 $ pro Unze. Die meisten fundamental orientierten Analysten äußern sich skeptisch <font color="#FF0000">und halten einen Rückfall des Preises für wahrscheinlich</font>.
So meint Ted Arnold von Prudential in London, dass der Goldpreis noch längere Zeit zwischen 250 und 280 $ pendeln wird. Eine Steigerung sei erst dann möglich, <font color="#FF0000">wenn der Dollar um 20 % oder mehr falle</font>. Ähnlich äußert sich auch Andy Smith vom Handelshaus Mitsui. Er sprach bis vor kurzem sogar noch von <font color="#FF0000">neuen Tiefständen um 150 $ pro Unze</font>.
Ein Lichtblick für das gelbe Metall wäre eine stärkere industrielle Nutzung. Bislang wird Gold zu 80 % in der Schmuckproduktion verwendet. <font color="#FF0000">Neue Studien deuten darauf hin, dass Gold in Luftfilteranlagen und in der chemischen Industrie Verwendung finden könnte</font>. Sollte sich dies bestätigen, <font color="#FF0000">könnte der Goldverbrauch im nächsten Jahrzehnt um 400 Tonnen pro Jahr steigen</font>. Zudem will die Industrie durch mehr Werbung die Nachfrage nach Goldschmuck ankurbeln und dafür mehr Mittel zur Verfügung stellen. Bobby Godsell, Chef des weltgrößten Goldproduzenten Anglogold ist davon überzeugt, dass Gold künftig genauso vermarktet wird wie andere Markenartikel.
HANDELSBLATT, Dienstag, 26. Juni 2001
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