- Jetzt Phönic einschalten! (owT) - Standing Bear, 05.01.2002, 14:43
- Phoenix natürlich. - Standing Bear, 05.01.2002, 14:44
- Re: Phoenix natürlich. - monopoly, 05.01.2002, 15:01
- Re: Phoenix natürlich. - Zardoz, 05.01.2002, 15:05
- Re: So sehen das viele Italiener....... - André, 05.01.2002, 20:06
- Phoenix natürlich. - Standing Bear, 05.01.2002, 14:44
Re: So sehen das viele Italiener.......
>>Nur ein kleiner Ausschnitt, wurde ja gestern schon gezeigt: Berlusconi ist Mitglied er Loge P2. Sie kontrolliert Italien und hängt eng mit CIA etc. zusammen.
>>SB
>Warum habe ich bei solchen Beiträgen nur immer das Gefühl, eine Macht (wer kontrolliert Phoenix?) wolle mich gegen eine andere instrumentalisieren?
>Ich glaube, die Italiener sehen das überwiegend viel entspannter - kein Wunder bei 30% Anteil"Schwarzarbeit" an der Wirtschaftsleistung.
>Nice weekend,
So sehen das vor allem auch so manche Italiener:
DIEWOCHE 02/02, 04. Januar 2002
WENN DER STAAT ZUM KOMPLIZEN WIRD
Die neue Macht der Mafia
Italiens Unterwelt ist zurück: Das organisierte Verbrechen hat sich mit der Regierung von Silvio Berlusconi verbündet - Bedrohung für ganz Europa
VON OLIVER FAHRNI
Europas Demokraten, kaum fällt ihr Blick gen Süden, klappern die Zähne. An Afghanistan kann’s nicht liegen. Die"Überlegenheit der westlichen Zivilisation über die muslimische", wie Silvio Berlusconi sagt, ist mittels Flächenbombardement einmal mehr krachend behauptet.
Bange macht uns der Verdacht, um die Zukunft der freundlichen, europäischen Form von Politik und Zusammenleben gehe es nicht in den fernen Höhlen von Tora Bora, sondern im wilden Berlusconistan. Noch nicht 200 Tage im Amt, hat der italienische Premier ("Keine Nation hat meinesgleichen") den Rechtsstaat ausgehebelt. Zum Amtsantritt eine Prügelorgie beim G8-Gipfel in Genua. Dann schleifte oder amputierte Berlusconi eine Reihe von Strafgesetzen, um sich selbst und einige seiner Kumpane vor diversen Anklagen in Sicherheit zu bringen. Setzte Verjährungsfristen herab, erschwerte die Rechtshilfe, will 50 Milliarden Euro Schwarzgeld nach Italien locken.
Sich die Richter ("rote Roben") vom Hals zu schaffen war für Berlusconi das wichtigste Motiv, in die Politik zu gehen. Kein ehrenwerter, aber ein eiliger Mann - 1994 hatten ihn die Bürger schon nach sieben Monaten aus dem Amt befördert. Jetzt entdecken sie, dass sie bei seiner Wiederwahl Opfer einer feindlichen Übernahme geworden sind. Sie wollten einen Krisenlöser, den reichsten und trickreichsten unter ihnen, den"Furbo", einen Bewahrer. Nun sind sie mit Kind und Kegel, mit Medien und Richtern, Hoffnungen und Bedürfnissen von Berlusconis Konzern Fininvest gekapert worden.
Zur selben Zeit meldet sich die Mafia, die man vernichtet glaubte, in den Zentren der Macht zurück - radikal modernisiert, auf allen Finanzplätzen investierend, potenter als zuvor. Statt in breite Nadelstreifen kleidet sie sich in dunkles Business-Tuch. Zu Dutzenden sitzen ihre Freunde im neuen römischen Parlament. Mafia-Anwälte bewegen die Hebel imJustizministerium. Ein Minister sinniert ungestraft, das Land müsse sich mit dem organisierten Verbrechen arrangieren. Derweil spreizt sich eine ohnmächtige Opposition in der Wandelhalle, dem"Korridor der verlorenen Schritte".
Gespenstisches Italien. So beenden Berlusconi und der neue Mafia-Pate Bernardo Provenzano ein Zwischenspiel der italienischen Geschichte: sozialdemokratische und sozialliberale Regierungen, Kampf gegen die Mafia. Das alte System, die Symbiose von organisiertem Verbrechen, Geld und Regierenden, hat die Geschicke erneut fest in der Hand - mit mächtigeren Statthaltern.
Verstörend für den Bürger, dieses Bild trauter Dreisamkeit. Er weiß um manche kleine Durchstecherei. Aber seinZutrauen zum Staat und sein Verständnis von der eigenen Gesellschaft sind auf die Versicherung gebaut, die Gewalten und Sphären seien getrennt, die Justiz wache und die Polizei sei unbestechlich - im Großen und Ganzen.
Idyllische Vorstellung. Dass Politik, Kapital und Verbrechen in schwankender Distanz zueinander leben - manchmal in blutiger Konkurrenz, dann wieder in intimer Liaison -, ist kein italienischer Sonderfall. Viele Vermögen gründen auf der Beugung des Rechts, auf Beutezügen, Schmuggel, Sklaverei, Ausbeutung. Korruption, das Geschäft mit den knappen Waren Einfluss, Gunst und Duldung, ist ein unterschätzter Wirtschaftsfaktor. Viele europäische Parteien wurden aus schwarzen Kassen gespeist. Das blenden wir gerne aus, registrieren hinterher erschreckt Affären wie Leuna oder die Vernichtung von Akten im Kanzleramt.
Italiens Besonderheit war es, dieses System zu gegenseitigem Nutzen und Profit zur Staatsform kultiviert zu haben. Nach demKrieg bauten die Christdemokraten ihre Herrschaft auf die Unterstützung der Mafia imSüden. Im Gegenzug bediente sich die ehrenwerte Gesellschaft an öffentlichen Aufträgen und wurde mit leichter Hand verfolgt, wenn sie Drogen- und Waffenhandel, Prostitution, Schutzgelderpressung, illegalem Glücksspiel nachging. Vatikan und Geheimdienste waren die anderen Pfeiler jenes Andreotti-Italien. Um einer Wahl der mehrheitsfähigen Kommunisten vorzubeugen, zog der amerikanische Geheimdienst CIA der italienischen Gesellschaft eine Parallelstruktur unter, die zum Äußersten bereitstehen sollte, notfalls zumPutsch. Geheimdienste und Mafiosi stellten die Fußtruppen. Gladio wurde sie genannt und von der Geheimloge P2 geführt, der auch Berlusconi angehört haben soll. Der heutige Premier betonierte damals mit Bauprojekten die Basis seines Konzerns. Mit der Modernisierung Italiens und der Auflösung des Ostblocks zerfiel diese kriminelle Ordnung.
Heute dem ungeklärten Ursprung von Berlusconis Kapital nachzuspüren - Staatsanwälte wie Roberto Scarpinato oder Antonio di Pietro vermuten Mafia-Geld -, mag erhellend sein, verfehlt aber den Kern der neuen Allianz. Berlusconi muss nicht wie der siebenfache Premier Giulio Andreotti beim Mafia-Paten den Mund zumBruderkuss spitzen. Die Verschwörung hat sich erübrigt: Politik, Finanzwelt und Kriminalität schaffen sich gegenseitig und ohne Absprache ein Umfeld, in dem sie gedeihen können.
Die Cosa Nostra verdient dieser Tage, so schätzen Mafia-Jäger, sechs von zehn Euro mit"legalen" Investitionen auf den Finanzmärkten. Das erledigen Banken von untadeligem Ruf. Investoren ihrerseits sind auf den Mafia-Schatz angewiesen. Globalisierung und Deregulierung helfen: Sie machen die Kontrolle der Kapitalströme unmöglich.
Berlusconi bedient beide, zu eigenem Profit. Er versteht Italien als Konzern. Gemeininteresse? Ein Popanz."Seid wie ich", sagt"Berlue" den Bürgern. Nehmt euch, was ihr kriegen könnt. Seine Vita ist Programm. Der Staat: gehört zerschlagen, bis auf ein paar autoritäre Ordnungsfunktionen, gegen den Bürger gerichtet. Richter, Polizisten,Journalisten? Lakaien. Die Opposition? Allesamt Kommunisten. Da zeichnet sich, weit über Italien hinaus, ein Ordnungsmodell ab - ultraliberal und autoritär, eine neue Rechte. Roberto Benigni, Dario Fo, Paolo Flores d’Arcais und eine Hand voll weiterer Intellektueller riefen in der Zeitschrift"Micromega" zumWiderstand auf. Per Referendum kämpfen sie gegen Berlusconis Justizreform. Sie sehen die Demokratie in Gefahr. Und Europa? Grummelt, gruselt sich. Aber schweigt.
© DIE WOCHE Zeitungsverlag 2002
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