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Steuer auf Kondome!
Generationenkrieg in Ã-sterreich: Die Regierung will die niedrige Geburtenrate bekämpfen
von Petra Stuiber
Wien - Besonders in den Sommermonaten, da jeder Flecken in Ã-sterreich seine eigenen Operettenfestspiele veranstaltet, muss auch die österreichische Politik darauf schauen, dass sie dem Unterhaltungsanspruch genügt. In diesem Jahr begann das politische Sommertheater stilecht im malerischen Tiroler Bergdorf Alpbach. Dort treffen sich jeden August Geistesgrößen aller Disziplinen, um über Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu diskutieren.
In diesem Jahr war die Sicherung der Renten ein großes Thema. Auf hohem Niveau debattierten die Experten, bis - ja, bis die Bundesministerin für Bildung und Wissenschaft in das Tiroler Idyll platzte. Elisabeth Gehrer (Ã-VP), von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel öffentlich"Liesl" genannt, konfrontiert mit Azubis, die auf der Straße stehen, und Jung-Akademikern, die keinen Job finden, gewährte der"Presse" ein Interview zum Thema. Ihre Generation, tönte die 61-Jährige, habe den Generationenvertrag erfüllt, indem sie genügend Kinder (sprich: Beitragszahler) geboren habe. Die heutige Jugend dagegen - fortpflanzungsunwillig bis dort hinaus."Statt von Party zu Party zu rauschen", so Gehrer, solle die"Fun-Generation" selbst für Nachwuchs sorgen - dann seien auch die Renten gesichert.
Ein Jodeln ging durch die Alpen und pflanzte sich fort bis nach Wien: Die Opposition verlangte eine Entschuldigung Gehrers bei der Jugend, auch die Ã-VP-Jugendsprecherin war"not amused". Animiert von so viel Wirbel, legte"Liesl" nach: Es dürfe nicht Lebensinhalt der Jungen sein,"einen Zweitwohnsitz in Lech am Arlberg oder auf Ibiza zu besitzen". Empörung. Schon wieder.
Im dritten Akt der Sommeroperette trat dann FPÃ--Jugendsprecher Johann Gudenus auf. Dieser, Spross eines kinderreichen altösterreichischen Adelsgeschlechts, machte einen konstruktiven Vorschlag: Die Steuern auf Verhütungsmittel sollten erhöht werden, meinte Gudenus und zog sich damit den Zorn der Kondomfirmen Olla und Blausiegel zu. Einzig die Frauen- und Familienministerin nahm das ganze Theater von der heiteren Seite: Sie warte ja auch sehnsüchtig auf Enkel, scherzte Maria Rauch-Kallat, nur leider werde die Fortpflanzung dadurch verzögert, dass ihre Tochter dem Zeit raubenden Beruf einer Pressesprecherin nachgehe - und zwar bei Kollegin"Liesl" Gehrer.
Artikel erschienen am 28. Aug 2003
Oops: Zu wenig Kinder? Gab's doch schon mal vor 500 Jahren das Problem und Verhütung gab's damals auch. Und wie wurde damals das Problem gelöst?
->Hexenverbrennungen!
Also: Poppen für die Rente! OHNE Gummi!
Viel Spass, Ralf
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