-->>Hallo Tassie,
Hi Tempranillo,
>die Gelegenheit, endlich mal meinerseits Definitionen durchzukauen möchte ich mir nicht entgehen lassen. Und es führt auch ein direkter Weg zur Sache. So lässig, wie sich das aus Deinem Posting ableiten ließe wollen wir es Springer nicht durchgehen lassen, daß sich seine Zeitungen und Zeitschriften als Megaphon amerikanischer Einflüsterungen betätigen. Oder, um ein zu Tode zitiertes Bild zu nehmen, als Transmissionsriemen der US-Propaganda.
Ich habe wirklich nichts dagegen, wenn Du aus Deiner Sicht klarstellst, welche Melodeien die Springermegaphone, hierunter im besonderen BILD, immer haben ablaufen lassen.
Es war keinesfalls in meiner Absicht, Laessigkeit zur Schau zu stellen, aber es ist halt mal so wie es ist, der Begriff Zeitungsente war mir schon als kleiner Junge ein Begriff, und dass man nicht alles, was in einer Zeitung informativ steht als bare Muenze nehmen muss, z.B. weil auch der verantwortliche Redakteur seine ureigenste Sicht der Dinge hat, nuja, als deutschem Junggymnasiasten vor ca. 45 Jahren leuchteten mir solche Dinge ebenfalls ganz schnell ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich generell damit begonnen, Informationen aller Art, besonders wenn sie fuer mich m.E. wichtig waren, auf ihren Wahrheitsgehalt zu untersuchen.
>>Selbstverstaendlich ist BILD ein Medium der Informationen, denn auch Missinformationen, Fehlinformationen, verschweigen der vollen Wahrheit und Luegen sind speziell und zweckmaessig aufbereitete Informationen fuer deren Empfaenger, oder willst Du das etwa bestreiten?
>Mich überrascht, daß Dir der Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge so wenig ausmacht.
Jetzt bin ich aber baff, dass Du ueberrascht bist.
Nein, Tempranillo, Du hast einen falschen Eindruck von mir, wenn Du glaubst, dass ich Wahrheit und Luege so in etwa gleichwertig gewichte, das ist keinesfalls so.
Ich mag die Luege ueberhaupt nicht, aber deshalb vermag ich sie nicht abzuschaffen, noch sehe ich einen Sinn fuer mich darin, tagtaeglich deshalb zu weinen und zu wehklagen, dass es Luege ueberhaupt gibt. Und Macht. Und Korruption. Und noch einiges andere mehr, wie z.B. die GeCHichte der Siegermaechte.
>Information in dem von mir und im Alltagsverstand verwendeten Sinne unterstellt doch immer Wirklichkeitsbezug!
Das ist aber m.E. ein grosser Irrtum Deinerseits. Ich habe die Qualitaet einer Informationsquelle, i.e. deren Naehe zur Wahrheit der Wirklichkeit, auch immer an deren Motivationsbezug gemessen.
>Würde man Deine Definition übernehmen, hätte man jede Möglichkeit, Berichterstattung auch nur ansatzweise einer kritischen Prüfung zu unterziehen aus der Hand gegeben.
Aber nein, es ist halt nur manchmal etwas muehsam, den Massgrad der Wahrheit oder der Luege einigermassen korrekt einzuschaetzen.
>So wie Du schreibst, würden Baron Münchhausens Geschichten in eine Tagesschau passen.
Ja, entgueltig seit 1991 waren fuer mich ARD und ZDF qualitativ hochwertige Quellen solcher Unterhaltung, nicht nur aber auch, und natuerlich in Abhaengigkeit des Themas.
>Ich vermute mal, Du hast unter der Hand die Begriffe Information und Aussage gleichgesetzt, und so nebenbei auch den Wirklichkeitsbezug unter den Tisch fallen lassen.
Aber nein, Tempranillo!
Eine Information ist eine Aussage, ihr Massgrad zur Wahrheit kann 100% Kongruenz betragen, aber auch 0%, dann ist es eine perfekte Luege.
>Wer wollte bestreiten, daß halbe Wahrheiten und ganze Lügen nur einen Sinn haben, dem Leser oder Zuschauer ein falsches Wirklichkeitsbild zu suggerieren.
>Jetzt warte ich auf den Einwand, daß man, weil Objektivität ja ohnehin nur eine Schimäre sei, von einem richtigen und falschen Wirklichkeitsbild also gar nicht die Rede sein könne, man auch nicht eine sachgerechte von einer manipulierenden Berichterstattung unterscheiden könne.
Objektivitaet ist keine Schimaere, sie orientiert und reibt sich ausschliesslich an Fakten, die man gelegentlich selbst nachpruefen kann.
Sachgerechte und manipulierte Berichterstattung lassen sich manchmal und im Einzelfall direkt ueberhaupt nicht unterscheiden, wenn man jedoch den Fluss der Faktenlage aus Vergangenheit und Gegenwart einkalkulierend in die Zukunft projiziert, dann allerdings hat man ziemlich schnell den Bogen raus, was in welchem Massgrad manipulierte und was in welchem Massgrad sachgerechte Berichterstattung sein duerfte, wenn man dieses Projektionsverfahren stetig anwendet.
>Diesen Schluß halte ich für voreilig, und im übrigen vielfach nur vorgeschoben, weil journalistische Söldner glauben, sich damit ein Alibi für ihre schlampigen Recherchen, wenn nicht noch Schlimmeres, verschaffen zu können.
Du stehst mit beiden Beinen auf dem Boden der Realitaet.
Der Anzahl und Varianten der Alibis sind keine Grenzen gesetzt, wenn es um Versagen geht, selbst gestandene Maenner, darueber hinaus Familienvaeter, von denen ich glaubte, dass sie das sind, habe ich wie Schulerbuben weich werden sehen, obwohl m.E. dazu keinerlei Anlass bestand.
>Woran könnte man Objektivität festmachen? An der Wirklichkeit würde ich meinen.
Ja, unbedingt, an den Fakten aus der Vergangenheit in der Gegenwart.
>Gibt es eine Wirklichkeit, die mehr ist als das Ergebnis rein subjektiver Vorstellungen?
Ja, natuerlich.
>Wenn ja, dann lautet die nächste Frage:
>Läßt sich diese Wirklichkeit, wenn auch nur mit Annäherungen, beschreiben?
Ja.
>Wenn ja,
>Dann lassen sich divergierende Beschreibungen unter dem Aspekt des Wirklichkeitsbezuges abgleichen und mithin auf ihre Wirklichkeitsadäquanz, ihre Objektivität hin, überprüfen.
Ja.
>Wenn es keine vollkommene, wirklich 100%ige Objektivität gibt, kann das doch im Ernst kein Grund sein, darauf von vorneherin verzichten zu wollen. Es gibt auch keine vollkommene Gesundheit. Sollen wir jetzt den gesamten Medizinbetrieb stillegen?
Nein, die Tatsache, dass wir Menschen letztendlich alle sterblich sind, sollte uns nicht nach Begreifen dieser Erkenntnis bereits in der Kindheit stante pede in den Suizid treiben.
>Jetzt müssen wir nur noch versuchen, für die Berichterstattung über das Zeitgeschehen ein Objektivitätskriterium zu finden, und wenn wir nur so weit kommen, zu sagen, was sie NICHT ist - nämlich das, was der Springer-Verlag in die Lande wirft.
>Da es sich bei den Inhalten der Berichterstattung, siehe 9.11., um Fragen handelt, die durch die Bank strittig sind, und das wie, würde es der minimalsten journalistischen Ethik entsprechen, die unterschiedlichen INTERPRETATIONEN der Wirklichkeit, vulgo Pro und Kontra, unentstellt zu vermitteln. Jedes Gymnasiastenreferat, jede Facharbeit wird nicht zuletzt danach beurteilt, ob sie zu einem Gegenstand die wesentlichsten und in der Regel gegensätzlichen Meinungen und Ansichten zusammengetragen hat.
>In einer Gerichtsverhandlung wird doch genauso vorgegangen: "Audiatur et altera pars!"
>So einfach würde das gehen, wenn man nur wollte.
Rein rethorische Gegenfrage: wer ist"man" und was will"man"?
Lieber Tempranillo, waehrend meiner Gymnasiastenzeit im Bereich der Untersekunda/Obersekunda ist mir damals klar geworden, dass buchstaeblich alles"nur" eine Machtfrage ist und gewesen ist. Darueber hinaus ist mir in diesem Zeitraum auch klar geworden, dass es zwei Arten von Wahrheit gibt: naemlich die objektive Wahrheit, die sich an den Fakten der vergangenen Realitaeten und der gegenwaertigen Realitaet vollkongruierend misst und orientiert, und die subjektive Wahrheit, das ist die Wahrheit, wie jeder einzelne Mensch die objektive Wahrheit wahrnimmt, wie er glaubt, dass so die Raelitaet ist oder sein muss.
Von Objektivitaet spreche ich, wenn eine natuerliche oder juristische Person ihre subjektive Wahrheit, die sie immer nur haben kann, an der objektiven Wahrheit unter Einsatz ihres vollen Willens moeglichst deckungsgleich synchronisiert.
Dauerobjektivitaet ist lediglich ein Alias fuer Wahrheitsliebe.
Nicht nur die Springerpresse hat dabei themenabhaengig so ihre liebe Not und Muehe.
>Tempranillo
Gruss
TD
|